FTI-Strategie 2020 des Forschungsrates will Korrektur der "Innovations-Schieflage" in Österreich durch Wettbewerb, Flexibilisierung und Evaluierung

Wien (OTS) - "Österreich steckt überdurchschnittlich viele Ressourcen in Forschung, Technologie und Innovation - und generiert damit im Vergleich nur einen unterdurchschnittlichen Output. Diese Schieflage im heimischen Innovationssystem müssen wir korrigieren." Mit diesen Worten bringt der Vorsitzende des Rates für Forschung und Technologieentwicklung, Knut Consemüller, die Zielsetzung der FTI-Strategie 2020, die als Arbeitsentwurf Donnerstag in Wien vorgestellt wurde, auf den Punkt.

Österreich, so Consemüller, weise trotz einiger Schwächen - z.B. mangelnde Verfügbarkeit von Risikokapital oder Defizite im Bereich der tertiären Ausbildung - hervorragende Ausgangsbedingungen auf. "Wir sind derzeit unter den Top Ten und besitzen gute Chancen auf einen Stockerlplatz im EU-Innovations-Ranking. Und diese Chancen sollten wir auch wahrnehmen, denn Forschung und Entwicklung stellen die Basis unserer künftigen Wettbewerbsfähigkeit dar und müssen daher gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verstärkt gefördert werden. Rund zwei Drittel des realen Wachstums in Österreich werden durch Forschung und Qualitätsverbesserung der Produktionsfaktoren, also etwa Höherqualifizierung der Arbeitskräfte, erzielt. Dies wissen wir aus der umfassenden Analyse des Rates zur Entwicklung der Humanressourcen in Österreich."

Die Steigerung der F & E-Ausgaben des Bundes von 2,337 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 2,566 bzw. 2,780 Millionen Euro in den Jahren 2009 und 2010 wertet er als "Signal des guten Willens"; nach derzeitiger Budgetplanung kommt es jedoch ab 2011 zu einem Rückgang. Laut den bisherigen Vorschlägen blieben bis 2013 im Mittel 2,595 Millionen Euro jährlich. "Wir nähern uns zwar dem angestrebten Ziel von 3% F&E-Anteil am BIP an, (aktuell: 2,73%, also deutlich höher als der OECD- oder EU-Durchschnitt) werden es aber nicht erreichen. Schlimmer noch ist, dass wir den Zielpfad von 8-10% Steigerung pro Jahr beim F&E-Aufwand verlassen." Daher muss auch die in der Regierungserklärung genannte 4%-Forschungsquote als Ziel für 2020 angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einer neuen Bewertung unterzogen werden.

Die FTI-Strategie 2020 sieht als Leitprinzipien u.a. eine Fokussierung der österreichischen Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik auf die bereits bestehenden Stärkefelder sowie generell mehr Wettbewerb bei der Vergabe von Geldern/Fördermitteln vor. Das bedeutet, "dass schwache Gebiete mittelfristig auslaufen und neue Themen nur angegangen werden, wenn darin kurz- bis mittelfristig eine Spitzenstellung Österreichs erlangt werden kann. Konkret heißt das beispielsweise eine Kürzung der Mittel des General University Funds (GUF) sowie eine Budgetsteigerung für den FWF", erläuterte Consemüller. "Wir müssen die Frage nach der Hebelwirkung der eingesetzten Gelder immer wieder stellen, wir müssen Instrumente der Evaluierung entwickeln, und wir müssen diese Frage immer wieder aufs Neue beantworten", betonte der Ratsvorsitzende in diesem Zusammenhang. Auch die Stimulierung zusätzlicher privater Investitionen, etwa über Stiftungen "als FTI-Förderer und nicht nur als Steuersparmodelle", kann sich der Rat vorstellen.

Darüber hinaus sieht die Strategie 2020 ein Hauptaugenmerk auf Aus- und Weiterbildung als "Kapital einer wissensbasierten Gesellschaft" ebenso vor wie die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Relevanz als übergeordnete Motive für Forschung, Technologie und Innovation. "Eine global vernetzte Welt verlangt auch nach einer Internationalisierungsstrategie hier in Österreich", erläuterte der Ratsvorsitzende weiters. Dafür wiederum müssen die österreichischen FTIStrukturen "deutlich flexibler" werden, um in dieser globalisierten Welt auch effizient agieren und reagieren zu können. Dazu gehört u.a. auch die Nutzung der im öffentlichen Dienst möglichen Vertragsstrukturen, um Anpassungen in der Aufgabenstruktur der MitarbeiterInnen zu ermöglichen. "Wir erfüllen mit unseren Vorschlägen nicht nur unseren gesetzlichen Auftrag - wir sind auch die einzige Institution, die frei von Eigeninteressen eine objektive Diskussionsplattform einrichtet", hielt Consemüller abschließend fest.

"Wir schlagen Schwerpunkte für die mittel- bis langfristige Strategie 2020 vor, die Österreich noch weiter nach vorne in Europa bringen", so der stellvertretende Ratsvorsitzende Günther Bonn. Insgesamt acht Elemente wurden auf Basis von Studien und Analysen als wesentliche Bestandteile der Strategie entwickelt: Menschen; Wissenschaft/FTI und Gesellschaft; FTI-Mittel Input/Output; Schwerpunkte; Infrastruktur; Instrumente; Governance; Internationales. Diese Auswahl dient der Strukturierung der Diskussion - im Zusammenspiel von Mensch, Ressourcen und inhaltlichen Schwerpunkten auf jeweils regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Die Empfehlungen des Rates reichen dabei von einer gemeinsamen Nutzung von FTI-Infrastrukturen durch mehrere wissenschaftliche Organisationen (z.B. auch als Bewertungskriterium für Förderungen) bis hin zur Abkehr von der derzeit dominierenden programmorientierten Betrachtungsweise hin zu einem anhand von Nutzenindikatoren gewichteten bedarfsorientierten Zugang bei FTI-Projekten. Deren unabhängige Evaluierung wird, wie auch vom Rechnungshof angeregt, der Rat in Auftrag geben. Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten sollen "ambitionierter" gestaltet werden, wobei es für Erreichung bzw. Nichterreichung der Ziele entsprechende Honorierungen bzw. Sanktionen geben muss.

Als "Novum in der österreichischen scientific community" stellte der Geschäftsführer des Rates, Ludovit Garzik, den Wiki-Prozess vor, mit dessen Hilfe der vorliegende Arbeitsentwurf im Zeitraum von 14. Mai bis 7. Juni 2009 "erweitert und abgerundet" werden soll. Unter www.forschungsstrategie.at können in einem webbasierten Diskussionsprozess die Vorschläge des Rates von der scientific community sowie der interessierten Öffentlichkeit durch gezielte Inputs bereichert werden. Zu diesem Zweck wurden alle für das österreichische Forschungssystem Verantwortung tragenden Player persönlich eingeladen, sich daran zu beteiligen.

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DI Dr. Ludovit Garzik, MBA
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E-Mail: l.garzik@rat-fte.at
Homepage: www.rat-fte.at
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