WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Eine Fusion auf Augenhöhe ist doppelt schwer - von Alexis Johann

VW und Porsche müssen sich zuerst auf die Kunden stürzen

Wien (OTS) - Unter einheitlicher Führung sollen die zehn Marken
von Volkswagen und Porsche auf die Überholspur ausscheren. Ein Konvoi, bei dem es unerheblich sein soll, wer im Fahrersitz des erste Wagens sitzt. Denn der Zusammenschluss wird beide Unternehmen vorerst auf gleiche Augenhöhe bringen. Politik, Belegschaft und Aktionäre sind kurzfristig beruhigt. Aber von Euphorie kann keine Rede sein. Diese hatte es am 7. Mai 1998 gegeben, als Daimler und Chrysler Fusionspläne veröffentlichten. Daimler-Chef Jürgen Schrempp prognostizierte das Synergiepotenzial damals auf jährlich fünf Milliarden DM (2,5 Milliarden Euro). Analysten sahen Japans Autobauer in großer Bedrängnis. Tatsächlich kam es anders. Zwei Jahre später rutschte Chrysler in die Verlustzone, fünf Jahre später Mercedes, 2007 erfolgte die Trennung und das Eingeständnis, dass die "Welt-Auto-AG" gescheitert sei.

Die neue Führung der Porsche-VW-Holding erwartet also harte Arbeit. So wie DaimlerChrysler wird sie sich mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen, aber besonders mit konkurrierenden Eigentümerinteressen auseinandersetzen müssen. Was für einen Familienbetrieb gut und richtig schien, muss dem Land Niedersachsen nicht schmecken. Schon gar nicht, wenn es um Synergien, eventuell sogar Schließungen geht. Kooperation zwischen den beiden Konzernen gibt es allerdings schon jetzt.

Tatsächlich liegt genau darin jene Chance, die den VW-Porsche-Deal einem Fiat-Chrysler-Opel-Merger überlegen machen könnte. Denn Fusionen bremsen das Wachstum der neuen Partner um durchschnittlich sechs Prozentpunkte, so eine aktuelle Studie von A.T.Kearney, die 270 Merger unter die Lupe nahm. Als Hauptfehler orten die Berater den Fokus auf Kostenpotenziale. Die Manager dürften dabei in wiederholten Fällen übersehen, dass sie sich auf die Käufer konzentrieren müssen. Denn ausschließlich den Kunden müssen VW und Porsche genau erklären, was sie persönlich aus der Fusion für Vorteile ziehen können. Wird sich dadurch der Kundenservice verbessern, wird es Preisnachlässe geben? Die Aufgabenliste scheint trivial, brachte aber empirisch gesehen entscheidende Vorteile. Erfolgreich war, wer erklärte, wie eine Fusion Produkte verbessert und dann diese Versprechen einhielt. Denn die Kosten lassen sich später immer noch senken.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001