Papst feiert große Messe in der Heimatstadt Jesu

In Nazareth, der biblischen Heimatstadt Jesu, zelebriert Papst Benedikt XVI. am Donnerstag am "Mount of Precipice" - jenem Hügel, von dem die Bewohner der galiläischen Stadt Jesus hinunterstoßen wollten - eine Messe unter freiem Himmel. Zu der Messfeier werden rund 40.000 Gläubige erwartet. Das Messgelände wurde vom "Jüdischen Nationalfonds" (KKL) vorbereitet und wird auch in Zukunft als Arena für kulturelle Veranstaltungen erhalten bleiben. Am Nachmittag steht im Franziskanerkloster der Stadt ein privates Treffen des Papstes mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu auf dem Programm. Anschließend begrüßt Benedikt XVI. die Oberhäupter der verschiedenen religiösen Gemeinschaften Galiläas im Auditorium der Verkündigungsbasilika. Nach einem Gebet in der Verkündigungsgrotte feiert der Papst in der Basilika einen Gottesdienst mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Vertretern der kirchlichen "Movimenti" (Bewegungen) in Galiläa.

Die Messe wird in lateinischer, griechischer, arabischer und englischer Sprache gefeiert. Sie ist zugleich Höhepunkt des "Jahres der Familie", das von der katholischen Kirche im Heiligen Land ausgerufen wurde.

Papst Benedikt XVI. wird von den Bürgermeistern von Nazareth und Nazareth Illit, von Weihbischof Giacinto Boulos Marcuzzo und vom maronitischen Erzbischof von Haifa, Paul Nabil Sayyah, begrüßt. Während der Messfeier nach westkirchlichem Ritus wird auch der unierte (melkitische) Metropolit von Galiläa, Elias Chacour, den Papst willkommen heißen. Am Ende der Messfeier segnet Benedikt XVI. die Grundsteine für den neuen Campus der von Chacour begründeten katholischen Universität, für den Gedenkpark für Johannes Paul II. am See Genesareth und für das Internationale Familien-Zentrum.

Die Stadt Nazareth im Norden Israels ist die Heimatstadt Jesu. Dort wuchs Jesus inmitten der Berge Galiläas auf. Die theologisch-historische Forschung geht davon aus, dass Jesus vor Beginn seines öffentlichen Auftretens rund 30 Jahre in Nazareth lebte.

Theologisch ist Nazareth, das im Alten Testament nicht erwähnt wird, als Ort der "Verkündigung" an Maria von Bedeutung. Zahlreiche Gotteshäuser im Stadtgebiet erinnern an das in der Bibel berichtete oder das von der Tradition ausgemalte Geschehen. Die Altstadt hat heute rund 40.000 Einwohner, je zur Hälfte Christen und Muslime. Die ab 1957 errichtete Neustadt - Nazareth Illit - hat rund 30.000 vor allem jüdische Einwohner.

In frühchristlicher Zeit war Nazareth ein Ort, an dem Judenchristen aus der weiteren Familie Jesu eine wichtige Rolle spielten. Schon früh wurden die Häuser der Familie Marias und der Familie Josephs in Kirchen umgewandelt. Bei der persischen Invasion unter Chosroes II. im frühen 7. Jahrhundert wurden die meisten Kirchen und Klöster in Nazareth zerstört. Nach der islamischen Eroberung wechselten Zeiten der Toleranz und der Verfolgung einander ab. In der Zeit des Kreuzfahrer-Staates wurden die Heiligtümer wiederaufgebaut, nach der Eroberung durch die Mameluken 1263 aber neuerlich zerstört. Danach blieb Nazareth 400 Jahre ein ärmliches Dorf.

Erst der (eng mit dem Großherzogtum Toskana verbundene) Emir Fakhreddin II. - dessen Familie später katholisch wurde - schenkte 1650 den Franziskanern die Verkündigungsgrotte. Von da an begann der Wiederaufstieg Nazareths. 1799 war auch Napoleon bei den Franziskanern (in ihrer "Casa Nova") zu Gast. Heute besuchen alljährlich rund eine Million Pilger und Touristen Nazareth.

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