Nach 19 Jahren: Wegen einer halben Stunde entlassen

AKNÖ erkämpft 39.000 Euro für Arbeitnehmer

Wien (OTS) - 39.474 Euro Abfertigung, Gehaltsnachzahlung und Urlaubsgeld - so viel haben die ArbeitsrechtsexpertInnen vor dem Arbeitsgericht Wiener Neustadt für einen Arbeitnehmer erstritten, der nach 19 Jahren in der Firma ungerechtfertigt entlassen wurde. Er hatte- ursprünglich genehmigt- für eine halbe Stunde eine Maschine der Firma für private Zwecke benutzt. Seinem Vorgesetzten war das ein Dorn im Auge.

"Als das Geld endlich am Konto war, ist es mir sehr gut gegangen", schildert der Arbeitnehmer aus dem Bezirk Wr. Neustadt. "Ich werde jetzt das Haus reparieren und zahle die Kosten der Arbeitslosigkeit". Fast ein Jahr lang hat es gedauert, bis er nach seiner Entlassung bekam, was ihm zustand. "Ohne die Arbeiterkammer in Wr. Neustadt hätte ich das nervlich und vielleicht auch finanziell nicht durchgestanden".

19 Jahre lang war er bei einem metallverarbeitenden Betrieb im Bezirk beschäftigt. Der Qualitätstechniker galt als Koryphäe, wenn es darum ging, aus Metallabfällen etwas Brauchbares zu machen. Eine Kiste mit Metallabfällen sollte auch Auslöser für seine Entlassung sein. An einer Maschine stellte er ausnahmsweise aus Abfällen eine Kleinigkeit her, die er für zuhause brauchte. Eine Genehmigung für solche Arbeiten hatte er von einem früheren Vorgesetzten. Dem neuen Chef war das egal. Am nächsten Tag sprach er die fristlose Entlassung aus. "Die haben versucht, ältere MitarbeiterInnen loszuwerden, die mehr verdient haben", zeigt sich der Betroffene überzeugt. Das Arbeitsgericht sah es ähnlich: Dass er die Maschine, noch dazu mit einer alten Genehmigung, für vielleicht eine halbe Stunde privat nutzten, sei kein Grund für eine Entlassung. Er habe keine notwendigen Arbeiten verzögert und keine Kosten verursacht. Das Gericht sprach dem Betroffenen die Abfertigung, ausstehende Gehälter, Sonderzahlungen und Zinsen in der Höhe von fast 39.500 Euro zu.

Abfertigung gibt es nicht zum Spaß

"Der Arbeitnehmer wurde nach 19 Jahren von einem Tag auf den anderen ohne Verwarnung entlassen. Für uns war der Fall klar", sagt Verena Binder vom AK-Rechtsschutzbüro Wr. Neustadt. "Leider verzögert das, dass die ArbeitnehmerInnen das Geld, das ihnen zusteht, bekommen. Das trifft meist die, die arbeitslos sind und das Geld dringend brauchen. Abfertigung gibt es ja nicht zum Spaß". Ähnlich sieht das Wolfgang Massl, Leiter der Abteilung Arbeitsrecht in der AKNÖ: "Sehr häufig genügt es, wenn wir im Namen der ArbeitnehmerInnen Kontakt zu den Unternehmen aufnehmen und sie über die Rechtslage aufklären. Leider gibt es immer wieder welche, die es auf einen Prozess ankommen lassen".

Der betroffene Qualitätstechniker zeigt sich nachträglich nicht nur über das Geld erfreut. "Im Nachhinein gesehen, haben die mir einen Gefallen getan. Ich hab jetzt einen neuen Arbeitsplatz als Arbeitstechniker und gemerkt, dass es in anderen Firmen besser geht. Aber damals war das natürlich sehr hart für mich, nicht nur finanziell. Man lebt doch auch für seine Firma". Umso wichtiger, dass das Gericht ihm Recht gegeben hat.

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