Gastronomie setzt auf frische Zutaten aus der Region

Hinterleitner: "Etikettierungsvorschriften für unverpackte Lebensmittel und Speisen im Gasthaus ist kontraproduktiv" - "Hilft nur global agierender Lebensmittelindustrie"

Wien (PWK421) - "Wir wehren uns mit Nachdruck gegen
Unterstellungen, dass dem Konsumenten in der Gastronomie nicht einwandfreie Produkte `untergejubelt` werden", reagiert der Obmann des Fachverbandes Gastronomie, Komm. Rat Helmut Hinterleitner, auf jüngste Forderungen der Arbeiterkammer nach verschärften Kennzeichnungsvorschriften für unverpackte Lebensmittel. Ausgehend von der aktuellen Diskussion um das Thema "Kunstkäse" möchte die AK in der Gastronomie und beim Verkauf eine verstärkte Kontrolle von Herkunft, Zutaten, allergenen Stoffen und Nähwerten. Ergänzend dazu werden strengere Überprüfungen in der Gastronomie gefordert.

Die Rechtslage ist eindeutig: die Herstellungsweise von Lebensmitteln wie Käse, Schinken bis hin zum Bier ist im österreichischen Lebensmittel-Codex genau geregelt. Wenn "Käse" synthetisch und nicht aus Milch hergestellt wird, so darf dieses Produkt eben nicht als Käse bezeichnet werden. Alles andere wäre eine Täuschung des Konsumenten, die schon aufgrund der bestehenden Gesetze verboten und strafbar ist, stellt Hinterleitner unmissverständlich klar.

Durch verschärfte Kennzeichnungsvorschriften für unverpackte Lebensmittel - wie dies von der Arbeiterkammer bereits seit langem gefordert wird- werde die Problematik einer missbräuchlichen Verwendung solcher Produkte in keiner Weise gelöst. Dadurch werde lediglich die Gastronomiebranche vor unlösbare Aufgaben gestellt. Dass Lebensmittel im Lokal nicht in gleicher Weise wie im Verkaufsregal gekennzeichnet werden können, liege auf der Hand. "Wer möchte schon Speisekarten im Telefonbuchformat mit einer Unzahl von Fußnoten lesen?"

Die Angabe von Nährwerten oder möglicherweise allergen wirkenden Stoffen ist bei Industriebetrieben, die nur eine beschränkte Anzahl von Produkten in gleichbleibender Rezeptur herstellen, denkbar. Auf einer Speisekarte würden derartige Angaben aber vor allem kleine und traditionelle Betriebe mit häufig wechselndem Speisenangebot vor geradezu unlösbare Probleme stellen. Gerade diese verwenden in zunehmendem Maße frische Zutaten aus der Region.

"Wir setzen uns dafür ein, dass in der österreichischen Gastronomie noch mehr gesunde und frische Produkte aus der regionalen Landwirtschaft Verwendung finden. Hier gibt es bereits eine Reihe von Initiativen, die darauf abzielen, dem Konsumenten die Sicherheit zu geben, dass die Produkte, wie frisch gestochener Spargel, fangfrische Forellen oder Steaks von Moorochsen bzw. pannonischen Mangalizaschweinen, tatsächlich aus der Region stammen", betont der Sprecher der heimischen Gastronomie. Eine verpflichtende Angabe verschiedenster Inhaltsstoffe auf den Speisekarten - nach dem Beispiel der Etiketten für verpackte Waren im Kaufhausregal - wäre aber kontraproduktiv und würde im Ergebnis nur das Gegenteil bewirken. Denn viele Betriebe, vor allem kleinere in ländlichen Regionen, wären gezwungen, verstärkt auf Convenience- und Halbfertigprodukte aus industrieller Produktion zurückzugreifen, da sie anders die geforderten Angaben gar nicht machen können. "Wer kann schon, ohne Beschäftigung eines Lebensmittelchemikers, die Inhaltsstoffe und Nährwerte von aus vielen Komponenten zusammengesetzten Gerichten feststellen?" Da sich viele ländliche Betriebe eben keine Lebensmittelchemiker leisten können, bliebe ihnen nur die Alternative, auf industriell gefertigte, vorverpackte Produkte umzusteigen.

"Mit ihrer gebetsmühlenartig wiederholten Forderung nach Ausdehnung der Etikettierungsvorschriften auf unverpackte Lebensmittel und die im Gasthaus servierten Gerichte macht sich die Arbeiterkammer letztlich zum Steigbügelhalter einer global agierenden Lebensmittelindustrie", bringt Hinterleitner die Kritik auf den Punkt. "Und wir glauben nicht, dass sich der Konsument dies wünscht." (hp)

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