WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Dividenden-Politik sagt viel über Firmen aus - von Alexis Johann

Bene zahlt keine Dividende und tut damit das Richtige

Wien (OTS) - Die Liberalisierung der Luftfahrt macht zwar mehr und günstigere Angebote verfügbar, verdirbt aber dort, wo es keine relevanten Nachfragemengen gibt, die Vielfalt. So sind die Fluganbindungen vieler Regionalflughäfen in Europa heute um einiges unattraktiver als früher. Freier Markt führt also nicht zwingend zu besseren Preis-Leistungs-Verhältnissen.

Die Post wird die Kosten der Briefzustellung reduzieren müssen, um ab 2011 im Wettbewerb bestehen zu können. Die Auslagerung der Zustellung ist eine Radikalmaßnahme, aber verständlich. Unfair ist daran nur, dass weder den Mitarbeitern noch den Kunden jemals das realistische Szenario gezeichnet wurde: Ortschaften ohne Postämter und ein Verlust in der Zustellungsqualität. Einwände, dass die Maßnahme in Zeiten der Krise nicht verantwortungsvoll sei, schießen aber am Ziel vorbei. Die Post hat auch private Eigentümer, denen sie verpflichtet ist. Tatsächlich gibt es jedoch einen berechtigten Kritikpunkt, der in vielen Betrieben zu diskutieren ist. Die Post zahlt eine Dividende.

Und das tun auch andere Betriebe, die von der Krise ordentlich gebeutelt werden. So wird der Leiterplattenhersteller AT&S trotz einem Verlust von 23 Cent je Aktie, trotz verhaltener Geschäftsaussichten, und trotz eines massiven Personalabbaus 18 Cent je Aktie ausschütten.

Auch der börsenotierte Familienbetrieb Bene könnte das tun, denn er steht mit einer Eigenkapitalqote von 47 Prozent solide da. Die Aktionäre, die seit dem IPO mit einem sinkenden Aktienkurs konfrontiert sind, hätten sich das verdient. Doch Bene verzichtet auf Ausschüttung und tut damit das Richtige. Die Sicherung der Liquidität steht im Vordergrund. Es geht um die Sicherheit, auch in einer längeren Krise handlungsfähig zu bleiben. Und darum, noch in Jahren am Markt bestehen zu können. Vielleicht mit den derzeitigen Produkten, vielleicht mit neuen.

Eigentümergeführten Betrieben geht es häufig um den Erhalt der Produktionsfähigkeit, also darum, als Betrieb zusammen mit Mitarbeitern, Kunden und Geldgebern Generationen zu überstehen. Solche Maßnahmen können bei Mitarbeitern jenes Gefühl der Verantwortung erzeugen, das Flügel verleiht. Familienbetriebe waren bei High Potentials nicht immer erste Anlaufstationen. Das könnte sich nun ändern, weil andere Werte in den Vordergrund rücken.

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