ÖAMTC-Unfallforschung: 90 Prozent der registrierten Crashs sind schwerwiegend - Rettungskarte könnte Einsatzkräfte unterstützen (Teil 3)

Befreiung von Eingeklemmten als große Herausforderung für die Rettungskräfte

Wien (OTS) - Einsätze nach Verkehrsunfällen stehen bei den ÖAMTC-Notarzthubschraubern auf der Tagesordnung. Im Durchschnitt wird jeder zehnte Einsatz nach einem Unfall auf der Straße geflogen. Die Erkenntnisse der Club-Experten fließen seit Jänner 2008 in ein europaweites Unfallforschungsprojekt ein, das der ÖAMTC gemeinsam mit seinem Schwesterclub ADAC vorantreibt. Durch die Zusammenarbeit erfahrener Notfallmediziner und Techniker können Unfallmechanismen und Verletzungsmuster dargestellt und analysiert werden. Daraus leitet der ÖAMTC Verbesserungspotenzial bei Fahrzeugen, Straßen und dem Verhalten der Verkehrsteilnehmer ab. Jüngste Erkenntnis aus den Unfalldaten: "90 Prozent der registrierten Crashs sind gravierende Unfälle mit Schwerverletzten", so ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang.

Bei diesen Unfällen mit hoher Crashenergie treten meist starke Deformationen an den Fahrzeugen auf. Die Insassen sind häufig eingeklemmt. Hauptsächlich erfolgen die Einklemmungen durch Deformationen im Bereich des Armaturenträgers, wie sie bei Frontalkollisionen entstehen. Hauptgegner sind ebenfalls Pkw - das bedeutet nicht selten ebenfalls eingeklemmte Unfallgegner. Aus einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover mit GIDAS (German-In-Depth-Accident-Studie)-Daten aus dem Jahr 2006 geht hervor, dass die Quote von Einklemmungen bei ca. sechs Prozent aller Unfälle mit Personenschaden liegt.

Diese Kombination - schwere Verletzungen und eingeklemmt im Fahrzeug - stellt die Rettungskräfte vor neue Herausforderungen. Die Auswertung der Fragebögen zeigt vier Hauptprobleme: die Fahrzeugidentifikation, den Patientenzugang, die Batterielokalisation bzw. -abklemmung sowie die Patientenbefreiung. "Lediglich ein Drittel der verunfallten Fahrzeuge kann durch die Rettungskräfte an der Einsatzstelle sicher identifiziert werden kann", so der ÖAMTC-Cheftechniker.

Deshalb fordert der Club nun gemeinsam mit dem Österreichischen Bundesfeuerwehrverband (ÖBFV), dass die Autohersteller
die Rettungsinformationen für jedes Pkw-Modell einheitlich auf einem DIN-A4-Blatt zusammenfassen und ab sofort in allen Neufahrzeugen im Bereich der Fahrer-Sonnenblende einlegen. So wäre eine Identifikation des Fahrzeugs leichter. Außerdem würden den Rettungskräften Detailinformationen zu Druck- und Schnittpunkten zur Verfügung stehen. Diese Daten sind die Grundlage für eine schnelle und sichere Bergung von eingeklemmten Unfallopfern.

(Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit
Claudia Kesche
Tel.: +43 (0) 1 711 99-1218
pressestelle@oeamtc.at
http://www.oeamtc.at

Österreichischer Bundesfeuerwehrverband
Thomas Neuhauser
Pressesprecher des Präsidenten
Tel.: +43 (0) 664 10 10 000

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OCP0003