Schönborn und Fischer appellieren an Miteinander der Menschen

Kardinal und Bundespräsident beim Festakt zum 150-jährigen Bestehen der Volksschule der Erzdiözese Wien am Judenplatz -Schönborn: "Wir dürfen nicht im Namen Gottes gegeneinander sein"

Wien, 29.05.2009 (KAP) Für ein Miteinander aller Menschen, über die Grenzen von Nationalitäten, Sprachen oder Religionen hinweg, haben sich Bundespräsident Heinz Fischer und Kardinal Christoph Schönborn am Freitagnachmittag bei einem Festakt zum 150-jährigen Bestehen der Privatvolksschule der Erzdiözese Wien am Wiener Judenplatz ausgesprochen. 1421 sei hier "eines der schrecklichsten Verbrechen in der Stadt Wien" geschehen, erinnerte Kardinal Schönborn an das damalige Judenpogrom ("Wiener Gesera"). "Damals hat man vergessen, dass wir doch alle einen Gott haben, dass wir alle zusammengehören. Wir dürfen nicht im Namen Gottes gegeneinander sein", sagte der Kardinal wörtlich bei der Feier, die wegen Schlechtwetters vom Judenplatz in die Kirche Am Hof verlegt werden musste.

Heute sei es ein Zeichen für Wien, so der Kardinal, "dass an diesem Platz Kinder aus so vielen Ländern und mit so vielen Sprachen und aus verschiedenen Religionen zusammen leben und zusammen lernen". Er bete dafür, dass das, was in der Volksschule am Judenplatz Wirklichkeit sei - das Miteinander im Namen Gottes - auch in Zukunft in Österreich Wirklichkeit bleibe, betonte der Wiener Erzbischof.

Rund 250 Kinder verschiedenster Nationalitäten besuchen derzeit die von der Schulstiftung der Erzdiözese Wien betriebene Volksschule. 18 der Volksschüler begrüßten Kardinal Schönborn und Bundespräsident Fischer zum Beginn der Feier in ihren jeweiligen Muttersprachen.

Der Bundespräsident erinnerte in seiner Rede an seine eigene Volksschulzeit während des Zweiten Weltkrieges. Es habe damals viele schreckliche Ereignisse gegeben. Einer der wichtigen Beiträge, dass Österreich nach dem Krieg trotzdem eine erfolgreiche Entwicklung genommen habe, sei gewesen, "dass viele Pädagogen und politisch Verantwortliche erkannt haben, wie wichtig die Schule, die Bildung und wie wichtig das Lernen des Zusammenlebens in einer Schule ist".

Menschen seien gleichwertig, egal welche Sprache sie sprechen, wandte sich Fischer direkt an die Kinder. "Wenn ihr in der Schule lernt, dass die Menschen, egal welche Sprache sie sprechen oder wo ihre Eltern geboren sind, gleichwertig sind und sich nicht unterscheiden nach der Sprache, nach dem Geburtsort oder nach der Religion oder nach der Hautfarbe, dann habt ihr schon etwas ganz Wichtiges gelernt".

 

 

O-Töne von Kardinal Schönborn und Bundespräsident Fischer sind unter "www.katholisch.at/o-toene" abrufbar.

(forts. mgl.)
nnnn

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0002