ÖAMTC: Konsument als Sisyphus an Österreichs Tankstellen

Spritpreise in Österreich sind weder transparent noch leicht vergleichbar

Wien (OTS) - Gestern hat der ÖAMTC das Verhalten der Mineralölwirtschaft als nicht dem freien Markt entsprechend kritisiert. Vor allem mit den mehrmaligen täglichen Preisänderungen ist es den Konsumenten unmöglich, sich preisbewusst zu verhalten. Von der Mineralölwirtschaft wurde im Gegenzug ins Treffen gebracht, dass die Tankstellenpreise für alle Marktteilnehmer transparent und leicht vergleichbar seien. "Das setzt allerdings unzumutbarerweise voraus, dass man die Preise an sämtlichen Tankstellen seiner Umgebung stündlich screent. Und selbst dann ist noch nicht gewährleistet, dass der recherchierte Preis bis zum Eintreffen an der Zapfsäule hält", ärgert sich ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin Elisabeth Brandau.

Auf Basis der ÖAMTC-Spritpreis-Datenbank führt Brandau folgendes Preisbeispiel an - das stellvertretend für viele Tankstellen steht:
Montag Früh kostete der Liter Superbenzin an einer Tankstelle 1,005 Euro, am Abend 1,068 Euro. Nach zwei weiteren Preisänderungen am Dienstag folgte der Mittwochabend mit 1,092 Euro. Am nächsten Morgen waren es "nur" mehr 1,052 Euro, am Nachmittag schon wieder 1,057. In Einzelfällen haben die Spritpreisexperten des ÖAMTC Preisänderungen bis zu sechsmal täglich feststellen müssen. Ein Anbieter hat kürzlich zugegeben, an einer "repräsentativen" Tankstelle in 81 Tagen 209 mal die Preise geändert zu haben. "Wie soll ein Konsument, der einige Tankstellen in seiner Umgebung zur Wahl hat, beispielsweise vier bis fünf Stationen, tausend Preise überblicken können?", fragt die ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin.

Die Reaktion des Fachverbands der Mineralölindustrie (FVMI), die Preise seien "transparent und leicht vergleichbar", geht völlig ins Leere. Die Fragen, die der Club in seiner gestrigen Aussendung im Namen aller Autofahrer, die sich durch diese Preispolitik gefrotzelt fühlen, gestellt hat, wurden hingegen nicht beantwortet.

Die Uneinsichtigkeit in die Spielregeln eines freien fairen Marktes zeigt, wie wichtig die Gestaltung von Rahmenbedingungen durch die Politik für die Konsumenten ist. "Die geplante Verordnung des Wirtschaftsministers, die mehrmalige tägliche Preisänderungen künftig unterbinden wird, ist daher als wichtiger Schritt zu begrüßen", betont die ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin.

EU-Preisvergleiche hinken

Erschwerend für die fehlende Transparenz bei den Spritpreisen kommt hinzu, dass in der derzeitigen Form der Gegenüberstellung ein objektiver Vergleich mit den europäischen Preisen nicht möglich ist. In Österreich gibt es - einzigartig in Europa - zwei Mineralölsteuersätze. Die Tankstellen-Abgabepreise unterliegen überwiegend dem niedrigeren der beiden. Gemeldet werden die Preise allerdings unter Angabe des höheren Steuersatzes. Das verzerrt das Bild der Preisgestaltung in Österreich. Bei den Nettopreisen schneidet Österreich dadurch im Vergleich günstig ab, was den Anschein erweckt, dass Benzin und Diesel hierzulande billiger wären als in vielen europäischen Ländern.

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