"KURIER"-Kommentar von Karin Leitner: "Falsche Reflexe"

Den Freiheitlichen ist nicht beizukommen, indem man sie als Nazis tituliert.

Wien (OTS) - Wie reagieren auf die rechte Hetze der FPÖ? Ignorieren, um sie nicht zu transportieren? Scharf kommentieren? Das fragten sich politische Gegner und Journalisten schon während Jörg Haiders Obmannschaft.Unter jener Heinz-Christian Straches tun sie es noch immer.
Zu Äußerungen wie der des Dritten Nationalratspräsidenten Graf zu schweigen, wäre falsch. Strache in einer Fotomontage als Führer aufs Cover zu heben, ist es auch. Ebenso kontraproduktiv: Den Oberblauen Nazi zu nennen, wie das der deutsche SP-Spitzenkandidat für die EU-Wahl, Martin Schulz, gemacht hat.
Es wird damit erreicht, was die Freiheitlichen bezwecken: Sich als Märtyrer darzustellen, die Rolle von Täter und Opfer umzukehren. Sie können sich über "unhaltbare und letztklassige" Aussagen echauffieren, an die Sanktionszeit zu Beginn von Schwarz-Blau erinnern (schon damals hat sich ein Außenfeind gut gemacht) und sich schützend vor tatsächliche und potenzielle Wähler stellen; diese lasse man nicht verunglimpfen.
Strache und Konsorten ist nicht beizukommen, indem man sich auf ihr verbales Niveau begibt. Man muss sie in der Sache stellen. Das ist zwar mühsam, aber wirksamer, als ihrem Polit-Drehbuch zu folgen.

Rückfragen & Kontakt:

KURIER
Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
innenpolitik@kurier.at
www.kurier.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0002