"Schutz der Menschenwürde gehört in die Verfassungen"

Früherer Bundesratspräsident Herbert Schambeck betont bei Plenartagung der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften Bedeutung der kirchlichen Lehre über die Menschenrechte

Vatikanstadt, 04.05.2009 (KAP) Mit der Lehre von den Menschenrechten bemüht sich die katholische Kirche den Weg zur Verbindung von Humanität und Legalität aufzuzeigen, damit in den Verfassungen die Stellung des Einzelnen mit seiner Freiheit und Würde geschützt wird. Dies betonte der frühere Bundesratspräsident em. Prof. Herbert Schambeck in seinem Vortrag über "Die Menschenrechte in der Lehre der katholischen Kirche" bei der diesjährigen Plenartagung der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften. Die Tagung ist heuer dem Thema "Die katholische Soziallehre und die Menschenrechte" gewidmet.

Der Schutz der Würde des Einzelnen beginne mit der Verankerung des Rechtes auf Leben, das von der Empfängnis bis zum natürlichen Lebensende Geltung habe, unterstrich Prof. Schambeck. Er schloss sich der Erklärung von Papst Benedikt XVI. bei dessen Österreich-Besuch 2007 an: "Abtreibung kann kein Menschenrecht sein - sie ist das Gegenteil".

Das "Ja zum Leben" verlange Sozial- und Staatshilfe für Frauen in Grenzsituationen, damit das gezeugte Leben auch geboren werden kann. Dieses "Ja" verlange aber auch eine Politik, die im Sinn des Gemeinwohls eine humane Sozial-, Wirtschafts- und Rechtsordnung ermöglicht. Christliches Apostolat und politische Verantwortung sollten einander ergänzen und Ausdruck tätiger Nächstenliebe sein. Das "Ja zum Leben" gelte auch für das Ende des Lebens. Notwendig sei nicht aktive Sterbehilfe, sondern humane Sterbebegleitung, wie sie die Hospizbewegung ermöglicht, betonte Prof. Schambeck und zitierte Kardinal Franz König: "Der Mensch soll nicht durch die Hand, sondern an der Hand eines Menschen sterben".

In dieser an den Grundfragen des Lebens orientierten Sicht ist die kirchliche Lehre von den Menschenrechten auf ein humanes Für- und Miteinander der Menschen in allen Nationen, Staaten und politischen Systemen gerichtet, unterstrich der frühere Präsident des Bundesrates. Niemand habe daher das Recht, die Lehre der Kirche "einseitig ideologisierend und monopolisierend" auf sich zu beziehen, um etwa Herrschaftsansprüche zu legitimieren oder gar aus imperialistischen und materialistischen Gründen geführte Kriege zu rechtfertigen. Darauf habe schon das Zweite Vatikanische Konzil in seiner Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute "Gaudium et spes" verwiesen.

Die Lehre von den Grundrechten richte die katholische Kirche "urbi et orbi" an alle. Die zeit- und ortsgemässe Beachtung dieser Rechte könne freilich in unterschiedlicher Weise erfolgen. Die Lehre von den grundlegenden Menschenrechten habe nicht nur für Gläubige Bedeutung, sondern sollte allen Menschen zu Gute kommen.

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