"KURIER-Kommentar" von Reinhard Göweil: "Gerecht bedeutet nicht für alle dasselbe"

Alle wollen die Kaufkraft erhalten. Aber mit unterschiedlichen Mitteln.

Wien (OTS) - Alle wollen die Kaufkraft erhalten: Die
Gewerkschaften tragen die Forderung bei der heutigen Demonstration vor sich her. Arbeitgeberverbände verweisen auf ihre Bereitschaft, eh keine Null-Lohnrunde zu wollen. Alle wollen also dasselbe, trotzdem stehen sich die Sozialpartner in der Frage recht unversöhnlich gegenüber. Nun, solange die Debatten-Beiträge auf Transparenten Platz haben, wird sich das auch nicht ändern.
Die Ausgangslage ist klar: Rückläufiges Auftragsvolumen zwingt die Unternehmen zum Sparen. Dazu gehören auch Lohnkosten. Gleichzeitig ist den Betrieben klar, dass sie bei Kündigungen wertvolle Mitarbeiter verlieren, ohne die sie in Zukunft nicht auskommen. Das Kurzarbeitmodell - mit einer Kostenteilung zwischen Betrieb und öffentlicher Hand - kommt beidem entgegen. In der Industrie sehen aber immer mehr Manager, dass sich der Aufschwung verzögert. In der Talsohle angekommen zu sein, bedeutet nicht, dass es gleich wieder aufwärts geht. Daher greifen immer mehr Unternehmen zu Lohnverzicht. Und setzen einen Teufelskreis in Gang: Lohnverzicht oder Horrorzahlen über Massenarbeitslosigkeit macht viele bei ihren Ausgaben vorsichtig. Das würde die Krise verlängern.
Ein großer Teil der Lohnkosten sind - für den Einzelnen unsichtbar - Abgaben. Die Politik ist aufgerufen, den Steuer- und Abgabenkuchen neu zu verteilen, und Unternehmen so zu entlasten. Wird das nicht geschafft, dann wird die Krise länger dauern als sich alle wünschen.

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