DER STANDARD-Kommentar "Überwachung ist zu wenig"

von Irene Brickner

Wien (OTS) - War die Polizei vorab von der Bedrohung der Wiener Sikh-Abspaltung informiert? Hätte der Verfassungsschutz von der ganzen Schärfe des Konflikts wissen müssen, der aus dem indischen Punjab direkt nach Rudolfsheim-Fünfhaus importiert worden ist? So weit die Fragen, die nach dem blutigen Angriff auf das Gebetshaus in der Pelzgasse im Mittelpunkt stehen. Die Reaktionen darauf sind wichtig. Doch auf die gesellschaftlichen Herausforderungen, die sich aus der Gewaltexplosion ergeben, können sie nur beschränkt Antwort geben.
Denn vielmehr steht jetzt eine Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen von Integrationspolitik an. Etwa wie weit man in einer Einwanderungsgesellschaft wie Österreich über Konflikte, die von den Migranten mitgebracht werden, im Bilde sein muss - und sein kann. Der Migra_tionsexperte Heinz Fassmann warnt hier vor Illusionen, vor allem wenn diese mit intensiven Überwachungswünschen einhergehen, wie es jetzt das BZÖ vorexerziert. Mit einer liberalen Gesellschaftsordnung sei dies nicht kompatibel.
Doch es gibt auch Möglichkeiten jenseits der rein sicherheitspolitischen Herangehensweise. Für Konflikte unter Sikhs wurden sie ganz konkret in Großbritannien vorgelebt. Dort gab es in den 90er-Jahren eine Reihe Gewalttaten, worauf sich die Religionsgemeinschaften und die Behörden an einen Tisch setzten. Unter einem gewissen Druck, natürlich, denn immerhin wollten alle Beteiligten weiter in England leben. Wichtig jedoch: Der erarbeitete Konsens funktioniert bis heute - für Österreich jetzt wohl ein Lichtblick.

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