Neue Wohnprojekte am Hauptbahnhof bauen auf soziale Innovation

Wohnbaustadtrat Michael Ludwig: "Erste Auslobung von Baugruppen im Rahmen der Wiener Wohnbauförderung"

Wien (OTS) - Wien bekommt einen neuen Hauptbahnhof und ein neues Stadtviertel mit hoher Wohn- und Lebensqualität. Insgesamt werden dort rund 5.000 Wohnungen für etwa 13.000 Menschen, ein Schulcampus, eine große Parkanlage sowie Bürobauten entstehen. Rund 3.500 Wohnungen sollen mit Unterstützung aus Mitteln der Wiener Wohnbauförderung errichtet werden. In Kürze startet die Phase 1 für die geplante Wohnbebauung rund um den ehemaligen Südbahnhof in Form eines Bauträgerwettbewerbs, der sieben Bauplätze umfassen wird. Bis Ende 2013 sollen im Sonnwendviertel rund 1.320 geförderte Wohnungen gebaut werden. Eine wesentliche Innovation des Wettbewerbs, dessen Auslobung ab Mitte Juni beginnt: Die vierte, von Vizebürgermeister Wohnbaustadtrat Michael Ludwig initiierte Säule der Beurteilung von eingereichten Projekten, "soziale Nachhaltigkeit", wird hier - neben den bisherigen Bewertungskriterien Ökologie, Ökonomie und Architektur - erstmals bei einem großen Wohnbauvorhaben zur Anwendung kommen. Konkret werden auch zwei Baugruppen - Gemeinschaften von künftigen BewohnerInnen, die gemeinsam mit den Bauträgern und Architekten ihren Wohnbau planen und gestalten - miteingebunden sein.****

"Partizipation und Mitbestimmung sind nicht nur wesentliche Elemente einer Demokratie, sondern auch eng mit dem Thema soziale Nachhaltigkeit verknüpft. Durch das Partizipationsmodell 'Baugruppen', das nun erstmals als Pilotprojekt im Rahmen eines Bauträgerwettbewerbs eingesetzt wird, forcieren wir die Einbindung der künftigen Mieterinnen und Mieter in die Gestaltung ihrer Wohnbauten. Wir schaffen damit Wohnprojekte, die punktgenau den Bedürfnissen der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner entsprechen und erreichen damit eine weitere Steigerung der Wohnzufriedenheit", erklärte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig im Rahmen des Mediengesprächs des Bürgermeisters am Dienstag. Von der engen Zusammenarbeit zwischen BewohnerInnen, Bauträgern und PlanerInnen erwarte er sich zudem einen "weiteren, innovativen Entwicklungsschub für den geförderten Wohnbau", so Ludwig weiter. "Der Wiener Wohnbau genießt weltweit Vorbildwirkung, dennoch wollen wir uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Es gilt, nicht nur am Puls der Zeit zu sein, sondern vorausschauend Neuerungen einzuleiten, die die Zukunft entscheidend mitprägen werden", betonte der Vizebürgermeister. Partizipation fördere nicht nur die Identifikation und Zufriedenheit der BewohnerInnen mit ihrer Wohnhausanlage, sondern sei auch ein aktivierendes Element für den Zusammenhalt der Hausgemeinschaften und damit auch für ein funktionierendes soziales Netz in der unmittelbaren Wohnumgebung. "In einer attraktiven, dynamischen und damit auch wachsenden Metropole wie Wien gewinnen Instrumente, die demokratische Prozesse auch im unmittelbaren Alltag stärken, zunehmend an Bedeutung. Mitbestimmung, Verantwortung und soziale Kompetenz tragen ganz wesentlich zum Funktionieren einer solidarischen Gesellschaft bei, zum sozialen Frieden und zur Lebensqualität."

Die Wettbewerbs-Neuerungen

Gegenstand des Bauträgerwettbewerbs Sonnwendviertel für die geplanten geförderten Wohnprojekte am Hauptbahnhof sind sieben Bauplätze nahe der Favoritner Sonnwendgasse. In den Ausschreibungsunterlagen sind nicht nur die zu erfüllenden Qualitätskriterien für eine hohe soziale Nachhaltigkeit der Wohnprojekte festgeschrieben, sondern auch der Innovation "Baugruppen" wird erstmals im geförderten Wiener Wohnbau im Rahmen eines Bauträgerwettbewerbs Rechnung getragen: Auf dem Fixstarter-Bauplatz des Leitprojektanten Arch. Albert Wimmer (Bauträger Gesiba/GSG) mit geplanten 260 Wohnungen werden zwei Baugruppenprojekte mit jeweils 25 Wohnungen ausgelobt. Der Wettbewerb startet am 16. Juni 2009. Im Rahmen der Ausschreibung werden bestehende oder sich neu zu formierende Baugruppen eingeladen, sich zu melden, ihr Konzept zu präsentieren und sich an dem Wettbewerb zu beteiligen. Weiters sind, um das Thema "soziale Nachhaltigkeit" zusätzlich zu unterstreichen, auf einem weiteren, sehr großen Bauplatz mit geplanten 500 Wohnungen ausschließlich Wettbewerbsgemeinschaften zugelassen, die aus zumindest drei Bauträgern und drei Architektenteams bestehen müssen. Die Wettbewerbsgemeinschaften sollen u.a. einen entsprechenden Nutzungsmix mit innovativen Ideen, eine große Vielfalt im Wohnungsangebot, das auch Wohnungen mit Superförderungen umfassen soll sowie ein perfekt abgestimmtes Frei- und Grünraumkonzept gewährleisten.

Baugruppen

Baugruppen, selbstorganisierte Bewohnergemeinschaften, die gemeinsam mit ArchitektInnen und einem Bauträger ihren zukünftigen Wohnraum planen und bauen, sind bereits in einigen Städten, wie etwa Berlin und Hamburg, fixer Bestandteil des urbanen Baugeschehens. Auch in Wien finden sich zunehmend Gruppen von Menschen zusammen, die ihre Vorstellungen von einem gemeinschaftlichen Wohnen im Rahmen eines Bauprojekts verwirklichen wollen. Im Rahmen der Wohnbauförderung hat die Stadt Wien bereits mehrerer solcher Projekte unterstützt, u.a. die Sargfabrik, die Frauenwohnprojekte [ro*sa] und KalYpso, das Projekt "Wohngruppen für Fortgeschrittene" und das Heimprojekt B.R.O.T. Um allen Bevölkerungsschichten den Zugang zu Baugruppenprojekten zu ermöglichen, bietet die Stadt künftig aktiv Förderung und Unterstützung an.

Die Vorteile von Baugruppen:

o Zukünftige BewohnerInnen können bei Grundrissgestaltung und Architektur mitreden und ihre Wohnung individuell mitgestalten. o Sie können daher auch meist ihre NachbarInnen selbst aussuchen. o Projekte, an deren Entwicklung sich die NutzerInnen beteiligen, haben tendenziell einen höheren Gebrauchswert, weil sie mit hohem Bewusstsein für die zukünftige Nutzung entwickelt werden. o Baugruppenprojekte haben im allgemeinen einen hohen Anspruch an Gemeinschaftlichkeit, bieten Raum für soziales Leben in der Anlage, sind optimal für Kinder und bieten auch älteren BewohnerInnen Kontakte und Betreuung im nahen Umfeld. Baugruppen bieten auch eine Antwort auf den soziodemographischen Wandel, z.B. Ersatz von Familie durch selbst gewählte FreundInnen. o Wohngruppenprojekte sind häufig soziale Projekte mit überdurchschnittlichen Integrationsleistungen auch für das städtische Umfeld und bieten infrastrukturellen und kulturellen Mehrwert für das Stadtviertel.

Die Baugruppen-Pilotprojekte im Rahmen der geplanten Wohnbauvorhaben am neuen Wiener Hauptbahnhof werden mit dem Ziel untersucht, den Unterstützungs- und Beratungsbedarf durch die Stadt zu erheben. Bei entsprechender Nachfrage soll in Folge beim Wohnservice eine Beratungsstelle für Baugruppen-Interessierte eingerichtet werden.

Kriterien zur sozialen Nachhaltigkeit

Um sozial nachhaltig zu sein, soll geförderter Wohnraum unterschiedlichen Nutzungen, Nutzergruppen und Wohnformen durch vielfältig nutzbare Grundrisse, Erschließungs- und Gemeinschaftsflächen und Außenbereiche entsprechen. Weiters ist auf die Alltagstauglichkeit und Reduktion der Errichtungs- und Bewirtschaftungskosten zu achten. Soziale Durchmischung, Mitbestimmungskonzepte, Hausorganisation, identitätsstiftende Maßnahmen und Vernetzung mit sozialer Infrastruktur sollen gestärkt werden.

Die wesentlichen Eckpfeiler sind daher:

o Alltagstauglichkeit o Kostenreduktion durch Planung o Wohnen in Gemeinschaft o Wohnen für wechselnde Bedürfnisse

Im Bereich der "Alltagstauglichkeit" zählen zu den erforderlichen Qualitätskriterien beispielsweise nutzungsneutrale flexible Räume, ausreichende Stauräume und angst- und barrierefreie (Außen-)Räume. Im Bereich "Kostenreduktion durch Planung" wird u.a. die Minimierung der Instandhaltungskosten des Gebäudes und die Wirtschaftlichkeit der Grundrisse bewertet, zudem wird beurteilt, ob die Wohnungen dauerhaft sozial gebunden sind.
Der Eckpfeiler "Wohnen in der Gemeinschaft" umfasst als wesentliche Voraussetzungen Mitbestimmungskonzepte bei Planung, Bau und Nutzung und die Betreuung von Baugruppen. Weiters beinhaltet er eine gute Lage und Ausstattung der Gemeinschaftsräume und ein Nutzungskonzept für die gemeinschaftlichen Räume und Flächen, bei dem die Bedürfnisse unterschiedlicher Nutzer- und Altergruppen berücksichtigt werden.

"Wohnen für wechselnde Bedürfnisse" setzt u.a. voraus, dass durch die Einbindung unterschiedlicher Wohnformen eine gute soziale Ausgewogenheit gegeben ist, weiters Angebote für spezifische Nutzergruppen, etwa Personen mit Betreuungsbedarf oder BewohnerInnen, die daheim arbeiten und Büroräume benötigen sowie die Vernetzung mit der vorhandenen sozialen Infrastruktur.

Service

Für Baugruppen, die sich über den Wettbewerb informieren bzw. sich daran beteiligen wollen, wird der Bauträger Gesiba eine eigene E-Mail-Adresse (ab 16. Juni 2009) einrichten:
baugruppensonnwendviertel@gesiba.at". Die Ausschreibungsunterlagen sind ab 16. Juni 2009 auf der Homepage des wohnfonds_wien, der für die Durchführung des Bauträgerwettbewerbs verantwortlich zeichnet, unter www.wohnfonds.wien.at , unter "Liegenschaftsmanagement" und "Bauträgerwettbewerbe" abrufbar.

o Allgemeine Informationen: www.hauptbahnhof-wien.at

(Schluss) da

Achtung: Zu dieser Meldung ist demnächst eine Bildberichterstattung geplant. In einer OTS-Aussendung wird auf die online-Abrufbarkeit noch hingewiesen.

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Christiane Daxböck
Mediensprecherin Vbgm. Dr. Michael Ludwig
Telefon: 01 4000-81869
E-Mail: christiane.daxboeck@wien.gv.at

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