• 04.05.2009, 10:00:00
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Fachleute zeichnen ein brisantes Zukunftsszenario für das Gesundheitswesen

Übergewicht und psychische Erkrankungen sind die neuen Volkskrankheiten

Innsbruck (OTS) - Wie Fachleute heute auf der
Gesundheitsförderungskonferenz des Fonds Gesundes Österreich
berichten, kommt auf das Gesundheitswesen eine brisante Kombination
zu, aus (a) steigender Lebenserwartung, (b) einer zunehmenden Zahl
chronisch Kranker als Folge des grassierenden Übergewichts und der
steigenden Häufigkeit psychischer Erkrankungen (c) sowie
Gesundheitsbudgets, denen enge Grenzen gesetzt sind. Um diesen
Herausforderungen zu begegnen, müssen energische Maßnahmen weit über
das Gesundheitswesen hinaus ergriffen werden und alle Politikbereiche
im Sinn von "Health in all policies" an einem Strang ziehen. Als
Grundlage für die interdisziplinäre Entwicklung umfassender
Gesundheitsziele und -programme ist eine integrierte
Gesundheitsberichterstattung unumgänglich.

Gemeinsam die Herausforderungen aufnehmen

Auf der Tagung "Wie gesund ist Österreich?" des Fonds Gesundes
Österreich in Innsbruck treffen heute Fachleute aus unterschiedlichen
Fachbereichen mit denen aus dem Gesundheitswesen zusammen. Diskutiert
wird der Status quo, vor allem aber auch die Frage, wie Daten aus
verschiedenen Sektoren in eine umfassende
Gesundheitsberichterstattung integriert werden können.

Gesundheitslandesrat Univ.-Prof. DI Dr. Bernhard Tilg "Damit
werden solide Entscheidungsgrundlagen für die Politik geschaffen. Es
freut mich, dass mit der heutigen Konferenz in Innsbruck der
Grundstein für eine verstärkte Kooperation zwischen
Gesundheitsförderung, einer umfassenden Gesundheitsberichterstattung
und Gesundheitspolitik gelegt wird."

Übergewicht und psychische Erkrankungen - die neuen Volkskrankheiten

Übergewicht ist eines der drängendsten Gesundheitsprobleme und
zieht sich quer durch alle Alters- und sozialen Gruppen. Schon 19%
der Schüler zwischen 6 und 15 Jahren weisen ein zu hohes
Körpergewicht auf, 8% davon sind sogar adipös. Dieser Anteil ist bei
Erwachsenen noch höher: Von den 18-65-jährigen ist fast die Hälfte,
nämlich 42%, übergewichtig oder adipös. Als Folge dieser Entwicklung
rollt eine Welle von Krankheiten und damit auch Kosten auf das
Gesundheitswesen zu, denn Übergewicht ist ein zentraler Risikofaktor
für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Typ-2-Diabetes und bestimmte
Krebsarten. "Verschärft wird die Prognose noch durch die steigende
Lebenserwartung, denn die Zahl der über 65-Jährigen wird sich bis zum
Jahr 2050 fast verdoppeln. Ein Erfolg der letzten Jahre, die
steigende Zahl der bei "guter Gesundheit" verbrachten Lebensjahre
wird dadurch ebenso gefährdet wie die Finanzierbarkeit des
Gesundheitswesens." betont Mag. Christoph Hörhan, der Leiter des
Fonds Gesundes Österreich.

Auch Stress ist in Österreichauf auf dem Vormarsch, wie eine
aktuelle Umfrage des Fonds Gesundes Österreich ergab: Der Anteil der
Bevölke-rung, die im Alltagsleben "sehr viel" oder "viel" gestresst
ist, stieg zwischen 1999 und 2009 von 41 auf 47%. Stress ist ein
Mitauslöser von Herz-Kreislauferkrankungen und psychischen
Erkrankungen. Europaweite Untersuchungen zeigen, dass schon rund ein
Drittel der Jugendlichen an psychischen Beschwerden leidet. Die Zahl
der verordneten Psychopharmaka ist hierzulande seit 1995 von 4,8 Mio.
auf 10,5 Mio. im Jahr 2007 angestiegen. Die Zahl der
Krankenstandstage aufgrund von psychiatrischen Krankheiten hat
zwischen 1991 und 2007 um 125% zugenommen. Bei den Gründen für
Invaliditätspensionen nehmen psychiatrische Erkrankungen mit 29%
bereits die zweite Stelle ein.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass alle Politikfelder,
die es in der Hand haben, gesunde Lebenswelten zu schaffen, sich
dieser Aufgabe engagiert widmen. Bewegungsfördernde Rahmenbedingungen
zu schaffen ist dabei eine zentrale Aufgabe, denn die Ursache für das
zunehmende Übergewicht ist nicht, dass die Österreicherinnen und
Österreicher mehr essen als früher, sondern dass sie sich weniger
bewegen. Ein weiterer Nutzen: mehr Bewegung ist auch gut gegen
Stress.

Es braucht eine bereichsübergreifende Gesamtstrategie

In den letzten Jahren wird immer deutlicher, wie groß der Einfluss
von sozialen, ökonomischen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren
auf den Gesundheitszustand ist. Das sind etwa die Teilnahme am
gesellschaftlichen Leben, die wirtschaftliche und soziale Sicherheit,
die Umwelt, das Bildungssystem, die Arbeitsbedingungen ebenso wie die
bauliche Umwelt. Damit die Bevölkerung sich mehr bewegt, braucht es
beispielsweise mehr Rad- und sichere Gehwege sowie eine gut
ausgebaute kleinräumige Infrastruktur, damit man auch zu Fuß oder mit
dem Rad einkaufen oder ein Päckchen aufgeben kann. Hier sind die
Stadt- und Verkehrsplanung und die Politik gefordert. "Wie dieses
Beispiel zeigt, sind gesundheitsfördernde Lebenswelten nur durch eine
bereichsübergreifende Gesamtstrategie im Sinne von "Health in All
Policies" zu erreichen. Bei deren Entwicklung kann die
Gesundheitsförderung eine tragende Rolle einnehmen" so Hörhan
abschließend.

Rückfragehinweis:

Gabriele Ordo
   Gesundheit Österreich GmbH
   Geschäftsbereich Fonds Gesundes Österreich
   Tel.: 0664 1184958
   E-Mail: gabriele.ordo@fgoe.org 
   www.fgoe.org

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