Wlodkowski: Wir lassen unsere Milchbauern nicht im Stich

Beibehaltung der EU-Marktordnungsinstrumente auch nach 2013 gefordert

Kobenz (OTS) - "Wir lassen unsere Milchbauern nicht im Stich. Eine positive Entwicklung ist unter der Voraussetzung möglich, dass sich alle Beteiligten voll und ganz für die Sache der Milchbauern einsetzen. Das beginnt im heimischen Nationalrat, der umgehend Entlastungsmaßnahmen, wie eine verschärfte Mengensteuerung und das Aussetzen der Quotenaufstockung, beschließen muss. Das setzt sich fort in der Europäischen Kommission, von der wir uns eine mengenmäßig und zeitlich unbegrenzte Fortsetzung von Intervention, Exporterstattungen und privater Lagerhaltung erwarten. Das betrifft aber auch die Verarbeitungsbetriebe, die sämtliche Kosteneinsparungen nützen müssen, wobei ebenso die Strukturdebatte kein Tabu sein darf. Gleichzeitig arbeiten wir gemeinsam an Modellen für die Zeit nach der Quote, die der heimischen Milchwirtschaft Zukunft geben", erklärte Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich, heute im Rahmen des Milchkongresses in Kobenz in der Steiermark.

Druck auf Milchmarkt

Obwohl EU-weit die Anlieferung stagniert, ist derzeit zu viel Milch auf dem europäischen Markt. Hauptursache ist der Verbrauchsrückgang, ausgelöst durch eine Exportabnahme und durch die Substitution von Milchprodukten in der Lebensmittel verarbeitenden Industrie. So sanken die Ausfuhren bei den meisten Milchprodukten 2008 im Vergleich zu 2007 deutlich. Zum Beispiel fielen die Butterexporte 2008 um 65.000 Tonnen (30%) geringer aus als 2007 und erreichten damit den niedrigsten Stand seit 1976, die Käseexporte verringerten sich um 41.000 t. Das hat zu einem wachsenden Überangebot auf allen EU-Märkten geführt. Teile der Lebensmittelindustrie verwenden darüber hinaus statt Butter oftmals pflanzliche Fette für Speiseeis und andere Erzeugnisse. Kunstkäse auf den Pizzas ersetzt Schätzungen zufolge alleine in Deutschland 100.000 t echten Käse pro Jahr. In Österreich hat außerdem die Einfuhr billiger Standardmilchprodukte verstärkt österreichische Herkunft und höhere Qualitäten ersetzt.

Appell: Sofort handeln

"Wir können nicht zuwarten, bis sich der Milchmarkt in Europa erwartungsgemäß in zwei bis drei Jahren stabilisiert. Es muss sofort etwas getan werden. Daher verlangen wir von der EU nicht nur die Fortsetzung von Intervention, Exporterstattungen und privater Lagerhaltung, sondern auch die Beibehaltung der Absatzunterstützungen für Butter und die Aktivierung dieser Beihilfen für Kasein und Milchpulver für Milchaustauscher in der Fütterung. Von den Molkereien erwarten wir Kosteneinsparungen durch verstärkte Zusammenarbeit, auch bei der Logistik", so Wlodkowski weiter, der auch einen dringenden Appell an jene richtete, die mit Preisvergleichen den negativen Trend am Leben halten: "Unseriöse Preisvergleiche mit dem Ausland müssen sofort aufhören. Dabei werden nämlich keine gleichwertigen Produkte verglichen: Die billigste Standardmilch von einem Großbetrieb irgendwo im EU-Markt ist nicht mit der hochqualitativen Milch aus dem österreichischen Berggebiet vergleichbar".

LK-Milchausschuss-Obmann Moosbrugger: Kostensenkung gilt für alle

"Wir verlangen eine strenge Kostendisziplin innerhalb der gesamten Produktions- und Verarbeitungskette bis hin zum Handel. Nicht nur wir Bauern müssen verstärkt auf die Kosten achten, auch die Molkereien und der Lebensmittelhandel inklusive der gesamten Logistik sind aufgerufen, Synergieeffekte zu nutzen. Es kann ja nicht sein, dass den Bauern nur das ausbezahlt wird, was vom Milcherlös nach Abzug aller Kosten noch übrig bleibt. Es ist nicht einzusehen, dass der Bauer als einziger Marktteilnehmer in der Wertschöpfungskette das gesamte Risiko der Preisschwankungen trägt", erklärte Josef Moosbrugger, Vorsitzender des Ausschusses für Milchwirtschaft der LK Österreich und Präsident der LK Vorarlberg.

Marktinstrumente weiterhin nötig

"Für uns Bauern ist die Planungssicherheit von großer Bedeutung. Die zunehmende Volatilität der Märkte stellt jedoch ein großes Problem dar. Deshalb braucht auch eine liberalere Milchwirtschaft -vor allem für die Zeit nach Ende der Quotenregelung - Instrumente, die den Markt nicht völlig entgleiten lassen können. Neben Intervention und Exporterstattung kann das eine Regelung sein, die das Angebot beschränkt. Denkbar wäre zum Beispiel ein Modell eines bezahlten Lieferverzichts, das in Zeiten von Markt störenden Überschüssen als eine stabilisierende Maßnahme wirksam werden könnte", so Moosbrugger.

"Unsere Bauern produzieren eine besonders hochqualitative Milch. Diese stammt zum größten Teil aus den Berg- und Grünlandgebieten. Wir haben außerdem den EU-weit höchsten Bio-Anteil. Österreichs Milchwirtschaft hat also ihre Stärken, die in Zusammenarbeit mit den Verarbeitungs- und Handelsbetrieben sicher noch ausbaufähig sind. Nur müssen wir rasch alle Maßnahmen setzen, damit wir auch in Zukunft viel mehr als Milch zur Verfügung stellen können, nämlich die Umwelt schützen und die Erholungslandschaft bereitstellen", so Moosbrugger. (Schluss)

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