Tunnelausbruch für die neue Unterinntalbahn abgeschlossen

Wiesing (OTS) - Mehr als 29 Kilometer zweigleisige
Eisenbahntunnels für die neue Unterinntalbahn sind im Rohbau fertig gestellt. Der Schienenausbau im Tiroler Unterland liegt im Zeitplan, die neue Bahnstrecke wird 2012 in Betrieb gehen.

Mehr als 800 Teilnehmer versammelten sich am Donnerstag, 14. Mai 2009, zu einer Festveranstaltung auf der ÖBB-Tunnelbaustelle bei Jenbach. Gemeinsam mit dem Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, den ÖBB-Infrastruktur Bau AG Vorständen Gilbert Trattner und Georg-Michael Vavrovsky sowie den Tunnelpatinnen Martina Faymann, Karin Lintner und Andrea Aschberger feierten sie den Abschluss der Tunnelausbrucharbeiten für die neue Unterinntalbahn. Erst vor wenigen Tagen erfolgte in Wiesing der letzte Durchschlag mit einer der gewaltigen Vortriebsmaschinen. Im Zuge einer Videoinstallation ließen die Tunnelbauer noch ein letztes Mal das Schneidrad anlaufen, die Tunnelpatinnen brachten die stählerne Fräse schließlich symbolisch endgültig zum Stillstand. Die Andacht zum Dank für den guten Verlauf der gesamten Tunnelbauarbeiten in den vergangenen Jahren gestaltete der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer.

Sechs Jahre Tunnelbauarbeiten

Die Mitarbeiter der ÖBB-Infrastruktur Bau AG blicken auf eine Zeitspanne von fast sechs Jahren zurück, die der Ausbruch der jetzt im Rohbau fertig gestellten Tunnels in Anspruch genommen hat. In einem ersten Schritt wurden 2003 und 2004 die bergmännischen Tunnels im Bereich der Gemeinden Vomp, Terfens und Brixlegg gestartet. Mit Sprengungen bahnten sich hunderte Männer ihren Weg durch die felsigen Gebirgsstrecken, beim Auftreten von lockerem Material wurde mit Tunnelbaggern gearbeitet. 2005 sind die Bauabschnitte in Fritzens und Stans angelaufen. Für diese Bereiche waren unter anderem verschiedene Sonderbaumethoden erforderlich. Oft nur wenige Meter unter dem Inntalboden wurde unter Druckluft gearbeitet, um ein Eintreten des allgegenwärtigen Grundwassers zu verhindern. Alle Arbeiter mussten sich wie Taucher in diese Baustellen einschleusen und unterlagen besonders strengen Schutzbestimmungen. 2007 sind schließlich die Vortriebsmaschinen "Otto" und "Jenny" gestartet. Parallel zu den bergmännischen und maschinellen Tunnelbauarbeiten sind auch der Bau der Galerie Terfens, Tunnelabschnitte in Tagbauweise sowie ein 700-Meter-Tunnel zur Verlegung der ÖBB-Bestandstrecke angelaufen und in der Zwischenzeit auch überwiegend erfolgreich zu Ende geführt.

Besondere Herausforderungen für die Vortriebsmannschaften

Wesentliche Herausforderung für die Vortriebsmannschaften stellten die Nähe zu anderen Infrastrukturen, die Rücksicht auf nahe gelegene Siedlungsgebiete sowie der Einfluss von Berg- und Grundwässern dar. Zum Schutz der Anrainer war über weite Strecken ein Nachtsprengverbot zu beachten, verkürzte Abschlagslängen und die strenge Überwachung der Fahrtrouten bei Massentransporten erzielten trotz des enormen Umfangs der Bauarbeiten eine große Akzeptanz der Bevölkerung. Oft wurde nur wenige Meter unter der ÖBB-Bestandstrecke oder der Inntalautobahn gearbeitet, punktuelle Beeinträchtigungen der Verkehrsqualität waren unvermeidlich. Doch selbst die Unterquerung der Fundamente zweier Brücken bei Stans und Jenbach sowie die Fahrt der Tunnelbohrmaschine unter dem Inn konnten problemlos gemeistert werden.

Referenzprojekte für den Verkehrsinfrastrukturbau

Die ÖBB und die heimische Bauwirtschaft haben mit der erfolgreichen Abwicklung der Tunnelbauten zwischen Kundl und Baumkirchen eine wichtige Referenz für den heimischen Verkehrsinfrastrukturbau geschaffen. In allen Bauabschnitten waren österreichische Auftragnehmer tätig, teilweise sind sie immer noch im Einsatz. Als überwiegend exportorientierter Wirtschaftszweig können die auf den Tunnelbau spezialisierten Firmen und Ingenieurbüros auf die im Unterinntal erbrachten technischen Spitzenleistungen verweisen. Hunderte internationale Besucher haben sich in den vergangenen Jahren im Unterinntal die "Klinke in die Hand" gegeben, um persönlich einen Eindruck vom Umfang und Ablauf der Arbeiten zu gewinnen. Interessiert zeigten sich neben Delegationen aus den Europäischen Ländern auch Fachbesucher aus China, Korea, Thailand, Indien, USA, Kolumbien, Marokko und Algerien. Da unter anderem Baumethoden zum Einsatz kamen, die weltweit noch nie angewandt wurden, war das positive Echo der "Fachwelt" besonders groß.

Nächste Arbeitsschritte

Mit dem Abschluss der Hauptvortriebsarbeiten für die Eisenbahntunnels ist ein wichtiger Meilenstein beim Bau der neuen Unterinntalbahn erreicht. Die Arbeiten gehen allerdings unermüdlich weiter. Zahlreiche "Nebenbauwerke" sind ober- und untertägig herzustellen. Im Bereich der maschinellen Tunnels von Brixlegg bis Stans beginnt in den kommenden Wochen der Innenbeton-Ausbau, fast zehn Kilometer Tunnel erhalten eine spezielle Brandschutzschale. Einige Zeit ist in der Gemeinde Radfeld auch noch mit dem Aushub von Baugruben und umfangreichen Betonarbeiten zu rechnen. Bis 2011 entsteht in Kundl eine viergleisige Verknüpfungsstelle. Jeder im Rohbau fertige Abschnitt wird schließlich von den Spezialisten für die eisenbahntechnische Ausrüstung übernommen. Füllbetonschichten, Erschütterungsschutzmaßnahmen, Gleisanlagen, Stromversorgung, Kommunikations-, Signal- und Sicherheitstechnik werden nun Schritt für Schritt in die im Rohbau fertigen Tunnels eingebaut. Fertigstellungstermin ist Ende 2012, alle Arbeiten liegen im vorgegebenen Zeitplan.

Vorteile für die Bevölkerung

Neben den starken wirtschaftlichen Impulsen sowohl für die Region als auch für die Bauwirtschaft bietet das Projekt Neue Unterinntalbahn zahlreiche Vorteile für die Anrainer im Raum Innsbruck bis Wörgl. Als zukünftiger Zulauf zum Brenner Basistunnel ist die neue Eisenbahnstrecke Grundlage für ein Bündel positiver Effekte:

  • Die Transportwirtschaft kann das umweltfreundliche Verkehrsmittel Bahn für den Brennerverkehr noch stärker als bisher nutzen.
  • Der Schienengüterverkehr wird überwiegend durch die neuen Tunnels fließen.
  • Anrainer der bestehenden Bahn dürfen mit einer wirksamen Lärmentlastung vor allem in den Nachtstunden rechnen.

- Mit dem Schienenausbau ist die Voraussetzung für die weitere Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs geschaffen.

ÖBB: Österreichs größter Mobilitätsdienstleister

Als umfassender Mobilitätsdienstleister sorgt der ÖBB-Konzern Österreichweit für die umweltfreundliche Beförderung von Personen und Gütern. Mit rund 42.000 MitarbeiterInnen und Gesamterträgen von 5,8 Mrd. EUR ist der ÖBB-Konzern ein wirtschaftlicher Impulsgeber des Landes. Im Jahr 2008 wurden von den ÖBB 456 Mio. Fahrgäste und 98,5 Mio. Tonnen Güter transportiert. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie ab ca. 17.00 Uhr im AOM/Original Bild Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at, www.pressefotos.at und www.picturedesk.com.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Martin Pellizzari
Projektinformationsmanagement
ÖBB Infrastruktur Bau AG, Geschäftsbereich Unterinntal
Tel: +43 5242 71481, Mobil: +43 664 5080306
E-mail: martin.pellizzari@beg.co.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | EVT0002