WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Am Ende des Tunnels zeigt sich ein Lichtschein … - von Herbert Geyer

… aber noch sind wir mittendrin in der Finsternis

Wien (OTS) - Die jüngsten Umfragen der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute Ifo und ZEW geben endlich Grund zur Hoffnung: Zwar schätzen die befragten Experten die aktuelle Lage jeweils deprimierend düster ein - was angesichts eines deutschen Quartals-BIPs, das um sieben Prozent unter dem des Vorjahres liegt, nicht wirklich verwundert. Aber die Aussichten für die kommenden sechs Monate hellen sich deutlich auf.

Nicht so sehr beim ZEW-Index, der die Stimmung in der deutschen Finanzwirtschaft erhebt. Dort sieht die Mehrheit der Befragten aber immerhin eine "Verbesserung" gegenüber dem Ist-Zustand. Und besser als das totale Abrutschen einer Volkswirtschaft ist bald etwas. Beim Ifo-Klima wird aber nach absoluten Einschätzungen gefragt. Und dort pendelt sich die Meinung der weltweit befragten Experten für die Zeit in sechs Monaten bei einem "Zufriedenstellend" ein.

Es gibt also die berechtigte Hoffnung, dass im letzten Quartal des heurigen Jahres wieder so etwas wie Wachstum in der Weltwirtschaft einkehrt - wenn man der Ifo-Befragung trauen darf, ausgehend von Asien und Nordamerika, aber auch für West- und Osteuropa sieht es recht gut aus.

Wie "recht gut" dann tatsächlich aussieht, weiß freilich noch niemand. Einen so rasanten und so tiefen Einbruch wie im vergangenen halben Jahr hat die Weltwirtschaft noch nie erlebt. Daher gibt es auch keine Erfahrungen, wie eine Erholung nach einem solchen Einschnitt aussieht. Gewiss ist nur, dass die Entwicklung am Arbeitsmarkt jener der Konjunktur nachhinkt - die Arbeitslosigkeit wird also ihren Höhepunkt erst im kommenden Winter erreichen, mit allen Folgen, die sich daraus für Konsum und Binnennachfrage ergeben.

Ungewiss ist auch, wie sich die Kombination aus knappem Geld, Wirtschaftseinbruch und Wertewandel infolge des jüngsten (und des unvermeidlich kommenden nächsten) Ölpreisschocks und der Klimadiskussion mittelfristig auf die Realwirtschaft auswirken wird. Die Automobilindustrie wird wohl nicht so bald wieder jenen Stand erreichen, den sie vor der Krise hatte. Jedenfalls werden künftig andere Autos gefragt sein als noch vor einem Jahr.

Dass ausgerechnet am Tag, als sich erste Lichtstrahlen am Horizont abzeichnen, der oberösterreichische Auto-Zulieferer HTI Insolvenz anmelden muss, ist für die Betroffenen doppelt tragisch. Realistisch betrachtet, müssen wir uns aber klar sein, dass das bei Weitem noch nicht die letzte Insolvenz gewesen sein wird. Es gibt einen Lichtschein am Ende des Tunnels. Aber wir sind noch mittendrin in der Finsternis.

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