Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "ÖH-Wahl: Luxus für alle"

Ausgabe vom 26. Mai 2009

Wien (OTS) - "Luxus für alle" oder: "Her mit dem schönen Leben". Die Texter dieser Plakatsprüche einer linken ÖH-Partei tun wie etliche andere Studentenpolitiker im Wahlkampf wieder ihr Bestes (was freilich nicht unbedingt gut sein muss), um die eigene Irrelevanz zu demonstrieren. Ihre Strukturkonservativität zeigten insbesondere die "progressiven" Listen, die sich vehement gegen die Einführung der elektronischen Wahlmöglichkeit stemmten.

Die Computerwahl lief dennoch problemlos ab. Die einzige, freilich gravierende, Panne wurde nicht von einer Maschine, sondern von jenen Wahlorganisatoren verschuldet, die es nicht einmal schafften, die Listen korrekt zu bezeichnen. Gegen Analphabetentum hilft halt nicht einmal die Elektronik.

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Je irrelevanter sich die organisierte Studentenschaft erweist, umso weniger sollte sie von der Politik ernstgenommen werden. Denn letztlich ist die Politik und nicht die Hochschülerschaft am miesen Zustand der Unis schuld. Dessen zentrale Ursache: Österreichs Unis sind die einzigen in Europa, die weder allgemeine Zugangsschranken noch Gebühren kennen, die Geld völlig unabhängig davon bekommen, ob dort hochwertig geforscht wird und ob die Absolventen internationales Niveau erreichen.

Statt sich diesen Fragen zu stellen, werden von Politik und beamtet-lebensfernen Pädagogen Scheinprobleme diskutiert wie der angeblich notwendige Wechsel von Kindergärtnerinnen, Volksschullehrern oder Krankenschwestern an die Unis.

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Ein kleines Signal des Optimismus: Immerhin wagte die Unterrichtsministerin erstmals seit Ewigkeiten, das Wort Eliteschulen mit positivem Unterton in den Mund zu nehmen. Glaubwürdig ist sie damit aber nicht. Denn erstens bekämpft ihre Partei an den Universitäten alles, was an eine Elitenausbildung erinnern könnte. Und zweitens will die Ministerin ihre Eliteschulen erst im Alter von 15 Jahren beginnen lassen; vorher aber sollen die künftigen Eliteschüler im besten Lernalter acht Jahre lang auf das zunehmend von Migranten geprägte Niveau der Gesamtschulen retardiert werden -falls ihre Eltern nicht das Geld haben, ihre Kinder privat erziehen zu lassen. Aber vielleicht genügt es zur Sicherung der Zukunft unserer Kinder ja ohnedies, "Luxus für alle!" zu fordern.

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