Passives Rauchen verursacht 4-fach erhöhte Diabetesgefährdung

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) spricht sich für ein generelles Rauchverbot im öffentlichen Bereich aus

Wien (OTS) - Der Zusammenhang zwischen den beiden Epidemien
Diabetes und Rauchen wird trotz eindeutiger Untersuchungsergebnisse noch immer stark unter¬schätzt, warnt die ÖDG. Besonders erschreckend ist dabei die Tatsache, dass sogar Jugendliche, die zu Hause oder bei Freunden nur passiv mit¬rauchen und selbst nie zur Zigarette greifen, viermal (!) häufiger das sogenannte "Metabolische Syndrom", eine Vorstufe des Diabetes, bekommen als Jugendliche in einer rauchfreien Umgebung.*)

In Österreich vermutlich 500.000 Menschen an Diabetes erkrankt

In Österreich gibt es über 350.000 diagnostizierte Diabetiker, Tendenz stark steigend. Vermutlich 150.00 wissen noch nicht einmal von ihrer Diabeteserkrankung. Noch mehr Menschen rauchen in Österreich - über 30% der erwachsenen Bevölkerung. Beide Risikofaktoren haben eines gemeinsam: wird der Diabetes nicht ausreichend behandelt oder raucht man weiter, kann es zu schwerwiegenden Erkrankungen, zu Invalidisierung und sogar zum vorzeitigen Tod kommen. Zwischen Diabetes und Rauchen gibt es dabei viele unheilvolle Zusammenhänge:

1) Rauchen verursacht Diabetes. Schon bei Jugendlichen, die rauchen, tritt das "Metabolische Syndrom", eine Vorstufe von Diabetes, bis zu sechsmal häufiger auf als bei nichtrauchenden Jugendlichen. Von Erwachsenen weiß man heute, dass Rauchen die Wahrscheinlichkeit, einen Diabetes zu entwickeln, ungefähr verdoppelt. *) Besonders gefährdet sind Frauen und jüngere Erwachsene.

2) Rauchen verschlimmert den Verlauf von Diabetes. Diabetes ist eine gefährliche Krankheit und kann zu Herzinfarkte, Schlaganfall, Nierenversagen, Erblindung und Amputationen führen. Diabetiker, die rauchen, verdoppeln bis verdreifachen ihr Risiko, diese Diabeteskomplikationen zu erleiden.*)

3) Auch Passivrauchen ist gefährlich. In Untersuchungen zeigte sich, dass allein Passivrauchen bei Diabetikern genauso gefährlich für die Entwicklung einer Arterienverkalkung ist wie Aktivrauchen bei Nichtdiabetikern: Passivrauchen beschleunigte z.B. den Alterungsprozess der Halsschlagader um 67%.*)

4) Raucher haben eine ungünstige Fettverteilung. Manche Menschen rauchen, um damit ihr Gewicht zu kontrollieren. Es stimmt, dass Raucher im Schnitt zwei bis drei Kilogramm weniger haben als Nichtraucher. Allerdings verursacht Rauchen eine ungünstige Fettverteilung: während oft Arme und Beine dünn sind, kommt es im Bauch zu Fetteinlagerungen. *) Dies ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern kann zu ernsten Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck - mit allen Folgen - führen.

Rauchstopp für Diabetiker lebensentscheidend

"Aus diesen Gründen ist ein Rauchstopp bei Menschen mit Diabetes besonders wichtig, wenn sie gesund bleiben möchten. Mehrere Untersuchungen haben sogar gezeigt, dass ein Rauchstopp hinsichtlich der Risikoverminderung noch effektiver ist als die Behandlung mit Diabetesmedikamenten", ergänzt Univ. Prof. Dr. Hermann Toplak, Universitätsklinik für Innere Medizin Graz. Die Aufnahme der Raucherberatung in die Diabetesschulung ist daher unbedingt einzufordern.

Wer als Diabetiker nicht selbst aufhören kann zu rauchen, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Es gibt Medikamente zur Unterstützung des Rauchstopps, die gut wirken und bei Diabetes gut eingesetzt werden können.

"Rauchen ist die weltweit wichtigste vermeidbare Todesursache.*) Dies gilt in besonderem Ausmaß für Diabetiker. Für rauchende Diabetiker ist ein Rauchstopp genauso wichtig wie die gute Einstellung ihres Blutzuckers oder Blutdruckes und sollte mit gleicher Intensität angestrebt werden", sagt Dr. Helmut Brath vom Wiener Gesundheitszentrum Wien Süd. "Zum Schutz vor Passivrauchen fordere ich daher ein generelles Rauchverbot im öffentlichen Bereich", so Brath weiter.

Sehr deutlich formulierte es das deutsche Krebsforschungsinsitut:
"Tabakrauch in Innenräumen ist keine Belästigung, sondern eine Gesundheitsgefähr¬dung mit Todesfolgen."

Univ. Prof. Dr. Bernhard Ludvik, Präsident der ÖDG, erachtet die derzeitige Gesetzeslage in Österreich für beschämend: "Kroatien und die Türkei haben bereits ein generelles Rauchverbot auch in Lokalen beschlossen. In diesem Sinne, wird Österreich nun langsam hinsichtlich des Schutzes der Bevölkerung und im Besonderen unserer Jugend vor den Folgen des Tabakmissbrauchs zum Schlusslicht in Europa."

*) Quellen:

Danaei G et al, PLoS Med. 2009 Apr 28; Epub 2009 Apr 28

Houston TK et al, BMJ, 2006

Orth, Schroeder, Ritz et al; Nephrol Dial Transplant 2005

Howard et al: Smoking and Progression of Atherosclerosis: The ARIC Study; JAMA 1998; 279:119-124

Canoy et al, Cig. Smoking & fat distribution, Obes Res 2005

Tonstad S, Prev Med 2004; 38:834-40

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