GLOBAL 2000 und "ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt" präsentieren brisante Ergebnisse zu Umweltgift NOx

Stickstoffoxidbelastung liegt weit über aktuellen Grenzwerten. Reduktionsmaßnahmen wurden nicht umgesetzt.

Wien (OTS) - Im Rahmen einer Pressekonferenz präsentieren GLOBAL 2000 und die "ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt" zwei wichtige Studien zum Thema Stickstoffoxide (NOx), die das Umweltministerium bislang unter Verschluss hielt. Der Hintergrund ist brisant:
Stickstoffoxide sind gefährliche Umweltgifte. Sie wirken einerseits direkt gesundheitsschädlich, indem sie die Atemwege beeinträchtigen. Im Sommer fungieren sie überdies - zusammen mit Kohlenwasserstoffen -als Vorläufersubstanzen von bodennahem Ozon. In der kalten Jahreszeit wiederum entsteht aus NOx und Ammoniak partikelförmiges Ammoniumnitrat, also sekundärer Feinstaub. Ab dem Jahr 2010 gelten deshalb strengere Grenzwerte, die aber in Österreich weit überschritten werden.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: So wurden im Jahr 2007 rund 163.000 Tonnen NOx emittiert, im Jahr 2010 darf dieser Wert nur noch 103.000 Tonnen betragen, der Zielwert laut Ozongesetz liegt überhaupt nur bei 65.000 Tonnen. Da die meisten Stickstoffoxide aus dem Verkehrssektor stammen, hätte es hier konsequenter Reduktionsschritte bedurft, die nie eingeleitet wurden. Das Umweltministerium verfügt seit Jahren über Studien, die effiziente Maßnahmen vorschlagen, um die NOx-Belastung spürbar zu senken. Diese Studien wurde den UmweltschützerInnen aber erst nach anderthalbjährigen Bemühungen und der Einschaltung des Unabhängigen Verwaltungssenats übermittelt. "Einerseits wurde von den Maßnahmen nur ein Bruchteil umgesetzt. Andererseits versuchte das Umweltministerium alles, um sich seiner gesetzlichen Verpflichtung zur Herausgabe der Studien zu entziehen. Wir werten dies als Eingeständnis des eigenen Versagens bei der Einhaltung der zukünftigen NOx-Grenzwerte . Hier wird mit der Gesundheit der Menschen gespielt", so Heinz Högelsberger, Verkehrsreferent von GLOBAL 2000.

Die vorgeschlagenen, aber nicht umgesetzten Verkehrsmaßnahmen könnten den NOx-Ausstoß um beinahe 30.000 Tonnen pro Jahr vermindern. Das ist immerhin die Hälfte der gesetzlichen Reduktionsnotwendigkeit. Zu diesen Reduktionsvorschlägen gehört unter anderem eine Senkung des Tempolimits, eine Erhöhung der Mineralölsteuer - speziell für Diesel - oder eine LKW-Maut, die nach Schadstoff-Emissionen gestaffelt ist. Die zuständigen Ressorts, nämlich Verkehrs-, Wirtschafts-, Finanz-und federführend das Umweltministerium verabsäumen es seit Jahren, für die dringend notwendigen Maßnahmen zu sorgen!

Der Umweltmediziner und Facharzt OA DI Dr. med. Hans-Peter Hutter, Sprecher der ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt, erläutert die Gefahren von Stickstoffoxiden für Gesundheit und Umwelt:
Humanmedizinisch relevant ist Stickstoffdioxid (NO2). Es ist ein Reizgas, das bis in tiefe Lungenabschnitte vordringen und so auch die empfindlichen Lungenbläschen erreichen kann. Dort treten entzündliche Veränderungen auf. Weiters wird die Infektionsabwehr geschwächt. In Bevölkerungsgruppen, die über längere Zeit erhöhten NO2-Werten ausgesetzt sind, ist ein gehäuftes Auftreten von chronischem Husten und Infektionen (Bronchitis) zu beobachten.
Dazu Hans-Peter Hutter: "Es scheint, dass es keine Konzentrationsgrenze gibt, unterhalb der die NO2-Belastung keine gesundheitlichen Auswirkungen hätte. Es gilt: Je höher die Konzentrationen - desto größer das Gesundheitsrisiko! Daher sind selbst unterhalb der aktuellen Grenzwerte, die obendrein noch überschritten werden, schädliche Effekte zu erwarten."

Aus zahlreichen epidemiologischen Daten lässt sich die Notwendigkeit für einen strengen Langzeitgrenzwert ableiten. Bereits 1998 empfahl die Österreichische Akademie der Wissenschaften einen wirkungsbezogenen Immissionswert von 30 µg/m3 für das Jahresmittel. Dieser tritt allerdings erst 2012 in Kraft."
Hutter: "Aus ärztlicher Sicht ist zu betonen, dass jede Minimierung der NO2-Konzentration einen Benefit für die Gesundheit der Bevölkerung mit sich bringt: Bei Umsetzung von z.B. Tempo 50 in Wien können so durch die NO2-Verminderung bis zu 17 vorzeitige Todesfälle pro Jahr vermieden werden. Dies entspricht Einsparungen an vermiedenen Schadenskosten bis zu rund 12 Mio. Euro pro Jahr."
Nicht zu vergessen ist außerdem, dass NOx Vorläufersubstanz von Ozon ist. In warmen Sommern treten nach wie vor hohe Konzentrationen dieses Reizgases auf, die die Gesundheit besonders von Kindern, älteren und kranken Personen nachweisbar beeinträchtigen. Zudem ist es ein starkes Pflanzengift.

GLOBAL 2000 und die ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt fordern daher von Minister Berlakovich bei "NOx endlich die Notbremse zu ziehen" und für die Umsetzung der überfälligen Reduktionsmaßnahmen zu sorgen.

Nähere Informationen unter www.global2000.at

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GLOBAL 2000 Verkehrsreferent: Dr. Heinz Högelsberger, Tel.: 01/812 57 30-18, E-Mail: heinz.hoegelsberger@global2000.at
Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt: DI Dr. Hans-Peter Hutter: Tel.: 01/4277-64727, E-Mail: hans-peter.hutter@meduniwien.ac.at

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