- 24.05.2009, 09:00:00
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"trend": Christine de Castelbajac gerät unter Druck
Klagen und Anschuldigungen gegen ihre Constantia B.V.
Wien (OTS) - Dutzende Dokumente aus dem Strafakt zum
Constantia-Immofinanz-Skandal, die dem "trend" vorliegen, legen die
Vermutung nahe, dass die Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac und
ihre engsten Berater stärker in die Causa involviert waren als bisher
bekannt, berichtet das Wirtschaftsmagazin "trend" in seiner am Montag
erscheinenden Ausgabe. Laut Protokollen aus der Staatsanwaltschaft
hat die Dame zumindest Versuchen zugestimmt, die skandalösen
Machenschaften zu verschleiern. Und nicht nur das.
Dubiose Dividendenausschüttung
Am 4. Juni 2008 fand die 22. Hauptversammlung der Constantia
Privatbank (CPB) statt. Das Geldinstitut gehörte damals noch
Christine de Castelbajac Unter der Ägide von Aufsichtsratspräsident
Prinz Michael von und zu Liechtenstein, einem ihrer engsten
Vertrauten, wurde beschlossen, 33 Millionen Euro Gewinn
auszuschütten. Abgesehen davon, dass die CPB damals schon fast
bankrott war, waren zu diesem Zeitpunkt längst 90,8 Prozent Bank an
eine Gruppe rund um Rechtsanwalt Rudolf Fries verpfändet - als
Sicherheit für eine Put-Option, welche Castelbajacs Holding
Constantia B.V. Fries bei dessen Einstieg in die Immofinanz im
Ferbruar 2008 eingeräumt. Die Fries-Gruppe wurde weder über die -
unzulässig - abgehaltene HV noch über die Gewinnausschüttung
informiert. In einer Klage gegen die Constantia B.V. erhebt Fries
daher den Vorwurf, dass der Wert seines Pfands widerrechtlich um 33
Millionen geschmälert wurde, berichtet der "trend".
Früh Bescheid gewusst
Anfang November 2008 ließ Castelbajac über eine PR-Agentur
ausrichten, sie sei "tief betroffen von dem, was sie in den
vergangenen Tagen erfahren habe". In Wahrheit wusste sie damals seit
über einem Jahr, dass ihr Ex-Topmanager Karl Petrikovics 2007 über
eine Milliarde Euro an Anlegergeldern aus der Immoeast in die CPB
geschleust und mit Aktien der Immofinanz und Immoeast verspekuliert
hatte. Auch der Chefberater, Ex-CA-General Guido Schmidt-Chiari, war
informiert. Ende August 2007 musste Petrikovics "beichten". Karl
Arco, damaliger Kollege im Bankvorstand, erklärte der Justiz:
"Nachdem ich auf die Aktienbestände aufmerksam geworden war, habe ich
sofort den Aufsichtsratsvorsitzenden Prinz Michael von und zu
Liechtenstein und Dr. Schmidt-Chiari … informiert." Aussage des
Ex-Vorstands Norbert Gertner: "Castelbajac hat sofort gesagt, dass
sie keine Publizität und kein Meinl-Schicksal möchte."
Petrikovics wurde gedeckt.
Bei einem Meeting mit Castelbajac und Schmidt-Chiari vertrat der
beigezogene Rechtsprofessor Christian Nowotny am 4. Dezember 2007 die
Meinung, dass die Aktionen von Petrikovics seine "sofortige
Abberufung geboten erscheinen lassen". Die Reaktion laut Nowotnys
Stellungnahme ans Gericht: "Mir wurde mitgeteilt, dass man gegen Dr.
Petrikovics nicht vorgehen wolle, da ähnliche Geschäfte mit
erheblichem Gewinn im Vorjahr gelaufen seien und man die Verdienste
von Petrikovics berücksichtigen wolle." Damit vom "trend"
konfrontiert, sagt Schmidt-Chiari lapidar: "Das war wirklich nicht
meine Entscheidung."
Wie Petrikovics die enormen Summen aus der Immoeast abgezweigt hat,
nämlich ohne ordentliche Verträge, darüber gibt die
Beschuldigtenvernehmung des früheren Immoeast-Finanzvorstands
Christian Thornton Aufschluss: "Es gab von Dr. Petrikovics eine Art
Generalweisung…, wonach die Liquidität für Wertpapierkäufe von der IF
bzw. IE zur Verfügung zu stellen ist. Nachdem Dr. Petrikovics einen
Computer nur schlecht bedienen und daher auch keine E-mails
verschicken kann, gab er seine Anweisungen ausschließlich mündlich
(persönlich oder telefonisch)."
Die FMA wird hinters Licht geführt
Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hatte Ende 2007 von den Aktienpaketen
Wind bekommen und musste ruhiggestellt werden. Und so wurde
behauptet, dass die Wertpapiere gar nicht der CPB gehören, sondern
Kunden des Instituts. Prinz Liechtenstein persönlich brachte eine
Rosehill Business Limited, eine Ridas AG und - über Vermittlung von
Gertner - die englische Kingsbridge Capital Participation Limited
dazu, ihren Namen dafür herzugeben. In einem Schreiben an die FMA vom
29.11.2007 wurden diese drei Unternehmen als die wahren Eigentümer
der Immo-Papiere genannt. Eine glatte Lüge. Karl Arco gestand dem
Staatsanwalt auf die Frage, wer davon wusste, dass der FMA fingierte
Investoren samt dazu angefertigten (also gefälschten) Dokumenten
präsentiert worden waren: "Mit Prinz Liechtenstein und Frau
Castelbajac habe ich persönlich darüber gesprochen. Ich weiß
definitiv, dass Herr Dr. Schwager das wusste. Alle drei haben das
mitgetragen und waren damit einverstanden."
Klagen gegen Constantia B.V.
Die CPB war im Sommer 2008 so gut wie tot. Trotzdem wurde, so
berichtet der "trend" weiter, die Fries-Gruppe durch Verheimlichung
der Tatsachen dazu gebracht, die Put-Finanzierung bis März 2010 zu
verlängern: elf Prozent Zinsen wurden vereinbart. Am 16. Oktober
wurde dem verblüfften Rudolf Fries mitgeteilt, er müsse sein
CPB-Pfand über Nacht freigeben, die Bank müsse schon am nächsten Tag
von einem Konsortium aufgefangen oder in Konkurs geschickt werden.
Als Ersatzpfand bot man Fries zehn Prozent an der Constantia
¬Packaging AG plus knapp 37 Millionen Immoeast-Aktien, obwohl die
Beteiligten wussten, dass die Immoeast-Aktien gar nicht mehr
verpfändet werden konnten. Fries wartet bis heute darauf. Seine
Kanzlei hat drei Klagen auf Pfandrechtseinräumung gegen die
Constantia B.V. eingebracht.
In einer weiteren Klage im Zusammenhang mit den Put-Vereinbarungen
wird der Constantia B.V. vorgeworfen, sie habe die Fries-Gruppe "…
von Anfang an und in Bezug auf jeden einzelnen Schritt der
Gesamttransaktion arglistig in die Irre geführt". In dem Papier ist
auch von "der zweifellos gegebenen strafrechtlichen Relevanz des
Vorgehens der Beklagten die Rede". Gemeint ist: Betrug. Die
Fries-Gruppe beschuldigt die Castelbajac-Holding, ihr die Aktien
"umgehängt", die Finanzierung "herausgelockt" und die Investoren
"abgezockt" zu haben.
Rückfragehinweis:
trend Redaktion
Tel.: (01) 534 70/3402
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