NÖ Hilfswerk startet Initiative "Pflege ist Thema. Aber pflegen heißt mehr."

Demenz als Beratungsschwerpunkt bei Hilfswerk-Infotour, Hilfswerk-Präsident Ernst Strasser: "Demenz darf nicht länger Tabuthema bleiben!"

St. Pölten (OTS) - Etwa 20.000 Menschen sind in Niederösterreich an Demenz erkrankt, fast 5.000 kommen jährlich dazu. Und man geht davon aus, dass mehr als 80 % der Demenzerkrankungen nicht oder nicht richtig behandelt werden! Diese alarmierenden Zahlen hat das Hilfswerk zum Anlass genommen, eine umfassende Initiative im Bereich der Demenzvorsorge und -erkennung zu starten. "Die Krankheit Demenz und ihre Folgen werden massiv unterschätzt. Schon jetzt ist die Demenz Pflegegrund Nummer 1 in Österreich - 47 % aller Pflegebedürftigen werden aufgrund von Demenz gepflegt", erklärt NÖ Hilfswerk-Präsident Dr. Ernst Strasser anlässlich einer heutigen Pressekonferenz. "Es besteht dringend Handlungsbedarf: Betroffene und ihre Angehörigen brauchen adäquate Versorgungsstrukturen, konkrete Unterstützung und umfassende Beratung. Demenz darf nicht weiter ein Tabuthema bleiben!" Ein Teil der großen Hilfswerk-Initiative ist die diesjährige Infotour durch Niederösterreich, die morgen, Freitag, in Mistelbach startet.

Die Auswirkungen von Demenz im Alltagsleben sind dramatisch: So ist es zum Beispiel für rund 88 % der leicht an Demenz erkrankten Menschen unmöglich, ihren Einkauf zu tätigen. Selbst telefonieren können 21,1 % der Personen mit leichter Demenz nicht mehr. Da 80 % der Demenzkranken zuhause betreut werden, stellt das rasante Ansteigen der Erkrankung große Herausforderungen für die Familien und für das Pflegesystem dar. Denn bereits im Jahr 2040 rechnet man mit doppelt so vielen Erkrankten wie heute.

Unter dem Titel "Pflege ist Thema. Aber pflegen heißt mehr." startete das NÖ Hilfswerk eine große Bildungs- und Informationsoffensive. Alle 2.000 MitarbeiterInnen in der Pflege und Betreuung durchlaufen bis zum Herbst eine einschlägige Weiterbildung, um ihre Fachkompetenz im Bereich Demenz weiter zu entwickeln. Für Betroffene und Angehörige wurden umfangreiche Materialien zusammengestellt, die beim NÖ Hilfswerk kostenlos unter 02742/90 600 bestellt werden können. "In den letzten Monaten wurden hier bereits über 1.000 Infopakete in Niederösterreich verschickt", berichtet Jana Bockholdt MAS, Pflegedirektorin des NÖ Hilfswerks. In Zusammenarbeit mit ExpertInnen wurde außerdem ein innovativer Erhebungsbogen entwickelt, der bei Demenzverdacht eingesetzt wird, die ärztliche Diagnose erleichtert und die anschließende Behandlung unterstützt. Erste Ergebnisse der letzten Monate zeigen bereits den Erfolg: "Bei 85 % unserer KundInnen, bei denen wir bei Demenzverdacht die Erhebung durchführten, bestätigte sich unser Verdacht durch die ärztliche Diagnose", ist Bockholdt stolz. "Das sind Menschen, die ohne unser Zutun vielleicht nie den Arzt aufgesucht hätten."

"Es ist wichtig, dass Pflege und Betreuung in Österreich endlich Thema sind", so Strasser. "Es hat wichtige Fortschritte gegeben, wie die Regelung der 24-Stunden-Betreuung. Aber die Lösung vieler Fragen steht uns noch bevor: Um den steigenden Pflegebedarf zu decken brauchen wir langfristig tragfähige Finanzierungsmodelle, ein vielfältiges und zeitgemäßes Unterstützungs- und Betreuungsangebot und starke mobile Dienste."

Die Hilfswerk-Infotour
Die diesjährige bundesweite Hilfswerk-Infotour "Pflege ist Thema. Aber pflegen heißt mehr." startet morgen, 15. Mai, 14 Uhr, am Hauptplatz in Mistelbach. In den nächsten Monaten hält das Hilfswerk-Mobil über 50 mal in Österreich, davon neunmal in Niederösterreich. Neben einer speziellen Beratungsstation rund um die Demenz stehen dort die Themen Vorbeugung & Pflege, Wohlfühlen & Lebensqualität, Kinderbetreuung & Kindergesundheit im Mittelpunkt. Weiters warten Gesundheits-Checks, kostenlose Hörtests, Kinderunterhaltung und ein Gewinnspiel auf die Besucher. Die weiteren Stopps in Niederösterreich: Wolfsgraben (16. Mai), Kottingbrunn (6. Juni), Gänserndorf (12. Juni), Niederkreuzstetten (21. Juni), Pöchlarn (29. Juni), Schwechat (29. August), Gloggnitz (12. September) und Hainburg (19. September).

Das NÖ Hilfswerk ist Niederösterreichs größter sozialer Dienstleister mit über 4.500 MitarbeiterInnen und 23.000 KundInnen pro Monat. Es unterstützt regelmäßig fast 8.000 alte und kranke Menschen in der Hauskrankenpflege und Heimhilfe. Weiters ist das NÖ Hilfswerk führend in der Kinderbetreuung durch Tagesmütter, bietet Lernhilfe, Familienberatung, ehrenamtliche Besuchsdienste und vieles mehr.

Die Informations-Offensive des Hilfswerks wird unterstützt von seinen Partnern Janssen-Cilag Pharma, Fonds Gesundes Österreich, Neuroth, s Versicherung, s Bausparkasse, Erste Bank und Sparkassen.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Petra Satzinger
NÖ Hilfswerk
Tel. 02742/249-1121
Mobil 0676/8787 70710
petra.satzinger@noe.hilfswerk.at
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