"Kleine Zeitung" Kommentar: "Prinzipielle Dummheit ist auch mit Hightech nicht heilbar" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 05.05.2009

Graz (OTS) - Es gibt Gründe sonder Zahl, warum die Auto-Industrie als Ganzes in absehbarer Zeit sicher nicht untergehen wird. Obwohl sie in ihrer jetzigen Form das Schicksal der Saurier verdienen würde:
Zu groß, zu dumm.

Dabei ist das Produkt selbst, das Auto, neben dem Mobiltelefon vielleicht, der größte Erfolg in der Erfindungsgeschichte: Es bringt den Landarzt bei Schnee und Regen zu moribunder Kundschaft. Oder den hitzigen Jüngling rasch zu seinem Feinsliebchen. Es trägt uns durch ferne Länder oder auch nur in die Stadt. Teurere bzw. stärkere Modelle signalisieren mühelos den ökonomischen Erfolg ihrer Besitzer. Autos lassen Tote sanft zur letzten Ruhe rollen. Und seit Erfindung der Liegesitze macht sich das Auto auch um nachfolgende Geburten verdient.

Kurzum, wir haben das Auto als mobilen Lebensraum adoptiert, mit Radio, Laptop und Wasserflasche könnten einige von uns tagelang in einem Auto überleben.

Was also macht die Krise dieses fabelhaften Gerätes aus? - Sehen wir einmal von den Amerikanern ab, deren arrogante Sturheit geradezu zwangsläufig in den Untergang führen musste. Nur der Irak-Krieg wurde vielleicht noch unintelligenter geführt als die US-Autoindustrie.

Bleibt noch der überwiegende Rest an Autobauern, die sich im Vergleich dazu etwas flexibler und klüger verhalten haben. Ein europäischer oder fernöstlicher Mittelklassewagen hat heute technische Details und Komforteinrichtungen, die noch vor 20 Jahren ultimativen Luxuskarossen vorbehalten waren: ABS, ESP, Bremsassistent, Doppelkupplung, Einparkhilfe, Lasereinspritzung, Abstandskontrolle etc. pp.

Was sich faktisch nicht geändert hat, ist das Grundprinzip des Antriebs: Fast alle Autos werden auch 2009 noch durch explosionsartige Verbrennung fossiler Brennstoffe angetrieben. Seit rund 160 Jahren also.

Züge fuhren einst mit Holz und Kohle, dann mit Diesel, dann mit Strom und heute manchmal per Magnetismus. Geschrieben hat man in diesem Zeitraum mit Griffel, Füllfeder, Kuli, Schreibmaschine, Laptop. Nur der Otto-Motor hat alles überlebt, weil seine Hersteller nur mit seiner Verfeinerung, mit Hilfsmitteln, mit Design etc. beschäftigt waren. Wer das Prinzip selbst infrage stellte, wurde meist verhöhnt, erfolgreiche Ansätze boykottiert.

Keine Verschrottungsprämie, keine Zusatzfunktionen, kein neues Styling wird die Branche retten. Nur eine intelligente Technik, die uns individuelle Mobilität auch dann ermöglicht, wenn alles Gas und Öl verbrannt sind.****

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