"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Zahnloser Papiertiger" (Von Mario Zenhäusern)

Ausgabe vom 19.5.2009

Innsbruck (OTS) - Wenn es nach den Aussagen der beteiligten Politiker geht, wurde gestern in Rom ein weiterer Meilenstein für den Brennerbasistunnel gesetzt. Ein "Memorandum of Unterstanding", unterzeichnet von den Verkehrsministern der beteiligten Länder Italien, Deutschland und Österreich, EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani, dem EU-Koordinator für die Brennerstrecke, Karel Van Miert, sowie den Landeshauptmännern der betroffenen Regionen, soll den Ausbau der Bahnstrecke zwischen München und Verona endgültig regeln. Tatsächlich ist der Vertrag von Rom nichts weiter als eine weitere Absichtserklärung. Seit mehr als 20 Jahren diskutieren die Politiker entlang der wichtigsten und am meisten frequentierten Transitstrecke durch die Alpen nun bereits über diesen Tunnel, der die Menschen hierzulande entlasten soll. Die Memoranden, Verträge und Absichtserklärungen, die seither medienwirksam präsentiert wurden, reichen wahrscheinlich schon aus, um die Strecke zwischen Innsbruck und Bozen zu pflastern. Das Memorandum von Rom sagt aus, dass sich die drei Staaten auf den Bau des Tunnels einigen. Allerdings steht in dem Papier nichts davon, wer diesen Tunnel künftig benützen soll. Solange sich die EU nicht dazu durchringt, die Laster notfalls auf die Bahn zu zwingen, brauchen die Bagger erst gar nicht aufzufahren. Derzeit erfüllen unsere Nachbarstaaten nicht einmal die Minimalanforderungen, was die Verlagerung von Schwerverkehr auf die Schiene anbelangt. Wenn sich das nicht rasch ändert, droht den Tunnelbauern ein Milliardendesaster. Und das Memorandum bliebe ein zahnloser Papiertiger.

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