Neue Gaskrise im nächsten Winter?

Schwerwiegende Probleme bei der Gasversorgung verlangen Ausbau von erneuerbaren Energien

Wien (OTS) - Peak-Oil Experte Werner Zittel erwartet einen deutlichen Rückgang der europäischen Gasförderung in den kommenden zehn Jahren. Als eine Konsequenz hat die EU die Richtlinie zur Nutzung erneuerbarer Energien beschlossen. Sie schreibt eine Verdreifachung der Ökoenergieproduktion bis 2020 vor. Dass es die EU damit ernst meint, ist aus der erstmaligen Rechtsverbindlichkeit der Ausbauziele klar erkennbar, betont Dörte Fouquet, Direktorin des europäischen Ökoenergieverbandes EREF. IG Windkraft und Biomasse-Verband fordern sofortiges Handeln, um den Ökoenergieausbau in Österreich wieder in Fahrt zu bringen. Nur so können die EU-Ziele, aber allen voran die Versorgungssicherheit Österreichs, sichergestellt werden.

Dr. Werner Zittel, Peak-Oil Vertreter Deutschlands und Wissenschaftler bei der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH in Deutschland, sieht in naher Zukunft eine dramatische Situation auf den europäischen Gasmarkt zukommen. Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass in Zukunft die derzeitige Gas- und Öl-Versorgung nicht mehr sichergestellt ist. Eine neue Gasversorgungskrise ist nur eine Frage der Zeit. Zittel führt aus, dass gerade in Russland enorme Investitionen notwendig wären, um die rasch sinkende Produktion der bestehenden Gasfelder ausgleichen zu können. Gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation ist aber fraglich, ob diese notwendigen Investitionen auch erfolgen werden. "Bereits im nächsten kalten Winter kann sich für Russland die Frage stellen: Wen lassen wir frieren?", so Zittel, und weiter: "Offensichtlich sind politische und vertragliche Konflikte, wie im letzen Winter zwischen Ukraine und Russland, manchen gar nicht unrecht, um diese prekäre Situation auf der Produktionsseite zu verdecken."

Verdopplung des Gas-Importbedarfes bis 2020

Untersuchungen des Ludwig Bölkow Instituts über die langfristige Perspektive für den europäischen Gasmarkt zeigen, dass sich die Gasproduktion in Europa halbieren wird, der Bedarf aber weiter steigen wird. Der zusätzliche Importbedarf steigt damit im Jahr 2020 auf rund 220 Mrd. m3 an, was eine Verdopplung der Importmengen gegenüber heute bedeutet. Eine Importmenge, die mit oder ohne Nabucco schwer erreichbar ist.

Neue Perspektiven für erneuerbare Energien in der EU

Als eine Konsequenz auf die dramatische Versorgungslage bei Gas hat Ende 2008 das EU-Parlament eine wegweisende Richtlinie zur Nutzung erneuerbarer Energien beschlossen. Sie verpflichtet die Mitgliedsstaaten den erneuerbare Energie-Anteil bis 2020 zu verdreifachen. "Die Richtlinie verlangt großes Engagement von jedem Mitgliedstaat selbst. Es sind zwar flexible Mechanismen vorgesehen, aber Flexibilität ist keine Ausrede, nichts zu tun. Die Mitgliedstaaten können sich nicht aus der Verantwortung stehlen, den überwiegenden Großteil ihrer verbindlichen Steigerungsziele zuhause zu erreichen", unterstreicht Dr. Dörte Fouquet, Direktorin des europaweiten Ökostromerzeuger-Dachverbands EREF, die Verbindlichkeit der neuen EU-Ziele.

IG Windkraft und Biomasse-Verband fordern rasche Schritte

In Österreich stehen also dringende energiepolitische Handlungen an. Die Bundesregierung muss unabhängig von der "Energiestrategie Österreich" rasch stabile Rahmenbedingungen für den Ausbau von erneuerbaren Energien schaffen. "Europa, Asien und die USA setzen voll auf den Ausbau der Windkraft, da müssen wir endlich wieder mitziehen", fordert Mag. Stefan Hantsch, Geschäftsführer der IG Windkraft. "Unsere Unternehmen haben das notwendige Know-How und es gibt genug Potenzial. Was wir brauchen ist endlich wieder ein funktionierendes Ökostromgesetz und kein Pingpong-Spiel zwischen Wien und Brüssel um die Genehmigung des vor einem Jahr beschlossenen Gesetzes", so Hantsch.

Für den Wärmebereich stellt Dr. Heinz Kopetz, Präsident des Österreichischen und Europäischen Biomasse-Verbandes, fest: "Die Umstellung der Wärmeversorgung aus erneuerbaren Quellen für private Haushalte und Betriebe ist in relativ kurzer Zeit zu bewältigen. Die positiven Effekte sind überragend, so können zehntausende Arbeitsplätze geschaffen werden und die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern verringert werden."

Rückfragen & Kontakt:

DI Gregor Grill, Österreichischer Biomasse-Verband
Tel.: 01/533 07 97-25, grill@biomasseverband.at

Mag. Stefan Moidl, IG Windkraft
Tel.: 0676/370 78 20, s.moidl@igwindkraft.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | IGW0001