Peter Weck über Wiens Musical-Management: "Dilettantisch, einfallslos, geschmacklos"

Zechner und Drozda über die Folgen der Wirtschaftskrise

Wien (OTS) - Peter Weck, legendärer Wiener Musical-Intendant zwischen 1983 und 1992, nimmt in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe in ungewöhnlicher Schärfe zum Kontrollamtsbericht über die Vereinigten Bühnen und zu den Auslastungs- und Finanzproblemen der Musical-Sparte Stellung.

Weck: "Ich bin fassungslos. Ich habe seinerzeit mit ,Cats’ einen Boom ausgelöst, den ich dann mit ,Phantom der Oper’, ,Les Miserables’ und ,Elisabeth’ fortsetzen konnte. Wir waren zu 100 Prozent voll, Kongresse wurden verschoben, weil die Teilnehmer keine Karten bekommen haben. ,Elisabeth’ habe ich selbst produziert, aber als man mich 1992 nach zwei Jahre langen Intrigen aus dem Amt gemobbt hat, wurde mir noch vorgeworfen, ich hätte Tantiemen kassiert. Während ich allerdings daran keinen Groschen verdient habe, haben sich meine Nachfolger an meinem Erfolg mit Prämien kräftig bedient. Das geht ja laut Kontrollamt bis heute so. Schließlich war die ,Elisabeth’-Wiederaufnahme 2003 die Notbremse, als es bergab ging. Dafür
wurde ich nicht einmal mehr zu Premieren eingeladen."

Weck weiter: "Es ist sehr viel dilettiert worden. Es genügt nicht, ein Theater zu managen, man braucht auch Liebe dazu und muss wissen, warum man etwas spielt. Musical ist nicht, wenn Musik dabei ist. Davon muss man etwas verstehen (...) Bei uns toben Geschmacklosigkeit und Einfallslosigkeit. Nach dem ,Elisabeth’-Erfolg hat man mit demselben Team ein ,Mozart’-Musical hochgezogen. Das Ergebnis hat man gesehen. Jetzt will man sich mit ,Rudolf’ auf den ,Elisabeth’-Erfolg setzen. Ich warte nur noch auf ,Franz Ferdinand’! Da müsste man riskierend einen neuen Weg finden."

In NEWS kommentieren auch Musical-Intendantin Kathrin Zechner und VBW-Geschäftsführer Thomas Drozda die Lage. Zechner:"Bis zur Krise, 2005 bis 2007, wurden wir einhellig für das ,Musical-Wunder von Wien’ gefeiert." Und zu den Auslastungsproblemen des Ronacher: Sie habe Theater-an-der-Wien-Direktor Roland Geyer anno 2006 "ein hochwertig ausgestattetes, populäres Haus" übergeben. Sie selbst aber musste das Ronacher, "ein jahrelang zugesperrtes, nicht eingeführtes Haus, wiedereröffnen, um dort neben großen Hits auch kantige, anspruchsvolle Dinge zu produzieren." Dergleichen dauere eben nicht unter drei Jahren. Jetzt müsste das bei der Kritik tadellose Image in die Bundesländer transportiert und schließlich für den internationalen Tourismus aufbereitet werden.

Drozda: "Die Wirtschaftskrise trifft uns mit ungeahnter Vehemenz. Unsere Besucher im Bereich Musical sind am ehesten von Kurzarbeit, Einkommens- und Arbeitsplatzverlust betroffen. Die Anrufe im Call Center haben um 30 Prozent abgenommen." Karten der Kategorien eins und zwei verkauften sich zögernd, die billigen gingen gut. Im Übrigen gäbe es heute zwischen Stadthalle und privaten Tourneeunternehmen zunehmende Konkurrenz: Statt 90 Prozent
Marktanteil wie vor 20 Jahren halte man heute 60.

Zu Befürchtungen, das gefeierte Opernhaus im Theater an der Wien müsse wegen der Musical-Krise womöglich Subventionen abgeben, äußert sich Drozda nicht verbindlich: "Ich möchte weder die Budgetverhandlungen mit der Stadt noch die internen Verhandlungen über die Medien führen. Wir nehmen bis Herbst die Budgetierung vor, dann wissen wir, was man sich in der gegebenen Situation in beiden Sparten leisten kann." Dass die Oper womöglich Produktionen stornieren muss? "Davon gehe ich nicht aus. Der erfolgreiche Weg wird nach Kräften unterstützt. Aber wissen kann man es erst, wenn das Budget fertig ist."

Peter Hanke jedenfalls, Chef der übergeordneten Wiener Holding, verspricht: "Wir denken nicht daran, die besonders erfolgreiche Opernsparte zu kannibalisieren."

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