Bischof Kapellari: "Christen..." (2)

"Glaubende sind krisenfester"

In seiner Ansprache vor den Journalisten erinnerte Bischof Kapellari daran, dass seit Monaten der Begriff "Krise" das Leitwort für die Beschreibung der Situation der säkularen Gesellschaft sei. Die Rede sei von der Finanz- und Wirtschaftskrise, aber in deren Gefolge auch von einer Vertrauens- und Sinnkrise. Auf der Suche nach dem, was "Halt geben und Depression wie Aggression verhindern oder mindestens abschwächen kann", seien auch die Kirchen "und Religion überhaupt" angefragt. "Glaubende sind krisenfester", so Bischof Kapellari.

In diesem Zusammenhang nahm der Grazer Bischof auch auf die Situation der katholischen Kirche als der "weltweit größten, einheitlich verfassten Religionsgemeinschaft" Bezug. Die katholische Kirche stehe "in der Spannung zwischen Homogenität und Pluralität, zwischen Breite und Tiefe, zwischen Tradition und neuen Herausforderungen, zwischen sozialpolitischem Engagement und mystischer Versenkung in Gott". Kapellari wörtlich: "Sie macht Fehler und begeht Sünden, hat aber zugleich riesige Ressourcen an Mitmenschlichkeit, an Barmherzigkeit und Heiligkeit und aktiviert viel davon an jedem neuen Tag".

Im Hinblick auf den Widerstreit der Meinungen über "einiges im Reden und Handeln des Papstes" erinnerte Bischof Kapellari an ein Zitat der beiden Journalisten Jan Ross und Patrick Schwarz von der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit": "An der Spitze der katholischen Kirche steht heute ein Intellektueller, der zu den Schlüsselthemen der Gegenwart nicht weniger zu sagen hat als weltliche Köpfe wie Habermas oder Rushdie. Der mit dem Christentum einen dritten Weg zwischen Fundamentalismus und Relativismus sucht - also ungefähr das, wonach jeder denkende Zeitgenosse sich sehnt. Benedikt XVI. ist eine kostbare, gefährdete Spätblüte Europas, sein Pontifikat so etwas wie eine Arche für die Schätze des Abendlandes, vom Latein bis zu den Heiligen. Ein Mann, der in Worten, die nicht aus Plastik sind, die großen Fragen stellen kann: Gibt es Gott? Wie sollen wir leben? Was ist der Mensch?"

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