Fachleute zeichnen ein brisantes Zukunftsszenario für das Gesundheitswesen

Übergewicht und psychische Erkrankungen sind die neuen Volkskrankheiten

Innsbruck (OTS) - Wie Fachleute heute auf der Gesundheitsförderungskonferenz des Fonds Gesundes Österreich berichten, kommt auf das Gesundheitswesen eine brisante Kombination zu, aus (a) steigender Lebenserwartung, (b) einer zunehmenden Zahl chronisch Kranker als Folge des grassierenden Übergewichts und der steigenden Häufigkeit psychischer Erkrankungen (c) sowie Gesundheitsbudgets, denen enge Grenzen gesetzt sind. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, müssen energische Maßnahmen weit über das Gesundheitswesen hinaus ergriffen werden und alle Politikbereiche im Sinn von "Health in all policies" an einem Strang ziehen. Als Grundlage für die interdisziplinäre Entwicklung umfassender Gesundheitsziele und -programme ist eine integrierte Gesundheitsberichterstattung unumgänglich.

Gemeinsam die Herausforderungen aufnehmen

Auf der Tagung "Wie gesund ist Österreich?" des Fonds Gesundes Österreich in Innsbruck treffen heute Fachleute aus unterschiedlichen Fachbereichen mit denen aus dem Gesundheitswesen zusammen. Diskutiert wird der Status quo, vor allem aber auch die Frage, wie Daten aus verschiedenen Sektoren in eine umfassende Gesundheitsberichterstattung integriert werden können.

Gesundheitslandesrat Univ.-Prof. DI Dr. Bernhard Tilg "Damit werden solide Entscheidungsgrundlagen für die Politik geschaffen. Es freut mich, dass mit der heutigen Konferenz in Innsbruck der Grundstein für eine verstärkte Kooperation zwischen Gesundheitsförderung, einer umfassenden Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitspolitik gelegt wird."

Übergewicht und psychische Erkrankungen - die neuen Volkskrankheiten

Übergewicht ist eines der drängendsten Gesundheitsprobleme und zieht sich quer durch alle Alters- und sozialen Gruppen. Schon 19% der Schüler zwischen 6 und 15 Jahren weisen ein zu hohes Körpergewicht auf, 8% davon sind sogar adipös. Dieser Anteil ist bei Erwachsenen noch höher: Von den 18-65-jährigen ist fast die Hälfte, nämlich 42%, übergewichtig oder adipös. Als Folge dieser Entwicklung rollt eine Welle von Krankheiten und damit auch Kosten auf das Gesundheitswesen zu, denn Übergewicht ist ein zentraler Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Typ-2-Diabetes und bestimmte Krebsarten. "Verschärft wird die Prognose noch durch die steigende Lebenserwartung, denn die Zahl der über 65-Jährigen wird sich bis zum Jahr 2050 fast verdoppeln. Ein Erfolg der letzten Jahre, die steigende Zahl der bei "guter Gesundheit" verbrachten Lebensjahre wird dadurch ebenso gefährdet wie die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens." betont Mag. Christoph Hörhan, der Leiter des Fonds Gesundes Österreich.

Auch Stress ist in Österreichauf auf dem Vormarsch, wie eine aktuelle Umfrage des Fonds Gesundes Österreich ergab: Der Anteil der Bevölke-rung, die im Alltagsleben "sehr viel" oder "viel" gestresst ist, stieg zwischen 1999 und 2009 von 41 auf 47%. Stress ist ein Mitauslöser von Herz-Kreislauferkrankungen und psychischen Erkrankungen. Europaweite Untersuchungen zeigen, dass schon rund ein Drittel der Jugendlichen an psychischen Beschwerden leidet. Die Zahl der verordneten Psychopharmaka ist hierzulande seit 1995 von 4,8 Mio. auf 10,5 Mio. im Jahr 2007 angestiegen. Die Zahl der Krankenstandstage aufgrund von psychiatrischen Krankheiten hat zwischen 1991 und 2007 um 125% zugenommen. Bei den Gründen für Invaliditätspensionen nehmen psychiatrische Erkrankungen mit 29% bereits die zweite Stelle ein.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass alle Politikfelder, die es in der Hand haben, gesunde Lebenswelten zu schaffen, sich dieser Aufgabe engagiert widmen. Bewegungsfördernde Rahmenbedingungen zu schaffen ist dabei eine zentrale Aufgabe, denn die Ursache für das zunehmende Übergewicht ist nicht, dass die Österreicherinnen und Österreicher mehr essen als früher, sondern dass sie sich weniger bewegen. Ein weiterer Nutzen: mehr Bewegung ist auch gut gegen Stress.

Es braucht eine bereichsübergreifende Gesamtstrategie

In den letzten Jahren wird immer deutlicher, wie groß der Einfluss von sozialen, ökonomischen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren auf den Gesundheitszustand ist. Das sind etwa die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, die wirtschaftliche und soziale Sicherheit, die Umwelt, das Bildungssystem, die Arbeitsbedingungen ebenso wie die bauliche Umwelt. Damit die Bevölkerung sich mehr bewegt, braucht es beispielsweise mehr Rad- und sichere Gehwege sowie eine gut ausgebaute kleinräumige Infrastruktur, damit man auch zu Fuß oder mit dem Rad einkaufen oder ein Päckchen aufgeben kann. Hier sind die Stadt- und Verkehrsplanung und die Politik gefordert. "Wie dieses Beispiel zeigt, sind gesundheitsfördernde Lebenswelten nur durch eine bereichsübergreifende Gesamtstrategie im Sinne von "Health in All Policies" zu erreichen. Bei deren Entwicklung kann die Gesundheitsförderung eine tragende Rolle einnehmen" so Hörhan abschließend.

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