Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Eher blöd gelaufen"

Ausgabe vom 30. Mai 2009

Wien (OTS) - Österreichs Studenten haben gewählt und zwei kleine Sieger sowie drei klare Verlierer produziert. Relative Sieger sind Aktionsgemeinschaft und Fachschaftslisten; sie konnten offenbar als der kleinstmögliche Unsinn unter allen Wahlwerbern reüssieren. Als größter Verlierer erscheint die unter 26 Prozent gesunkene Wahlbeteiligung, die der Relevanz der ÖH ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Die zweite Loser-Gruppe sind die Beamten des Wissenschaftsministeriums, die in Tateinheit mit der Hochschülerschaft die Stimmauszählung steinzeitmäßig schlecht organisiert haben. Und der dritte Verlierer ist zweifellos die SPÖ:
Nicht deshalb, weil ihre Studenten die meisten Mandate verloren haben, sondern weil dies ausgerechnet nach der von der SPÖ wider alle Sachlogik durchgesetzten Abschaffung der Studiengebühren passiert ist.

Somit konnte die SPÖ nicht einmal parteipolitisch Dank dafür einstreifen, dass sie den Unis ein hilfreiches Werkzeug zur Beschleunigung von Bummelstudenten genommen hat. Und dass sie für das primär nur von der Mittel- und Oberschicht genutzte Privileg eines Gratisstudiums wieder Arbeiter und Bauern blechen lässt. Eher blöd gelaufen.

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Interessantes haben einige Lehrer-Vereine (ÖPU und GÖD) zutage gefördert. Sie haben die dicken Bände der Bildungstests (Timss und Pisa) durchgeackert und festgestellt: Diese internationalen Vergleiche zeigen, dass in Sachen Mathematik am Volksschulende 31 Prozent unserer 10-Jährigen Risikoschüler sind. Mit 15 sind es hingegen nur noch 20 Prozent.

Wie das? Ist doch die Volksschule eine Gesamtschule, deren Einheitsunterricht den Ideologen zufolge die Kinder am besten fördert, wohingegen zwischen 10 und 15 das ach so furchtbare differenzierte Schulsystem stattfindet.

In Wirklichkeit jedoch geht das differenzierte System viel effizienter auf individuelle Bedürfnisse ein. Daher sollten sich jene, die an besseren Bildungsergebnissen und nicht bloß an politischen Doktrinen interessiert sind, viel genauer die Probleme der Volksschulen anschauen. Wo ja vielerorts mehr gekuschelt als gelernt wird. Wo im 20. Wiener Bezirk 80 Prozent der Schüler mit Einsern überhäuft werden. Was viele Eltern zum bitteren Resümee bringt: Eher blöd gelaufen.

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