Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Von Frauen und Männern"

Ausgabe vom 4. Juni 2009

Wien (OTS) - Nicht auszudenken, wenn's umgekehrt wäre. Die jüngsten Arbeitslosenzahlen zeigen nämlich ein völlig unsymmetrisches Bild: Bei den Männern nahm die Zahl der Beschäftigungslosen um 42 Prozent zu, bei den Frauen nur um 17. Diese Tatsache war kaum einem Politiker, kaum einem Medium eine Erwähnung wert. Wäre es umgekehrt, hätten die Grünen hingegen schon eine Sondersitzung des Parlaments beantragt; würde die Regierung ein teures Sonderförderungsprogramm beschließen; würde der OGH seine Judikatur weiter eskalieren (der jüngst schon geurteilt hat, dass ein Zimmermann Frauen aus körperlichen Gründen nicht ablehnen darf); würden die Unis 20 weitere Pflichtvorlesungen mit dem Wort "Gender" im Titel installieren; würden die diversen Forschungsförderungsfonds Hunderte weitere Aufträge zu einschlägigen Studien vergeben.

Da kann man ja noch richtig froh sein, dass die Krise primär die Männer trifft.

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Köstlich, wie die OECD mit einer neuen Auswertung der Pisa-Studie umgeht. Diese zeigt nämlich weltweit signifikante Unterschiede zwischen Buben und Mädchen. Jene sind deutlich besser bei Mathematik, diese beim Lesen.

Da die Feministen aber alle angeborenen Unterschiede zwischen den Geschlechtern verboten haben, drechselte die OECD folgenden skurrilen Titel: "Geschlechtsbezogene Vorurteile beeinflussen die Bildungsergebnisse von Jungen und Mädchen."

Ehrlicher geht der "Spiegel" mit den ebenfalls massiv signifikanten Ergebnissen des größten deutschen Bildungstests um; an diesem "Studenten-Pisa-Test" nahmen nicht weniger als 600.000 Freiwillige teil. Er zeigt, ebenso wie der standardisierte "Bochumer Wissenstest" mit 10.000 Teilnehmern, markante Unterschiede. Beim "Spiegel" haben von 45 Fragen die Männer im Schnitt 27 richtig beantwortet, die Frauen 22.

Jedes Geschlecht hat klare Schwerpunkte: Frauen sind bei kulturellen und Verbraucherschutz-Themen besser, Männer bei staatsbürgerlichen. Wobei wir es sicherheitshalber offenlassen, ob Fragen nach dem "Mickey Mouse Club" genauso relevant sind wie jene nach dem Bundespräsidenten.

Viel spannender ist ja die Frage, wie lange im Zeitalter der Gender-Umerziehung solche Fragen überhaupt noch gestellt werden dürfen.

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