Ärztewunsch zur Unigesetz-Novelle: "Mondscheinforschung" endlich abstellen

UG-Novelle muss Lehre und Forschung in der Dienstzeit verankern; Arbeitszeit-Höchstgrenzen der Ärzte sind dringend einzuhalten

Wien (OTS) - Die Zustände an den Medizinischen Universitäten gehören aus Sicht der Bundeskurie Angestellter Ärzte dringend verbessert. "Viele der besten Ärzte verlassen die medizinischen Unis. Schuld sind die unerträglichen Arbeitsbedingungen. Was das auf Dauer für die Gesundheit in Österreich bedeutet, kann sich jeder ausmalen", erklärte Bundeskurien-Obmann und Vize-Präsident der ÖÄK Harald Mayer am Montag in einer Aussendung. Aus diesem Grund hat die Bundeskurie ihre Vorschläge zur geplanten Novellierung des Universitätsgesetzes Bundesminister Hahn letzte Woche vorgelegt.

Dringendste Forderung: Im neuen Universitätsgesetz müsse sichergestellt sein, dass Lehre und Forschung in der Dienstzeit stattfinden. Dafür seien mindestens 40 Prozent der Arbeitszeit zu reservieren. Entsprechende Ressourcen und Räumlichkeiten seien zur Verfügung zu stellen. "Lehre und Forschung gehören zu den Dienstpflichten und dürfen kein Freizeitvergnügen sein", forderte Mayer. Derzeit fallen jedoch in Wien 81 Prozent des Zeitaufwandes auf die Betreuung der Patienten, für die Forschung bleiben 11 Prozent, für die Lehre nur noch acht Prozent. Und das bei durchschnittlichen Arbeitszeiten von 70 Stunden, wobei viele Ärzte mehr als die erlaubte Höchstarbeitszeit von 72 Stunden in der Woche leisten.

An den Universitäten in Graz und Innsbruck ist die Lage nicht besser. Die Lehre erfolge laut Mayer in Innsbruck oft nach dem Dienst, Vorbereitungen passierten am Wochenende, Überstunden für wissenschaftliche Arbeit würden nicht bezahlt. In der steirischen Landeshauptstadt finde Forschung praktisch nur mehr über Drittmittelfinanzierung zwischen Mitternacht und drei Uhr früh statt. Doch wer eine Weiterbeschäftigung an der Medizinischen Universität anstrebe, müsse wissenschaftliche Leistungsnachweise erbringen. Dazu der Spitalsärzte-Chef: "Diese Mondscheinforschung ist keine Dauerlösung."

"Außerdem sollen die gesetzlichen Arbeitszeit-Höchstgrenzen an den medizinischen Unis endlich eingehalten werden", sagte Mayer weiter. "Unsere Vision von Universitäten ist, dass im Durchrechnungszeitraum eine Arbeitszeit von 60 Wochenstunden eingehalten wird. Patienten haben ein Recht auf ausgeruhte Ärzte. Das ist nun einmal ein Qualitätsfaktor!"

In diesem Zusammenhang wies Mayer auf einen weiteren Missstand hin. "Mancher Routineeingriff, den man auch beim niedergelassenen Arzt durchführen könnte, wird von Universitätskliniken erledigt. Unikliniken dienen aber nicht der Grundversorgung, hier gehören die Spitäler endlich entlastet." Mayer fordert daher seit längerem, Spitäler und Ordinationen besser zu vernetzen und regt neue Ärzte-spezifische Kooperationsformen an. Damit soll eine medizinische Versorgung mit einem qualitativ breiten Angebot auch außerhalb der Spitäler sichergestellt werden.(jg)

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