Arbeitsbedingungen bei Schlecker - GPA-djp schaltet sozialpartnerschaftliche Schlichtungsstelle ein

Großer Rücklauf bei Schlecker-Fragebogenaktion

Wien (GPA-djp/ÖGB) - Die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) besuchte am 27. April 2009 fast alle Filialen der Drogeriekette Schlecker und führte persönliche Gespräche mit etwa 1.600 Beschäftigten und übergaben einen Fragebogen zu den konkreten Arbeitsbedingungen. Obwohl in manchen Bereichen gegenüber einer ähnlichen Befragung im Jahr 2005 leichte Verbesserungen festzustellen sind, sieht sich die GPA-djp veranlasst, aufgrund der vorliegenden Missstände erstmals die sozialpartnerschaftliche Schlichtungsstelle zu den Arbeitsbedingungen im Handel anzurufen.++++

"Offenbar beruhen die Arbeitsbedingungen bei Schlecker auf einem System, das auf Angst und Druck basiert. Dieses System wollen wir mit unseren Aktivitäten knacken", erklärt die Bundesgeschäftsführerin der GPA-djp, Dwora Stein.

"Die Beschäftigten bei Schlecker haben keine Möglichkeit, ihre Arbeitszeit selbst mitzugestalten. Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass die Lage der Arbeitszeit einseitig angeordnet wird. Von Vereinbarung und Planbarkeit keine Spur, obwohl dies rechtlich eindeutig nötig ist. Besonders Frauen leiden unter diesem Problem, da die Betreuungsaufgaben von Kindern schwierig zu organisieren sind. Weiters geht hervor, dass die Beschäftigten jederzeit für Mehrarbeit zur Verfügung stehen müssen. Jeder dritte Befragte hat angegeben, dass sie regelmäßig mehr Stunden arbeiten müssen als vereinbart ist", erklärt die GPA-djp Wirtschaftsbereichssekretärin für den Handel Anita Stavik. Von einem Teilzeitzuschlag bei Mehrarbeit sehen die Schlecker Beschäftigten nichts. "Mit der rechtlichen Einführung des Mehrarbeitszuschlages von 25% für Teilzeitbeschäftigte im Jänner 2008 wurde eine wichtige Forderung der GPA-djp erfüllt. Der Zuschlag bietet eine Chance auf mehr Gehalt und ist für die über 74% weiblichen Beschäftigten im Handel ein einkommenspolitischer Meilenstein. Doch nicht bei Schlecker - das Unternehmen versucht, sich am Mehrarbeitszuschlag vorbeizumogeln und bringt damit vor allem Frauen um Geld, dass sie dringend benötigen", sagt die geschäftsführende Bundesfrauenvorsitzende der GPA-djp Ilse Fetik.

Viele der Befragten gaben an, dass sie angehalten werden, abgelaufene Ware zum Vollpreis zu kaufen, damit sich Schlecker die Abschreibung erspart. Der Druck auf die Erfüllung von Verkaufszielen dürfte sogar so weit gehen, dass MitarbeiterInnen und ihre Familien Bestellungen tätigen, die sie eigentlich nicht brauchen, nur um Ermahnungen und in der Folge angedrohten Kündigungen zu entgehen. Vertrauen gegenüber den eigenen MitarbeiterInnen wird bei Schlecker keinesfalls groß geschrieben. 76% der Befragten haben angegeben, dass sie nach Verlassen der Filiale kontrolliert werden. "Obwohl derartige Maßnahmen klare Eingriffe in die Persönlichkeitssphäre bedeuten und überhaupt nur unter sehr strengen rechtlichen Auflagen und auch dann nur sehr eingeschränkt möglich sind, scheint es Teil der Unternehmenskultur zu sein, die Beschäftigten grundsätzlich zu verdächtigen und unter Druck zu setzen", so Stein.

"Wir werden mit voller Kraft die Beschäftigten bei Schlecker unterstützen und alles daran setzen, damit wir dort zu besseren Arbeitsbedingungen kommen. Wir fordern von Schlecker die Einhaltung der Arbeitszeitgesetze und kollektivvertraglichen Regelungen. Wir erwarten, dass die Sozialpartner Schlecker auffordern, alle rechtlichen Bestimmungen sofort umzusetzen und die Probleme in einem konstruktiven Dialog zu lösen. Wir erwarten auch, dass sich unser Sozialpartner klar auf der Seite des Rechts positioniert und im Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Schlecker handelt", so die GPA-djp-Bundesgeschäftsführerin abschließend.

ÖGB, 19. Mai 2009 Nr. 310

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