Neonazi-Provokation: Pfarre Ebensee entsetzt und "enttäuscht"

Oberösterreichische Pfarrgemeinde bemüht sich seit Jahren um Völkerverständigung als Konsequenz aus der NS-Vergangenheit -Pfarrer Rockenschaub: Zeithistorische Aufklärung noch intensivieren

Linz, 13.05.2009 (KAP) Die Neonazi-Provokationen rund um die Gedenkfeier im ehemaligen KZ im oberösterreichischen Ebensee am vergangenen Wochenende hat auch in der Pfarrgemeinde Ebensee "große Betroffenheit" ausgelöst. Die Störaktionen der fünf tatverdächtigen Jugendlichen seien umso unverständlicher, als sich Ebensee seit Jahren um Aufklärung über die dunklen Kapitel seiner Geschichte bemühe und ein Zeitgeschichte-Museum betreibe, sagte Pfarrer Alois Rockenschaub am Mittwoch im Gespräch mit "Kathpress". Zudem pflege Ebensee eine Städtepartnerschaft mit dem italienischen Prato, woher zahlreiche im KZ Ebensee, einem Außenlager von Mauthausen, inhaftierte NS-Opfer stammten.

Als "Lausbubenstreiche" wollte Rockenschaub die "Heil Hitler"-Rufe und Tätlichkeiten an Teilnehmern der Gedenkfeier - unter ihnen KZ-Überlebende - nicht verharmlost wissen. Vielmehr gelte es die Bemühungen um Aufklärung über die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus und seine fatalen Folgen noch zu verstärken.

Die Pfarre Ebensee ist seit Jahren um Völkerverständigung als Konsequenz aus der NS-Vergangenheit bemüht, berichtete Pfarrer Rockenschaub. Man stehe mit Katholiken aus Prato in freundschaftlichem Kontakt; Pastoralassistent Josef Sengschmid organisiere regelmäßige gegenseitige Besuche von Jugendlichen aus den beiden Städten, an denen zuletzt rund 40 Jugendliche teilgenommen und Stätten wie die Konzentrationslager Mauthausen und Dachau besucht hätten. Diese alle zwei Jahre durchgeführten Reisen unter dem Motto "Vacanze Insieme" (gemeinsame Ferien) dienten dem Engagement gegen Intoleranz, so der Pfarrer.

Bereits eine Woche vor der Gedenkfeier im ehemaligen KZ sei eine Delegation aus Prato auf Besuch nach Ebensee gekommen. Der Linzer Altbischof Maimilian Aichern - ein großer Förderer der Städtepartnerschaft - sei Gast bei einem gemeinsamen Gebet gewesen, berichtete Rockenschaub.

"Nicht repräsentativ" für Ebenseer Jugend

Umso "enttäuschender" und unverständlicher sei der Vorfall vom vergangenen Samstag, als vermummte Jugendliche Nazi-Parolen schrien und von einem Stollen aus sogar Schüsse mit Plastikkugeln aus sogenannten Softguns abgaben. Drei der insgesamt fünf minderjährigen, aus Ebensee und Umgebung stammenden Verdächtigen wurden inzwischen verhaftet, sie gelten als Rädelsführer der Störaktion, hieß es seitens der Polizei. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass sich die Jugendlichen öfters in den Stollen getroffen und dort Schießübungen veranstaltet haben. Über eine Untersuchungshaft für die betreffenden wird noch entschieden.

Wie Pfarrer Rockenschaub gegenüber "Kathpress" erklärte, gebe es eine ortsbekannte Gruppe einheimischer Jugendlicher, die offenbar zu wehrsport-ähnlichen Aktivitäten zusammenkämen. Sie seien aber in keiner Weise repräsentativ für die Jugend von Ebensee.

Ruf nach Konsequenzen

Die Neonazi-Provokation bei der KZ-Gedenkfeier hatte kritische Stimmen aus aus den Reihen der Kirche zur Folge: Vertreter der Katholischen Aktion forderten ein klares Signal der Politik gegen Rechtsextremismus. Zivilcourage bei Anzeichen menschenverachtender Ideologien sei aber auch von den Christen selbst gefordert, so die Katholische Aktion.

Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) - 1997 von der Österreichischen Bischofskonferenz, den Israelitischen Kultusgemeinden Österreich und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund gegründet - hat als Konsequenz aus jüngsten rechtsextremistischen Vorfällen "ein Maßnahmen- und Forderungsprogramm sowie neue Lösungsansätze entwickelt", die bei einem Pressegespräch am Freitag in Wien vorgestellt werden sollen. Jugendliche in Österreich wüssten zu wenig über die Verbrechen des Nationalsozialismus und deren Opfer, heißt es in einer Ankündigung des Gesprächs u.a. mit dem evangelischen Bischof Michael Bünker.

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