FPÖ-Neubauer: "Muss italienischer Staatsanwalt nach den Schützen nun auch gegen Magnago und Durnwalder ermitteln?"

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Wien (OTS) - Eine "Danksagung" auf der Heimseite des Südtiroler Schützenbundes für Attacken auf das Brunecker Alpini-"Denkmal, im Volk besser als "Kapuziner Wastl" bekannt, war angeblich Auslöser für die Anzeigen der beiden italienischen Parteien Popolo della Libertà (PdL) und Unitalia. Nun soll also die Staatsanwaltschaft gegen die Schützen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet haben, wobei geprüft werden soll, ob eine Straftat hinter der Veröffentlichung der Dokumente zum Alpini-Denkmal im Internet stecke.

Erster Empfänger ist die Panzerbesatzung der Deutschen Wehrmacht, die 1944 den "Kapuziner-Wastl" vom Sockel holte, gedankt wird jenen, die ihn 1956 rot-weiß bemalten, den Freiheitskämpfern, die ihm 1959 mit Sprengstoff zu Leibe rückten und schließlich den "Pusterer Buam", die ihn 1966 in die Luft jagten.

Der freiheitliche Südtirolsprecher NAbg. Werner Neubauer, der mit FPÖ-NAbg Carmen Gartelgruber am vergangenen Samstag an der beeindruckenden Großkundgebung des Schützenbundes in Bruneck teilgenommen hat, stellte heute zu der Anzeige fest:
"Wenn die Staatsanwaltschaft vorhat, gegen den SSB vorzugehen, dann müsste sie in logischer Konsequenz auch gegen den amtierenden Landeshauptmann Durnwalder und LH a.D. Silvius Magnago vorgehen. Durnwalder hat die Verdienste der ehemaligen Attentäter herausgestellt und Magnago hat ihnen ein öffentliches "Danke" gesagt!"

Der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder sagte nämlich in seiner Ansprache auf der Andreas Hofer-Gedenkfeier am 17. Februar 2002 in Meran laut Bericht in den "Dolomiten" vom 18. Februar 2002:
"Für den Erhalt der Heimat ... müsse täglich gekämpft werden, ermahnte der Landeshauptmann. Es werde einem nie etwas geschenkt, man müsse diese Gedanken leben und sich dafür einsetzen. Für Südtirol habe es seit dem Landlibell oft schon schwere Zeiten gegeben. Durnwalder erinnerte an Faschismus, Nationalsozialismus und die schweren Nachkriegsjahre. Auch in den Sechzigerjahren habe es Leute gegeben, die dieser Idee (der Freiheitsidee Andreas Hofers; Anm.) gefolgt seien. Die heutige Situation im Lande sei auch ihnen zu verdanken, betonte der Landeshauptmann."

Neubauer verwies auch auf eine Stellungnahme des Südtiroler Landeshauptmannes a. D. und ehemaligen Parteiobmanns der Südtiroler Volkspartei (SVP), Dr. Silvius Magnago, der im Südtiroler SVP-Parteiorgan "Volksbote" am 8. April 1976 folgendes schrieb:
,Niemand kann bestreiten, dass jene, soweit sie von dieser echten Überzeugung getragen waren, als Idealisten gehandelt haben. Viele von ihnen haben schwere und größte Opfer auf sich genommen, Im überzeugten Einsatz für unser Volk. Dies soll hier auch zur Wiederherstellung des diesen Männern gebührenden Ansehens ausdrücklich betont und anerkannt werden, wenn wir einmal vom Strafgesetzbuch absehen wollen. Die Anschläge von damals und die darauffolgenden Prozesse gehören, genau wie vieles andere, zur Nachkriegsgeschichte Südtirols und stellen einen bedeutenden Beitrag zu dieser Geschichte und zur Erreichung einer besseren Autonomie für Südtirol dar: Es muss festgestellt werden, dass Italien bis dahin die Existenz einer Südtirolfrage praktisch immer in Abrede gestellt hatte, auf dem Standpunkt stand, der Pariser Vertrag sei bereits erfüllt und sich geweigert hatte, wenn man von ergebnislosen Gesprächen absieht, mit Österreich in konkrete Verhandlungen einzutreten."

Bereits zwei Wochen vorher hatte sich Magnago auf der Landesversammlung der SVP in Meran mit folgenden Worten, die große Beachtung fanden, an die Delegierten gewandt:
,,Man darf sich nicht wundern, wenn Südtiroler, die jahrelang zusehen mussten, wie man bei Inanspruchnahme der demokratischen Mittel, das heißt, auf dem Wege der Verhandlungen, keinerlei Fortschritte erzielte, das Vertrauen in die Instrumente der Demokratie verloren. So ist es menschlich absolut erklärbar und menschlich gerechtfertigt, wenn diese Männer nach solchen bitteren Erfahrungen zu anderen Mitteln gegriffen haben in der festen Überzeugung, unserer Heimat einen guten und notwendigen Dienst zu erweisen....
Die Einsetzung der 19er-Kommission ist sicher unter dem Eindruck des damals Geschehenen erfolgt; es ist nur traurig, feststellen zu müssen, wie so oft auf dieser Welt, Staaten sich erst dann rühren, nachdem Gewalt angewendet wurde, anstatt dass diese zeitgerecht und in Ausübung ihrer demokratischen Befugnisse und Pflichten zum Rechten sehen.
Gleichzeitig möchten wir unserer Hoffnung Ausdruck verleihen, dass nie mehr Südtiroler durch das Verhalten des Staates unserer Volksgruppe gegenüber, in eine ähnliche Lage gebracht und zu solchen Taten getrieben werden...."
(Quelle: ,,30 Jahre Pariser Vertrag", herausgegeben von der Parteileitung der Südtiroler Volkspartei (SVP).

Letztendlich verwies der FPÖ-Südtirolsprecher Neubauer auf ein mit Dr. Silvius Magnago in der Juni-Ausgabe 2001 veröffentlichtes Interview der Südtiroler Illustrierten "FF" anlässlich des Gedenkens des 40. Jahrestages der 1961 er "Feuernacht", in dem dieser auf die Frage, ob die Anschläge also genützt hätten, gemeint hatte:
"Ich gebe keine Interpretation. Diese Meinung kann sich jeder bilden, nachdem ich erklärt habe, wie und zu welchem Zeitpunkt es zur 19er Kommission gekommen ist." (Anmerkung: Welche das Autonomiestatut entwarf.)

Ergänzend zu dieser Aussage stellte Magnago zum Schluss fest: "Wenn ich von der Unterredung Magnago-Scelba ausgehe, dann kann man ihnen Danke sagen. Jedenfalls eher Danke als Nicht-Danke."
"Die Freiheitskämpfer haben durch ihren persönlichen Einsatz den Weg in die Autonomie als ersten Schritt zur Selbstbestimmung Südtirols geebnet", so Neubauer. "Heute ist es dem engagierten Eintreten des Südtiroler Schützenbundes zu verdanken, dass der italienischen Staatswillkür - die es in vielen Bereichen des täglichen Lebens immer noch und immer wieder gibt - mutig entgegen getreten wird", so Neubauer.

"Die FPÖ stellt sich deshalb vollinhaltlich hinter die vom Südtiroler Schützenbund vertretenen Positionen! Wir werden nun abwarten, wie die italienische Justiz auf die Aussagen Durnwalders bzw. Magnagos reagieren wird", sagte Neubauer, der auch ankündigte, ein Gutachten in Auftrag zu geben, das prüfen soll, ob einerseits die in Geltung befindlichen italienischen faschistischen Gesetze mit dem Autonomiestatut Südtirols in Einklang zu bringen sind und andererseits die Frage klären soll, ob diese Gesetze der europäischen Menschenrechtskonvention widersprechen.

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