Textilindustrie behauptet sich trotz Konjunkturschwäche

Fokussierung auf höchste Produktqualität - Jahresumsatz von 2,6 Mrd. Euro auf gutem Niveau - Investitionsplus in F+E und Technologie

Wien (PWK364) - "Trotz schwieriger Marktlage konnte sich die österreichische Textilindustrie im vergangenen Geschäftsjahr gut behaupten. Das liegt vor allem an der innovativen und kreativen Stärke der Unternehmen, wie auch der weltweit bekannten Top-Qualität und Einzigartigkeit der Produkte", beschreibt Ing. Reinhard Backhausen, Präsident des Fachverbandes der Textilindustrie die aktuelle Lage der heimischen Textilunternehmen.

Mit leichten Rückgängen im einstelligen Bereich trotzten diese 2008 der schwachen Konjunktur. Im Vergleich zum guten Textiljahr 2007 verringerte sich der Jahresumsatz um 5,8 Prozent von 2,7 auf 2,6 Mrd. Euro in 2008. Ähnlich sieht es bei der Anzahl der Beschäftigten aus, die von 14.570 in 2007 auf 13.346 Personen zurückfielen. Die Anzahl der Lehrlinge ist mit 232 angehenden Facharbeitern gleich geblieben. Die Gesamtzahl an Textilschülern betrug 810. "Wir wollen nichts schönreden: Ja, unsere Textilindustrie hat im vergangenen Geschäftsjahr Rückgänge erlebt. Im Vergleich mit anderen Industriezweigen stehen wir aber immer noch gut da. Und Nein, wir lassen uns nicht entmutigen, sondern denken und agieren nach Vorne -das zeigt schon alleine die verstärkte Investition in unsere gemeinsame Innovationskraft, die unser weltweites Erfolgsrezept ist", so Backhausen.

Deutschland größter Abnehmer

Die insgesamt 140 Unternehmen genießen international einen ausgezeichneten Ruf, was die hohe Exportquote von 88 Prozent beweist. "Die Textilindustrie bewegt sich schon seit Jahren in einem harten globalen Wettbewerb und hat frühzeitig damit begonnen, Strategien zu entwickeln, sich im internationalen Umfeld gegen Billigproduktionen und Niedriglohnländer abzuheben", so Backhausen. Deshalb ist auch bei den Exporten für das vergangene Geschäftsjahr nur ein einstelliger Abwärtstrend zu beobachten: diese verzeichneten einen Rückgang von 4,5 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro. Im Textilaußenhandel ging mit 77 Prozent der Löwenanteil der Exporte in die EU-Länder, wobei Deutschland als Exportland Nummer Eins davon 28 Prozent aus Österreich importierte. Bei den EU-26 gingen die Exporte insgesamt um 5,8 Prozent zurück.

Exporte nach Mittelamerika und Naher Osten im Aufwärtstrend

Die Exporte in den Nahen und Mittleren Osten dagegen zeigten mit einem Plus von 17,3 Prozent einen deutlichen Anstieg. Auch Mittelamerika importierte mit einem Exportwachstum von 14,3 Prozent mehr Ware aus Österreich als je zuvor. Auch die Nachfrage in den europäischen Ländern, die der EU und EFTA nicht zugehörig sind, verzeichnete mit einem 5,2-prozentigen Plus einen deutlichen Anstieg:
So konnten z.B. die Exporte nach Montenegro um 232,5 Prozent, nach Bosnien um 67,8 Prozent und nach Weißrussland um 54,2 Prozent erhöht werden. Backhausen: "Natürlich gehen diese teilweise exorbitanten Steigerungsraten von einem relativ geringen Niveau aus - trotzdem bestätigen sie unsere Initiativen, uns nicht auf den Lorbeeren unserer Traditionsexportmärkte auszuruhen, sondern laufend neue Märkte zu erschließen". Zum gleichen Stichtag beliefen sich die Importe auf 2.951 Mio. Euro (Vorjahr 2.966 Mio. Euro). Das bedeutet einen geringen Rückgang von 0,5 Prozent. 73 Prozent hatten einen europäischen Ursprung. Die Billigimporte aus Asien sind um 6,8 Prozent gestiegen und haben einen Anteil von 24 Prozent.

Technische Textilien weiter auf dem Vormarsch

Besonders innovationsstark zeigten sich im vergangenen Jahr die technischen Textilien, die mit 49 Prozent mittlerweile fast die Hälfte des Umsatzes der Textilbranche generieren. Die Rückgänge bei den technischen Textilien in 2008 waren ca. um die Hälfte geringer (Umsatz: - 4 %, Exporte: -3,4 %) als bei den Bekleidungs- und Heimtextilien. "Mit einem extrem hohen Spezialisierungsgrad haben sich technische Textilien aus Österreich mit zahlreichen Weltneuheiten und Patenten zu einem Exportschlager entwickelt", so Backhausen. "Innovation als Antrieb" lautet auch der Slogan des Textilunternehmens Lohmann & Rauscher, das 2,5 Mio. Euro in den Aufbau eines Forschungs- und Entwicklungszentrums für medizinische Materialien und textile Medizinprodukte aufbaute. "Auch im Gesundheitsmarkt waren im letzen Jahr im Consumer-nahen Bereich Umsatzrückgange spürbar, die den Kostendruck weiterhin steigen lassen. Durch die Entwicklung einer Hochleistungs-Produktionstechnologie konnten wir uns international die Kostenführerschaft sichern und so unseren Wachstumskurs fortsetzen", erklärt DI Wolfgang Süßle, Geschäftsführer Produktion, Technik, Technologie bei Lohmann & Rauscher GmbH.

Investitionen von 46 Mio. Euro gegen Konjunkturschwäche

"2008 war das Jahr der Investitionen in Forschung und Entwicklung", blickt Backhausen zurück. Bereits im ersten Halbjahr war eine signifikante Steigerung der Investitionen erkennbar. Im gesamten Textiljahr investierten die österreichischen Unternehmen 46 Mio. Euro in die Zukunft. "Erfolgsbeispiele heimischer Textilunternehmen aus allen Sparten belegen den nachhaltigen Effekt überdurchschnittlicher Investitionen", weiß Backhausen. "Mit der neuen Produktionstechnik Airflow hat Vossen beispielsweise für 40% geringere Energiekosten beim Waschen und Trocknen gesorgt - bei einer durchschnittlichen Lebensdauer sind das fast genau die Anschaffungskosten des Handtuchs. Der Welser Innovator Teufelberger sorgt mit hochwertigen Spezialseilen weltweit für Sicherheit bei technischen Anwendungen, Personenabsturzsicherung oder beim Bergsteigen", so Backhausen über die Vielseitigkeit der Branche.

Auch 2009 werden die Investitionen in Forschung & Entwicklung weiter forciert. "Als Fachverband unterstützen wir diese Entwicklung mit dem Aufbau des Netzwerkes "Smart Textiles" zwischen Forschungseinrichtungen und den Unternehmen. Diese Plattform soll die Innovationskraft in Österreich weiter verstärken und dazu anregen branchenübergreifend neue Produkte zu entwickeln", so Backhausen. (us)

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Ing. Reinhard Backhausen, Präsident
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