Europa ist, wo man einer Frau eine ungerade Zahl Rosen schenkt Veranstaltung 20 Jahre nach der europäischen Wende im Parlament

Wien (PK) - "Europa. Österreich entscheidet" war das Motto einer Veranstaltung, zu der der Zweite Präsident des Nationalrats, Fritz Neugebauer, gemeinsam mit Erhard Busek, dem Präsidenten des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa, ins Parlament geladen hatte. Anlass für die Veranstaltung waren die Ereignisse des Jahres 1989, die für die politische Ordnung in Europa weit reichende Folgen hatten. Ambros Kindel (Ressortleiter Außenpolitik der APA), der die Veranstaltung moderierte, erinnerte denn auch an die Ursprünge und Anfänge des europäischen Friedensprojekts auf den Trümmern des 2. Weltkriegs.

Erhard Busek wies eingangs darauf hin, dass im historischen Sitzungssaal des Parlaments, dem Schauplatz der Veranstaltung, europäische Größen wie Alcide de Gasperi und Thomas Garrigue Masaryk vereint gesessen hatten. Er erinnerte auch an Österreichs "tote Grenze" nach Osten und an den Beitrag, den Menschen und Bewegungen in jenen Ländern für Europa und dessen demokratische Werte und dynamische Entwicklung sie geleistet hätten. Europa sei ein "gemeinsamer Kulturraum", sagte Busek, der u.a. dadurch gekennzeichnet sei, dass man hier "einer Frau eine ungerade Zahl Rosen schenkt". Europäer seien alle, die sich zu Europa bekennen, formulierte Busek pointiert und forderte dazu auf, "weit zu denken".

Valentin Inzko, Hoher Repräsentant und EU-Sonderbeauftragter für Bosnien und Herzegowina, verglich Europa mit einer "Baustelle mit 27 Architekten". In den Ländern Südosteuropas habe Europa noch einen guten Klang, sagte Inzko, und selbst die Verwaltung der EU - die über weniger Beamte verfüge als die Stadt Wien - werde in diesen Ländern nicht negativ gesehen. Den Staaten Südosteuropas müsse eine "europäische Perspektive" geboten werden, wenn auch Europa und die Mitgliedschaft in der Europäischen Union zwei verschiedene Dinge seien. Wer die europäischen Wertvorstellungen teile, sie lebe und umsetze, werde auch Aufnahme in diesem "exklusiven Klub" finden, sagte Inzko und sah in Südosteuropa eine "Zukunftsregion".

Vizekanzler Josef Pröll ortete gerade in der gegenwärtigen Finanz-und Wirtschaftskrise für Europa auch eine "ungeheure Chance". Er bekannte sich zur "Weiterentwicklung" Europas und sah ein institutionelles Stärker-Werden positiv. Es gebe aber auch Grenzen und Entwicklungsstufen, die es zu beachten gelte, betonte Pröll, und erläuterte dies am Beispiel der Euro-Zone: Die Stabilität müsse gewahrt bleiben, die Union dürfe nicht an den Rand der Überlebensfähigkeit gebracht werden. Pröll wandte sich mit deutlicher Kritik gegen Schlagworte wie "Abendland in Christenhand", die er als "falsch und fatal" qualifizierte: Hier gehe es nicht um Abgrenzung, sondern um Ausgrenzung und "Auseinandertreiben".

Zweiter Präsident Fritz Neugebauer knüpfte daran in seinem Schlusswort an und kritisierte das "Spiel mit Symbolen". Er sprach sich dafür aus, das "Friedensprojekt Europa" über "kleinformatiges Denken hinaus" zu vertiefen und erinnerte an die drei Hügel, auf denen Europa aufbaue: die Akropolis in Athen, das Kapitol in Rom und Golgotha in Jerusalem.

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