WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Opel und die vielen Fragen an Magna - von Wolfgang Unterhuber

Wird die Zentrale nach Deutschland verlegt?

Wien (OTS) - Morgen ist es so weit. Da müssen alle Opel-Interessenten dem deutschen Wirtschaftsminister ein Strategiekonzept auf den Tisch legen - und Magna wird dabei sein. Die Strategie des austrokandischen Autozulieferers ist klar. Da große Kunden ein Existenzproblem haben, wird Magna sozusagen sein eigener Kunde. Chrysler ist bereits insolvent und steht unter Gläubigerschutz nach Chapter 11, und bei General Motors (GM) wird es bald auch so weit sein.

Dass Magna seinen Kunden mit Opel Konkurrenz machen würde, ist übrigens nicht so dramatisch zu sehen, wie oftmals skizziert. BMW und Daimler sind nicht wirkliche Opel-Mitbewerber, weil sie produktmäßig mit ihrem Luxussegment auf einer ganz anderen Schiene unterwegs sind als die "Massenware" Opel. Bleibt Ford, der zuletzt drittwichtigste Einzelkunde von Magna. Wie Magna die Amis als Kunde behalten und ihnen in Europa gleichzeitig um die Ohren fahren will, ist eine der vielen Fragen, die das Magna-Management bisher nicht beantwortet hat.

Auch sonst gibt es Unklarheiten, die einer Aufklärung bedürfen. Denn bei aller Freude über die Umtriebigkeit der gebürtigen Steirer FrankStronach und Sigi Wolf darf doch angenommen werden, dass der Standort Österreich für Magna nach einem Einstieg bei Opel an Bedeutung verliert. Dass in Graz plötzlich Opel-Autos hergestellt werden, erscheint eher unwahrscheinlich. Ob es nicht sinnvoller wäre, die Europazentrale von Oberwaltersdorf nach Rüsselsheim zu verlegen, darüber wird man bei Magna wohl auch schon nachgedacht haben.

Darüber hinaus ist die Rolle der russischen Partner für den Opel-Deal noch im Detail zu klären. Die vom Kreml kontrollierte Sberbank hat zwar jede Menge Geld, doch braucht Moskau momentan jeden Rubel, um die eigene Wirtschaft zu stützen. Oligarch Oleg Deripaska ist erst im Herbst bei Magna abgesprungen. Jetzt ist seine Autofirma GAZ mit an Bord. GAZ kann höchstens - nicht gerade dem West-Niveau entsprechende - Produktionshallen einbringen. Ansonsten ist GAZ hoch verschuldet und wandelt am Rande der Zahlungsunfähigkeit dahin. Apropos: General Motors soll bei Opel im Falle eines Magna/Russen-Deals angeblich mit 40 bis 50 Prozent engagiert bleiben. Hier wäre es spannend zu wissen, wie das gehen soll, wenn GM in Chapter 11 geht.

Die Magna-Manager sind vom Gründer abwärts ausgefuchste Taktiker. Daher müssen sie bald klare Antworten geben. Sonst verkehrt sich die Sympathie, die ihnen momentan gerade in Deutschland entgegen gebracht wird, rasch ins Gegenteil.

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