Alfred Hrdlicka schuf Sr. Restituta-Skulptur für den Stephansdom

Der Bildhauer iwird am 27. Mai bei der Segnung des Kunstwerkes in der Barbarakapelle anwesend sein - Dompfarrer Faber : "Eine Riesenchance für den Dialog zwischen der Kirche und der Gegenwartskunst"

Wien, 13.05.2009 (KAP) Eine Skulptur der 1998 selig gesprochenen Ordensfrau und Märtyrerin Sr. Restituta Kafka, geschaffen vom Wiener Bildhauer Alfred Hrdlicka, wird demnächst in der Barbarakapelle des Stephansdoms aufgestellt. Der Festakt mit der Enthüllung und Segnung des Kunstwerkes erfolgt laut Dompfarrer Toni Faber am 27. Mai in Anwesenheit des 81-jährigen Künstlers. Die an der Nordseite des Doms gelegene Barbarakapelle dient als Meditationsraum und birgt im Kreuzschaft des dort hängenden spätgotischen Kruzifixes Asche aus dem Konzentrationslager Auschwitz und Erde aus dem Konzentrationslager Mauthausen. Mit der Skulptur der 1943 von den Nationalsozialisten wegen "Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat" hingerichteten Hartmannschwester Restituta wird laut Dompfarrer Faber jetzt ein weiteres "starkes Mahnmal gegen den NS-Terror" gesetzt.

Mit der Skulptur der 1998 beim dritten Österreich-Besuch Johannes Pauls II. selig gesprochenen Sr. Restituta thematisiere Hrdlicka einmal mehr den geschundenen, unterdrückten, leidenden Menschen und verweise wie fast immer in seinem beeindruckenden Oeuvre auf eine größere Botschaft, so Faber im Gespräch mit "Kathpress". Das gelte auch für das Beispiel der Ordensfrau, die gemeinsam mit "kommunistischen Straßenbahnern" hingerichtet worden sei. Ihr Martyrium stehe als Zeugnis gegen die Verrohung und Unmenschlichkeit, von der das 20. Jahrhundert geprägt war, sagte Faber.

Der Dompfarrer sieht Hrdlicka, der sich selbst immer wieder als Stalinisten und Atheisten bezeichnet, dennoch als anonymen Christen, der offen sei für die metaphysische Dimension des Menschen. Er erinnerte daran, dass der Bildhauer selbst anlässlich der Sonderausstellung "Religion, Fleisch und Macht" vor rund einem Jahr im Wiener Dommuseum die christliche Kunst als größten Impuls für sein eigenes Schaffen bezeichnet habe. Faber sieht Hrdlicka wegen dessen tiefem Interesse an der Bibel und seiner Bereitschaft, sich den Brüchen und Fragen des Lebens zu stellen, "in diesem Sinne auch fromm", wenn auch "nicht bigott".

In seinem Bemühen um den Dialog der Kirche mit der zeitgenössischen Kunst sieht Faber in dem neuen Kunstwerk Hrdlickas eine "Riesenchance", dieses "so oft abgerissene Gespräch" zu beleben. Auch große und arrivierte Künstler seien zu diesem Gespräch bereit, "wenn wir als Kirche angstfrei auf sie zugehen".

"Eigentlich ein Gläubiger"?

Alfred Hrdlicka hatte anlässlich seiner Ausstellung im Dommuseum an den Zyklus "Plötzenseer Totentanz" von 1970 in einem evangelischen Westberliner Gemeindezentrum erinnert, der seine erste kirchliche Auftragsarbeit gewesen sei. Für heftige Debatten auch mit kirchlichen Autoritäten habe der "Gekreuzigte" gesorgt, weil der Bildhauer Christus als Torso - nackt und ausgesetzt - darstellte. Manche hätten Christus "nicht so geschunden" sehen wollen, aber Jesus sei tatsächlich geschunden worden, durch die grausamste Todesstrafe der Antike, beharrte Hrdlicka.

Seine persönlichen Kontakte mit kirchlichen Verantwortungsträgern seien aber überwiegend positiv, erinnerte sich Hrdlicka an respektvolle Gespräche etwa mit Kardinal Franz König. Auch Kardinal Christoph Schönborn habe ihm 2008 zum 80. Geburtstag Glückwünsche und würdigende Worte für das Menschenbild in seinem Schaffen übermittelt, erzählte der Künstler. Mit Bischof Kurt Krenn habe er "beim Wodkatrinken" lebhaft diskutiert, der frühere St. Pöltner Bischof habe ihm dabei auf den Kopf hin zugesagt, "eigentlich ein Gläubiger" zu sein. Und wenn jemand sage, wer eine solch religiöse Kunst mache wie er, könne eigentlich kein Atheist sein, "stimmt das schon irgendwie", so Hrdlicka.

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