OVS174: IT-Prognosen im Realitäts-Check: Wo die Branchenkenner irrten...

...und wo sie recht behielten - Experten beleuchteten visionäre Vorhersagen und eklatante Fehleinschätzungen bei der 100. Veranstaltung der APA-E-Business-Community

Wien (OTS) - Wer erinnert sich noch an das große Potenzial, das
WAP und UMTS vorhergesagt wurde, an den durch die Bürgerkarte erwarteten Boom von E-Government oder den Hype um Second Life? Was wurde aus dem Siegeszug von Paid Content oder der digitalen Konvergenz, die TV, Internet, Computer und Handy verschmelzen lässt?

Prognosen stellen sich - wie man aktuell auch an der laufenden "Adaption" der Konjunktureinschätzung durch Wirtschaftsexperten sehen kann - häufig als falsch heraus oder sind schon bald wieder überholt. Bei den Auguren der IT- und Telekombranche ist das nicht anders. Wo die Branchenkenner ins Schwarze trafen und in welchen Bereichen der Blick in die Glaskugel eher getrübt war, haben Experten gestern, Donnerstagabend, bei der 100. Veranstaltung der APA-E-Business-Community (EBC) beleuchtet.

"Wir haben gute Prognosen gemacht, sind aber auch oft furchtbar danebengelegen", erklärte Thomas Lutz, Unternehmenssprecher von Microsoft Österreich. Wobei so manches gehypte Thema - wenn auch verspätet - so doch noch am Markt angekommen sei. Als Beispiel nannte er etwa das unter dem Begriff "Mietsoftware" bekanntere Application Service Providing (ASP), das nun als Cloud Computing deutlich erfolgreicher sei. Die "digitale Konvergenz" gebe es ebenfalls zum Teil schon in Form des Media Centers, "das läuft aber noch etwas holprig".

Internet ist "ein Hinterhof von Google"

Eine Fehleinschätzung der Branche sei auch gewesen, dass das Internet als Garten gesehen werden könnte, den die User vor allem durch Web-Portale betreten. "Heute ist das Internet ein Hinterhof von Google", so Lutz. Und das, obwohl es laut Schätzungen 500 Mal mehr Online-Inhalte gebe als von der Suchmaschine indiziert. Als nicht so großen Erfolg sieht der Microsoft-Manager anscheinend auch den Kauf von YouTube durch Google: "Was wurde bisher damit verdient?", fragte er.

Dass bei vielen gehypten Entwicklungen das Geschäftsmodell vollkommen unklar sei, bestätigte Rainer Friedl, CTO des Consulters diamond:dogs: "Das sieht man auch bei FlickR oder MySpace." Außerdem sei der richtige Zeitpunkt entscheidend. Lion.cc habe beispielsweise bereits vor zehn Jahren Konzerte live im Internet übertragen, allerdings wurde ein Erfolg durch die mangelhafte Breitbandverbreitung verhindert. "Es hat viele Video-Plattformen gegeben. Bei YouTube sind der richtige Zeitpunkt, ausreichend Venture-Kapital und Glück zusammengekommen", so Friedl.

Suche nach "Killer-Applikation" oft gescheitert

Dadurch sei die Branche wachgerüttelt worden, ergänzte Thomas Stern, Geschäftsführer des auf neue Medien spezialisierten Unternehmens Braintrust: "Allerdings profitieren davon jetzt andere und nicht YouTube." Generell sei die Suche nach einer "Killer-Applikation" oft gescheitert, viele UMTS-Dienste hätten einfach nicht funktioniert. "Die einzige ‘Killer-Applikation‘ ist das Internet selbst und nicht eine einzelne Anwendung", so Stern. Denn letztendlich stünde die Nutzung und nicht die technische Machbarkeit im Vordergrund.

Bei YouTube gehe es dementsprechend auch um die Umwegrentabilität, sagte Wolfgang Leindecker, Director Marketing & Consulting bei NextiraOne Austria. Durch die Video-Plattform erhalte Google Informationen über die User und profitiere von der Verwertung dieser Daten. Der in diversen Internet-Videos prophezeite "Angriff auf die die letzten Bastionen der Hoheit über Informationen" sei zwar eine "dunkle Prognose". Diverse Google-Dienste würden aber schon in diese Richtung gehen, so Leindecker bei der von APA-MultiMedia gegründeten Veranstaltungsreihe.

Bürgerkarte enttäuschte die Erwartungen

Er selbst habe beispielsweise das Thema E-Government falsch eingeschätzt. "Ich war der Meinung, dass bald jeder mit einer Bürgerkarte mit digitaler Signatur ausgestattet ist und damit im Internet einkauft", so Leindecker. Daneben gelegen sei er auch mit der Erwartung, dass die Unternehmen schon bald die Bedeutung von IT-Sicherheit als Wettbewerbsvorteil erkennen würden. Dennoch wagte auch er eine Prognose: "Die Kommunikation läuft künftig ausschließlich über IP-Netze."

Als Trend der Zukunft sieht Microsoft-Sprecher Lutz die Evolution der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, "von der grafischen Benutzerführung hin zu einer natürlichen Anwenderführung mit Touchscreen, Handschrift, Spracheingabe, Gesten- und Sprachsteuerung". Die "Killer Applikation" sei die Handhabbarkeit:
"Deshalb ist das iPhone so populär. Nicht weil es so ein tolles Telefon oder so ein toller Computer ist", erklärte Lutz.

Leichter Dämpfer für Web 2.0

Generell werde viel probiert, darauf folge der große Hype, anschließend ein Crash und dann die Rückkehr zur verbreiteten Nutzung, erklärte Rainer Friedl. Ein Beispiel dafür sei das viel zitierte Web 2.0. "Das hat eine Spitze erlebt und jetzt geht es wieder etwas runter." Nun stünde der überlegte, sinnvolle Einsatz im Vordergrund. Seine Prognose für die nächsten Jahre: "Video und Bild werden zu großen Motoren der Entwicklung, egal ob am Handy oder zu Hause."

Für Heiterkeit sorgte bei der Veranstaltung ein illustr(iert)er Streifzug durch die Entwicklung der IKT-Branche seit 2001 - dem Gründungsjahr der EBC - sowie ein Rückblick auf andere Meilensteine und Skurrilitäten. In Szene gesetzt wurde der Showblock von APA-Chefredakteur Michael Lang und Langzeit-EBC-Moderator Thomas Stern. Bei Cocktails und einer Torte klang der Jubiläums-Event schließlich charmant aus.

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