WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das könnte ein Kassenschlager werden - von Alexis Johann

25 Cent geben Österreicher jährlich für heimische Filme aus

Wien (OTS) - Schade eigentlich. Da gewinnt ein österreichischer Regisseur die "Goldene Palme", was wirklich einzigartig ist, und gleich darauf geben andere heimische Regisseure zu Protokoll, dass Michael Haneke die hohe Auszeichnung eigentlich für Deutschland und nicht für Österreich errungen habe. Haneke könne nicht in Österreich produzieren, weil hierzulande die Mittel fehlten. Es wird stimmen, dass die wiederholten Erfolge österreichischer Regisseure kein Zeichen dafür sind, dass Film auf der Prioritätenliste der heimischen Kultur- und Wirtschaftspolitik ganz oben steht.

Provokante Frage: Soll das überhaupt so sein? Müssten nicht zuvor die Österreicher auf den Geschmack kommen, dass ihnen das österreichische Kino etwas zu bieten hat? 2007 strahlte der ORF 39 österreichische Kinofilme aus, elf davon erreichten mehr als 100.000 Zuseher, nur einer mehr als 700.000. Der oscarprämierte Film "Die Fälscher" konnte 188.541 Besucher in die Kinos locken, schaffte es nicht in die Jahres-Top 20. Die Lust an heimischen Produktionen ist nicht besonders groß. Die Österreicher gehen im Schnitt 1,9-mal im Jahr ins Kino. Ohne DVD-Verleih und TV-Rechte lassen sich die Österreicher den Film 105 Millionen Euro im Jahr kosten. Gerade einmal zwei Millionen Euro geben sie dabei für Karten heimischer Produktionen aus, also genau 25 Cent pro Film. Knapp 40 Millionen Euro beträgt allerdings das Budget aller regionalen Filmförderungen in Österreich. Klingt eigentlich nach einem Verhältnis, das der Filmwirtschaft mehr Gutes als Schlechtes tut. In den Genuss der Gießkanne kamen 145 Produktionen, davon 40 Kinofilme. Pro Film wird also im Schnitt der heiße Betrag von 275.000 Euro gefördert. Bedenkt man, dass ein durchschnittlicher heimischer Film knapp zwei Millionen kostet, merkt man, dass hier eine gewaltige Lücke klafft.

Wäre es nicht sinnvoller, weniger Filme, diese dafür jedoch mit mehr Geld zu fördern? Wie so oft in der europäischen Medien- und Kulturförderung ist jedoch Vielfalt jene Maxime, mit der sich Politik und Institutionen über fehlenden Mut zu Qualitätsaussagen hinwegschummeln.

Festivals sind das effizienteste Instrument, um einen Film auf dem Weltmarkt zu positionieren. Durch sie schenken internationale Verleiher und Kinobesucher dem Werk Aufmerksamkeit. Hanekes in Cannes prämierter Film "Das weiße Band" hat also gute Chance, auch an den Kassen ein Schlager zu werden. Dass die "Bild" den Preis als "deutsche" Palme vereinnahmt, wird ihm mehr nützen als das rot-weiß-rote Mascherl. Dass es einem Regisseur gelingt, international Geld und kreatives Potenzial frei zu machen, adelt sein unternehmerisches Talent.

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