"Kleine Zeitung" Kommentar: "Bank Austria: Keine Staatshilfe ohne ordentliche Auflagen" (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 19.05.2009

Graz (OTS) - Mangelnder Erfolg kann es nicht gewesen sein:
Raiffeisen International hat im ersten Quartal 2009 gerade einmal 56 Millionen Euro verdient, die Erste Bank-Gruppe 232 Millionen, die Bank Austria 547 Millionen Euro. Erich Hampel, der mit 58 Jahren von der Bank-Austria-Mutter UniCredit jetzt ins Ausgedinge geschickt wird, hat zumindest was den Gewinn betrifft keinen Grund für sein frühzeitiges Ausscheiden geliefert, ganz im Gegenteil. Mit mehr als einer halben Milliarde Überschuss hat Hampel der Mutter sogar die Bilanz gerettet.

Der Abgang von Hampel kommt trotzdem nicht überraschend, denn seit Wochen arbeitet die UniCredit daran, die Bank Austria enger zur Brust zu nehmen. Nicht das Österreich-Geschäft sondern die zumindest in der Vergangenheit äußerst gewinnträchtige Region Central and Eastern Europe (CEE), die zur Zeit noch von Wien aus gesteuert wird.

Um den Umbau des Ostbereiches neu aufstellen zu können hat der Mailänder UniCredit-Boss Allessandro Profumo schon Anfang Mai - was CEE betrifft - einen Vorstandskollegen von Hampel indirekt zu dessen Chef gemacht, jetzt geht man offenbar einen Schritt weiter. Willibald Cernko, der dem Vernehmen zufolge im Herbst an die Spitze der Bank Austria treten soll, gilt als Mann, der ordentlich durchgreifen und mit der UniCredit sehr gut zusammenarbeiten kann.

Noch vor dem Wechsel muss die Bank Austria aber eine ganz entscheidende "Hürde" nehmen. Das Institut ist Österreichs einzige Großbank, die sich mit dem Finanzministerium noch nicht über die Staatshilfe geeinigt hat, und da könnte es sich ganz gewaltig spießen. Die UniCredit braucht zur Bewältigung der Finanzkrise rund vier Milliarden Euro, zwei Milliarden davon sollen aus Wien kommen. Wo man keine rechte Freude mit dem Vorstoß aus Italien hat. Ohne Unterstützung durch die Eigentümer wie bei der Kärntner Hypo will Finanzminister Josef Pröll keine Staatshilfe zahlen, und dazu dürften sich wohl Forderungen nach einer Standortgarantie für die Bank Austria gesellen. Die noch dazu dringend erforderlich wären, läuft doch 2012 der "Bank der Regionen"-Vertrag aus, mit dem der Bank Austria von der UniCredit eine gewisse Eigenständigkeit gewährt wird.

Aus österreichischer Sicht muss die Maxime lauten: Wenn die Bank Austria schon Milliarden vom Staat bekommt, darf sie von der UniCredit nicht auch noch abgeräumt werden. Ein Verdacht, der durch den Wechsel an der Spitze verstärkt wird.****

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