• 18.05.2009, 12:11:43
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Schimmelpilze als neue Lebensretter

Neue Möglichkeiten zur Bekämpfung von Krankheitserreger entdeckt - Schimmelpilze bieten viel mehr Wirkstoffe als bis jetzt angenommen

Wien (OTS) - Schimmelpilze verderben nicht nur unsere Lebensmittel
und blühen mitunter an unseren Wohnungswänden, vor allem sind sie
eine der wertvollsten Quellen von medizinischen Wirkstoffen - die
bekanntesten davon sind sicherlich die Antibiotika. Die moderne
Genomforschung mit diesen Organismen hat allerdings einen wesentlich
höheren Reichtum an biologischen Wirkstoffen prognostiziert, als
bisher bekannt sind. Ein Forscherteam aus Österreich und den USA hat
jetzt herausgefunden, warum wir nur wenige davon kennen. Dadurch
werden neue Möglichkeiten für die Bekämpfung von Krankheitserregern
in der Medizin und Landwirtschaft eröffnet.

Der Schimmelpilz - schon seit jeher eine Quelle der Medizin

Seit der eher zufälligen Entdeckung des Penicillins durch
Alexander Fleming im Jahr 1928 wurden viele weitere Antibiotika aus
Schimmelpilzen gewonnen, die heute vor allem in der Medizin
eingesetzt werden. Der achtlose Umgang mit Antibiotika und der
Einsatz als Futtermittelzusatz in der Massentierhaltung führten dazu,
dass viele Krankheitserreger, die früher noch durch Antibiotika
abgetötet wurden, mittlerweile resistent dagegen geworden sind. Damit
wird die Bekämpfung vieler Erreger unmöglich.

Die pharmazeutische Forschung ist stets auf der Suche nach neuen
Wirkstoffen und Antibiotika die diese resistenten Erreger trotzdem
abtöten.

Der Unterschied zwischen Natur und Labor

Die "Fungal Genomics Unit", eine Kooperationsarbeitsgruppe der
Austrian Research Centers (in Zukunft Austrian Institute of
Technology, AIT) am Standort Seibersdorf und der Universität für
Bodenkultur in Wien, hat unter der Leitung von Dr. Joseph Strauss
gemeinsam mit Chemikern und Pilzforschern aus den USA herausgefunden,
warum die Anzahl der bisher entdeckten Stoffwechselprodukte wie z.B.
Antibiotika so gering ist.

Die Forscher berichten in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift
"Nature Chemical Biology", dass unter Laborbedingungen jene
Genabschnitte in den Schimmelpilzen stillgelegt sind, die für die
Produktion von Antibiotika gebraucht werden. Unter den natürlichen
Lebensbedingungen der Pilze werden diese Genabschnitte freigegeben.
Dadurch sichern sie den Schimmelpilzen ein besseres Überleben, indem
sie Bakterien und andere Konkurrenten mit Hilfe der Antibiotika und
Pilzgifte ausschalten oder zumindest unterdrücken. Diese natürlichen
Lebensbedingungen können im Labor aber nur für einen Bruchteil der
Organismen nachgebaut werden, sodass es - mit den wenigen bekannten
Ausnahmen - unter Laborbedingungen nicht zur Produktion des
vollständigen Spektrums an Wirkstoffen kommt.

Neue Antibiotika in Sicht

Die Forschergruppe konnte nun den Hintergrund des Stilllegens der
Genabschnitte ("silencing" genannt) klären: durch sogenannte
"epigenetische" Phänomene werden ganze Abschnitte eines Genoms in
eine unzugängliche Struktur verpackt und damit wird die
dahinterliegende genetische Information unlesbar. Unter diesen
Bedingungen werden weder Antibiotika noch andere Wirkstoffe gebildet.

Im Rahmen eines vom Forschungsfonds FWF geförderten Projektes über
die epigenetische Regulation in Schimmelpilzen und in Kooperation mit
zwei amerikanischen Universitäten versuchen die Forscher nun, in
diese epigenetische Regulation gezielt einzugreifen und damit
eventuell die versteckten biologischen Schätze von Schimmelpilzen
zugänglich zu machen. Damit kommen neue Wirkstoffe und Antibiotika
wieder in Reichweite, um ein brennendes Problem in der Medizin und
der Krankenhaushygiene wieder in den Griff zu bekommen.

Rückfragehinweis:

Doz. Joseph Strauss, PhD
   Austrian Research Centers (ARC) künftig Austrian Institute of
   Technology (AIT) 
   Health & Environment Department
   Bioresources 
   mobile +43 (0) 664 213 79 87
   email: [email protected]
   Mag. Michael H. Hlava
   Austrian Research Centers GmbH - ARC künftig Austrian Institute of
   Technology (AIT)
   Head of Corporate and Marketing Communications
   e-mail [email protected]
   Dr. Ingeborg Sperl
   Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) 
   Tel: +43-1-47 654 - 2351
   [email protected]

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