Arbeitslosigkeit & Armut - Caritas fordert rasche Lösungen

Landau zum Tag der Arbeitslosen: Der Sozialstaat ist kein Auslaufmodell!

Wien (OTS) - Viele tausende Menschen in Österreich sind derzeit arbeitslos. 334.000 Frauen und Männer waren Ende März beim AMS als arbeitslos gemeldet bzw. befanden sich in Schulungen. Glaubt man den Prognosen der Experten, dann ist der Höhepunkt der Krise noch nicht erreicht. Caritasdirektor Michael Landau: "Angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen appelliere ich dringend an die Bundesregierung in Zeiten der Not nicht nur für Banken und Unternehmen Notfallpakete zu schnüren. Jetzt dürfen wir vor allem nicht auf die sozial schwächsten Menschen in unserer Gesellschaft vergessen." In den kommenden Monaten wird die Zahl jener, die sich am Rande der Gesellschaft und in existenziellen Notlagen befinden, steigen. "Arme Menschen sind die Ersten, die von der aktuellen Krise betroffen sind - hier geht es um soziale Gerechtigkeit. Was es jetzt dringend braucht, ist ein Konjunkturpaket für die Ärmsten. Eine Reihe von Maßnahmen wird notwendig sein um den Sozialstaat Österreich nachhaltig armutsfest und zukunftstauglich zu machen", so Landau.

Arbeitslosigkeit und Armut gehen meist Hand in Hand

Das Risiko von Armut betroffen zu sein ist für erwerbslose Menschen enorm und verstärkt sich mit zunehmender Dauer:
Durchschnittlich lebt jeder dritte Erwerbslosenhaushalt in Österreich unter der Armutsgrenze. In Haushalten von Personen, die mehr als 6 Monate erwerbslos sind, sind es 41%, bei Erwerbslosigkeit von mehr als 12 Monate, sind es gar 52%, also mehr als die Hälfte. Um das Armutsrisiko der tausenden erwerbslosen Menschen und ihrer Familien zu reduzieren, fordert die Caritas ein Mindestarbeitslosengeld. Mit einer Netto-Ersatzquote von derzeit 55 % rangiert Österreich im EU-Schnitt weit hinten, und auch die notwendige jährliche Valorisierung der Leistungen der Arbeitslosenversicherung fehlt nach wie vor. Armutsbekämpfung muss stärker als bisher bereits bei der Arbeitslosenversicherung ansetzen. Die Sozialhilfe ist kein gleichwertiger Ersatz, da bei der Sozialhilfe sehr strikte Vermögensverwertungsbestimmungen gelten, die spätestens nach sechs Monaten Sozialhilfebezug greifen: Dann gilt, dass alle Ersparnisse -wie etwa ein "Notgroschen" oder eine Lebensversicherung - verwertet und für den täglichen Bedarf verwendet werden müssen. Ist ein Eigenheim vorhanden, dann muss es grundbücherlich sichergestellt werden. Landau: "Wer es nicht schon ist, der muss erst bitterarm werden, um Anspruch auf Sozialhilfe zu haben."

Schulmeister zur aktuellen Diskussion der Vermögensbesteuerung

Stephan Schulmeister, Wirtschaftsforscher: "Das Potential für die große Krise wurde durch den Finanzboom seit Anfang der 1980er Jahre "aufgebaut". Immer mehr Akteure orientierten sich an der Lösung:
"Lassen wir unser Geld arbeiten". Die Krise trifft am meisten jene, die "wirklich" arbeiten wollen, aber keinen Job finden, insbesondere junge Menschen. Sie waren am Finanzboom nicht beteiligt. Um die Krise und ihre Folgen wirksam bekämpfen zu können, müssen offensive Maßnahmen in Angriff genommen werden, insbesondere im Bildungswesen, in der Altenbetreuung, bei der Armutsbekämpfung sowie zur Bekämpfung der (Jugend)Arbeitslosigkeit. Dazu braucht der Staat auch Beiträge der Vermögenden. Eine Reform der Vermögensbesteuerung kann so gestaltet werden, dass der Mittelstand keine spürbaren Lasten tragen muss und dennoch erhebliche Mittel aufgebracht werden. Denn die Verteilung der Vermögen ist extrem ungleich."

Gerade in der Krise braucht es unterschiedliche Lösungsansätze

Ein Teil der erwerbslosen Menschen wird allen individuellen Anstrengungen und Fördermaßnahmen zum Trotz den Anforderungen des regulären Arbeitsmarktes dauerhaft nicht genügen können. Aus diesem Grund fordert die Caritas gemeinsam mit vielen anderen sozialen Non-Profit-Organisationen seit Jahren einen "dritten" Arbeitsmarkt, einen Zugang zu qualitätsvollen Beschäftigungsprojekten, deren Ziele andere sind, als die Vermittlung auf den regulären Arbeitsmarkt.

Auch die besten Angebote am erweiterten Arbeitsmarkt können nicht für sinkende Erwerbslosenzahlen sorgen, wenn die Arbeitsplätze am regulären Arbeitsmarkt fehlen. Auch über die Verteilung der verfügbaren Arbeit wird man nachdenken und Antworten finden müssen. Schulmeister: "Kurzfristig gibt es einen "Königsweg", um die sinkende Nachfrage nach Arbeit solidarisch und effizient zu bewältigen: Die Ausweitung von Kurzarbeit. Die schon bestehenden Modelle müssen den Bedingungen einer längeren Krise angepasst werden mit dem Ziel, Kurzarbeiter für die Unternehmen attraktiver zu machen als Kündigungen."

Endlich Arbeit!

Die Caritas der Erzdiözese Wien bietet derzeit 270 Arbeitsplätze für langzeitarbeitslose Frauen und Männer in sieben Beschäftigungsprojekten an, rund 700 Menschen waren 2008 in einem der Projekte beschäftigt. Die Tätigkeiten reichen von der Textilsortierung und Möbelaufbereitung im Caritas Spendenlager carla bis zum Service im Caritas-Restaurant Inigo. Erstmals veranstaltet die Caritas am heutigen Tag der Arbeitslosen eine "Jobmeile" speziell für langzeiterwerbslosen Menschen. Interessierte können sich den ganzen Tag über die verschiedenen sozialökonomischen Betriebe informieren. Im Mittelpunkt stehen Information und Beratung über konkrete Job-Angebote am erweiterten Arbeitsmarkt.

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Mag.(FH) Klaus Schwertner
Pressesprecher Caritas der Erzdiözese Wien
Tel.: +43 (0)1/878 12-221, Mobil: +43 (0)664/848 26 18
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