Kopetz: Von der Wirtschaftskrise in die Energiekrise?

Internationale Energieagentur warnt vor den Folgen der Finanzkrise für die Energieversorgung

Wien (OTS) - Rund um den G8-Gipfel in Rom veröffentlichte die Internationale Energieagentur (IEA) einen Bericht zu den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die weltweite Energieversorgung. Fatih Birol, Chefökonom der Behörde, kommt in seinen Analysen zum Schluss, dass im Jahr 2009 die Investitionen in Öl- und Gasförderung durch die Förderländer gegenüber 2008 um 21 % und damit um 100 Milliarden Dollar sinken werden. "Das führt spätestens dann zu einer Versorgungslücke, wenn der Energiehunger der Industriestaaten nach überstandener Wirtschaftskrise wieder ansteigt," so Dr. Heinz Kopetz, Präsident des Österreichischen und Europäischen Biomasse-Verbandes. So wurden seit Oktober 2008 bis Ende April 2009 laut IEA mehr als 55 geplante Projekte abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Diese Projekte umfassen eine zusätzliche Förderquote von etwa fünf Millionen Barrel Öl pro Tag und mehr als vier Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Tag. In der derzeitigen Wirtschaftskrise kein großes Problem, aber bei steigender Nachfrage wird eine wachsende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage entstehen.

Auswirkungen auf Versorgungssicherheit, Klimawandel und Preise fatal

Die IEA zeichnet ein eindeutiges Bild: Förderländer und Konzerne erhalten durch die Finanzkrise wenig Zugang zu frischem Kapital, und die Konditionen für Kredite haben sich ebenfalls verschärft. Die derzeit niedrigen Ölpreise führen zu geringeren Gewinnen als etwa im Rekordjahr 2008, was sich direkt auf die Investitionstätigkeit der Förderländer auswirkt. Die ebenfalls durch die Wirtschaftskrise gesunkene Nachfrage nach Öl und Gas der Industriestaaten lässt die Preise derzeit auf relativ niedrigem Niveau stagnieren. "Dennoch stiegen nach Veröffentlichung der Analysen der IEA die Rohölpreise merklich auf den Märkten, die letztlich die Erwartungshaltung der Verbraucherländer widerspiegelt, dass mit einem erneuten Preisschock in naher Zukunft zu rechnen sein wird," zeigt sich Kopetz angesichts der aktuellen Entwicklungen überzeugt. Daher wäre in Zeiten niedriger Energiepreise der richtige Zeitpunkt in erneuerbare Energien und Versorgungssicherheit zu investieren, da den Haushalten und Betrieben mehr Geld in der Tasche bleibt. Geld, das für Investitionen etwa in den Umbau der Wärmeversorgung hin zu erneuerbaren Energiequellen zur Verfügung stünde.

Staatliche Anreize in Krisenzeiten wichtig, bisher aber unterdotiert

Eines stellt die IEA jedoch ebenfalls eindeutig fest: Die Entwicklung erneuerbarer Energien und die Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen und damit Investitionen in die Versorgungssicherheit sind in höchstem Maße von den Anreizen der einzelnen Staaten abhängig. Denn auch die Investitionstätigkeit für Projekte mit erneuerbaren Energien ist von der Wirtschaftskrise betroffen. So schätzt die IEA einen weltweiten Rückgang der Investitionen in diesem Feld von mehr als 35 %. Dieser Rückgang kann nur durch geeignete Rahmenbedingungen aufgehalten werden, die Investments in erneuerbare Energien interessant gestalten. "Geeignete Rahmenbedingungen auf dem Stromsektor haben wir derzeit keine, das Ökostromgesetz liegt in Brüssel zur Genehmigung. Die Sanierungsoffensive des Bundes geht in die richtige Richtung, aber ist mit 100 Millionen Euro unterdotiert. Wir müssen die Zeit nutzen, um substanzielle Erfolge bei der Entwicklung erneuerbarer Energien zu erzielen," zieht Kopetz über die derzeitige Situation Bilanz.

IEA-Bericht zum Einfluss der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die weltweite Energie-Investitionstätigkeit unter:
http://www.iea.org/G8/index.asp

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