PPV und Wirtschaftskrise

PPV Industrie im Jahr 2008

Wien (PWK384) - Die Papierverarbeitende Industrie hat 2008 1,1
Mio. to (+ 2,6 %) Produkte aus Papier, Karton, Wellpappe und Verbunden im Wert von Euro 1.938 Mrd. (+ 3,7 %) abgesetzt. Unter Einbeziehung aller Unternehmen von PPV AUSTRIA wurden in der Papierverarbeitung 2,2 Mrd. Euro umgesetzt.

Nach Zuwächsen von 7,8 % im 1. Halbjahr 2008 brachte das 3. Quartal noch eine Steigerung des Absatzes von 2,7 %. Im vierten Quartal gingen jedoch die Umsätze deutlich zurück (- 3,1%). Die Verschlechterung der Auftragslage kommt auch in einem Rückgang der Jahresproduktion um 0,5 % gegenüber 2007 zum Ausdruck. Träger der Branchenkonjunktur war der Export mit einer Menge von 653.000 to (+ 3,2 %) und einem Wert von 1.244 Mio. Euro (+ 3,7 %). Die Exportquote blieb mit 64,2 % unverändert.

Die PPV Industrie war in den ersten Monaten des Jahres 2008 bei noch guter Auftragslage mit der Weitergabe von Rohstoff- und Energiekosten befasst. Nach gutem 1. Halbjahr hat sich die wirtschaftliche Situation der PPV Industrie deutlich verschlechtert. Während Mengen- und Wertzuwachs des 1. Halbjahres noch auf Auftragsüberhänge und auf die Rohstoff- und Energiekostensteigerung des Jahres 2007 zurückzuführen waren, brachen mit August die Auftragsdecke und Auslastung deutlich ein.

Die Abflachung der europäischen Wirtschaftsdaten und die Auswirkungen der Finanzkrise mit ihren Verlusten an Vertrauen in Investitionen hatten nun auch die Papierverarbeitung erreicht. Insbesondere der Verpackungssektor bekam die Stagnation der westeuropäischen Märkte und die rückläufigen Wachstumsraten in den neuen EU Ländern zu spüren. Der private Inlandskonsum blieb durch die Lohnsteuerprogression und Auswirkungen der Teuerung weiterhin schwach. Die Auslastung, in den letzten beiden Jahren auf hohem Niveau, ist in vielen Betrieben stark gesunken, was zum Abbau von Beschäftigten, vorerst Leiharbeitern, im 4. Quartal führte. Der Beschäftigtenstand der PPV Industrie betrug 2008 im Durchschnitt 9.511 Mitarbeiter (+ 1,4 %). Unter Einbeziehung aller Unternehmen von PPV AUSTRIA waren in der Papierverarbeitung in Österreich mehr als 10.000 Personen beschäftigt.

Aktuelle Situation

Deutlich rückläufig war die Branchenkonjunktur der Papierverarbeitung auch im 1. Quartal 2009. Insbesondere der Verpackungssektor hatte nach Absatzrückgängen von über 6% im 4. Quartal 2008 weitere Einbußen zu verzeichnen. So hatte z.B. die Wellpappeindustrie im 1.Quartal 2009 einen Rückgang der Absatzmengen um etwa 11% hinzunehmen. Auch in bisher stabilen Bereichen der Verpackungsindustrie, etwa bei Nahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs sowie auf Ostmärkten kommt es zu starken Rückgängen. Die rückläufige Auftragslage hat zu einer Verstärkung des Wettbewerbes und des Preisdrucks geführt. Betroffen ist die Industrie auch durch die eingeschränkte Verfügbarkeit und Verteuerung von Krediten.

Die Unternehmen berichten von Abbau von Leiharbeitern, Rücknahme von Schichten und betrieblichen Regelungen zur Anpassung der Arbeitszeit an die Auftragslage, um Abbau von Stammpersonal möglichst zu vermeiden.

Perspektiven 2009

Angesichts der Einbrüche der Auftragsdecke in verschiedenen Bereichen der Industrie sind die Erwartungen gedämpft. Mit dem Ausfall wichtiger Exportmärkte ist zu rechnen, die Konsumschwäche des Inlandsmarktes wird durch die Entwicklung am Arbeitsmarkt weiter verstärkt werden. Damit wird die Rezession auch noch bislang stabile Bereiche des Lebensmittelsektors und der Gegenstände des täglichen Bedarfes erfassen. Als heterogene Industrie ist die Papierverarbeitung nicht in allen ihren Wirtschaftszweigen und Branchen in gleicher Weise vom Konjunktureinbruch betroffen. Die österreichische PPV Industrie hat in den letzten Jahren Restrukturierungen vorgenommen und ist gut aufgestellt. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen und gedämpfter Erwartungen sollte sich die Papierverarbeitung als krisenresistent erweisen. Da der Verpackungssektor die Konjunktur der Volkswirtschaft widerspiegelt und mit einem Anteil von 54% die PPV Industrie maßgeblich mitbestimmt, wird jedoch für das Gesamtjahr 2009 mit einem Rückgang der Produktion im Ausmaß der Entwicklung des BNP zu rechnen sein.

Strategien

Die PPV Industrie reagiert auf den Paradigmenwechsel mit der Anpassung der betrieblichen Strukturen an die geänderte Situation und Maßnahmen zur Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit. Eine Studie des IWI hat ergeben, dass nur Kostenführerschaft, Flexibilität, Innovation, Qualität, Dienstleistungsorientierung und Qualifikation der Mitarbeiter über die schwierige Phase helfen können. Es wird zu massiven Strukturbereinigungen in der europäischen Papierverarbeitung kommen. Nur wer die Chancen der Selbsterneuerung und Verbesserung in den genannten Faktoren nutzt, kann Positives aus der Rezession in die Zeit nach der Krise mitnehmen. Führende Unternehmen sind bereits mit der Umsetzung neuer Strategien befasst.

PPV AUSTRIA - Fachverband der Papierverarbeitenden Industrie

Die Vereinigung PPV AUSTRIA und der Fachverband der Papierverarbeitenden Industrie stehen für die Papierverarbeitung in Österreich. 110 Unternehmen verarbeiten und veredeln mit mehr als 10.000 Mitarbeitern in Österreich jährlich 1,1 Mio. Tonnen Papier und Karton zu Wellpappe, Verpackungen, hygienischen Papierwaren, Büro-und Organisationsmitteln, Büchern und Broschüren sowie sonstigen Papierwaren. Mit ihrem industriellen Druckbereich ist die Papierverarbeitende Industrie, insbesonders mit dem Verpackungssektor, auch medialer Dienstleister.

Die österreichische PPV ist klein- und mittelbetrieblich strukturiert, stark exportorientiert, multinational tätig und in verschiedenen Bereichen Marktführer in Europa. Neben den österreichischen Standorten betreibt sie zahlreiche Niederlassungen in und außerhalb Europas.

Mit dem Einsatz der nachwachsenden Werkstoffe Papier und Karton, energieeffizienter, emissionsarmer und umweltgerechter Produktion sowie der Einbindung der Produkte in den Rohstoffkreislauf des Altpapier-Recyclings ist die PPV Industrie nachhaltig unterwegs. Aus/Weiterbildung und hohe Dienstleistungsorientierung sind wichtige Standortfaktoren. Als moderne, innovative und dynamische Industrie bietet sie attraktive Arbeitsplätze mit guten Aufstiegschancen für qualifizierte Mitarbeiter. (us)

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Rudolf BERGOLTH
PPV - Fachverband der Papier und Pappe
verarbeitenden Industrie Österreichs
1041 Wien, Brucknerstrasse 8
Tel.: 1/505 53 82-0

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