HIV-Experte aus Österreich gibt jetzt "bedingte Aids-Entwarnung"

Primarius Vetter im Interview mit NEWS: "Bei guter Behandlung ist eine HIV-Infektion bereits einer chronischen Krankheit gleich zu setzen."

Wien (OTS) - Erstmals in der 25jährigen Medizingeschichte der Immunschwächekrankheit Aids gibt nun ein hochrangiger Experte eine bedingte Entwarnung. In einem Interview mit der morgen erscheinenden Ausgabe von NEWS spricht Primarius Dr. Norbert Vetter Klartext über den HIV-Virus. Und auch konkret davon, dass Aids in Europa keinen epidemischen Status habe. Vetter: "Ich würde am ehesten einen Vergleich mit der Zuckerkrankheit ziehen. Ihre Folgen sind mittlerweile schwerwiegender als die Folgen einer HIV-Infektion."

Vetter selbst erklärt, dass er - vor die Wahl gestellt - lieber "HIV-positiv" sein würde, als etwa eine Krebserkrankung zu bekommen. Selbstverständlich verknüpft Vetter seine Feststellung an eine Bedingung. "Nur bei früher Erkennung und perfekter Behandlung ist das Virus nicht mehr tödlich."
Diesem Erfolg der Medizin in den Industriestaaten stünden etwa in Afrika und Asien noch immer Millionen Neuinfektionen in den letzten Jahren gegenüber. Aber, so Vetter in NEWS: "Bei uns ist HIV eine Infektionskrankheit, mit der man leben kann."

Weiters berichtet Vetter in dem Interview von sensationellen jüngsten Fortschritten bei der Immunsuppression: So etwa gibt es bereits 60 Fälle von Eltern, bei denen eine Person zwar HIV-positiv ist, das Neugeborene aber HIV-negativ geboren wird. Und auch keine Ansteckungsgefahr für den jeweiligen gesunden Partner mehr besteht.

Am Ende dieser neuen Phase der Aids-Forschung werden, so Vetter, immer geringere Mortalitätsraten stehen. Der Experte in NEWS:
"Irgendwann in den nächsten Jahren werden wir in Österreich nur mehr eine Hand voll Todesfälle haben."

Letztlich kritisiert der Pulmologe und Internist, dass konservative politische Kreise und die Kirche in den 1980er Jahren die damals berechtigte Angst vor Aids für ihre Zwecke zusätzlich geschürt haben: "So konnte man Tabuthemen wie Homosexualität, Drogensucht und den Tod ins Spiel bringen."

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