"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "EU-Reifeprüfung nicht bestanden" (Von Wolfgang Sablatnig )

Ausgabe vom 4. Juni 2009

Innsbruck (OTS) - Nach dem Wahlkampf kann Europa nur noch unbeliebter sein, als es ohnehin schon bisher war.

Es war fast ein Stoßgebet, das Moderatorin Ingrid Thurnher nach der "Elefantenrunde" der EU-Spitzenkandidaten ins Radio-Mikrophon sagte: "Man kann nur hoffen, dass das nur im Fernsehen so ist und nicht im Europaparlament." Zuvor hatte sie versucht, die Spitzenkandidaten durch eine geordnete Diskussion zu führen. Ohne Erfolg. Für den Zuhörer blieben Wortfetzen von "Hetze" bis "Gier" und "faul". Der geringe Informationsgehalt ändert aber nichts daran, dass die Debatte sehr aufschlussreich war; da war sie symptomatisch für den ganzen Wahlkampf. Die Kandidaten und Parteien machten Wahlkampf mit österreichischen Themen, ob diese mit Europa zu tun haben oder nicht. Das soziale Europa? Ein richtiger Ansatz, dass damit weitere Kompetenzen zur EU verlagert werden, verschweigen die Sozialdemokraten aber lieber. Die Europakompetenz der ÖVP - was will sie denn mit dieser Kompetenz erreichen? Und Hans-Peter Martin? Lästige Typen, die für Sauberkeit sorgen, werden gebraucht - aber nur dann, wenn die Umgangsformen stimmen. Übrig bleibt das Bild von Streithansln - passend zum Wahlkampf, der die große Chance ausgelassen hat, Europa im positiven Sinn ins Bewusstsein der Bürger zu rücken und eine Diskussion darüber zu starten, wie das Europa der Zukunft aussehen soll. Keine leichte Aufgabe. Aber wer sollte sie übernehmen, wenn nicht die staatsstragenden Parteien. Tatsächlich ist von der Europareife, die der Türkei abgesprochen wird, auch hierzulande nicht viel zu sehen. Im Gegenteil. Es darf sich niemand wundern, wenn die Zustimmung zur EU weiter sinkt.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion, Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001