"Kleine Zeitung" Kommentar: "Auch die Ohnmacht der Bauern ist ein Defekt unserer Zeit" (von Johannes Kübeck)

Ausgabe vom 30.04.2009

Graz (OTS) - Die Zukunft unserer Bauern ist zu wichtig, um sie auf dem Altar kleinkarierter Parteipolitik zu opfern. Beim gestrigen Traktorenaufmarsch ist es also nicht darum gegangen, ob der ÖVP-Bauernbund oder die "Rebellen" IG-Milch recht haben, oder ob Heinz-Christian Strache ein besserer Bauer ist als Nikolaus Berlakovich. Die Demonstration war ein aufrüttelndes Zeichen der Ohnmacht einer kleinen Gruppe, die im Mainstream der Moderne aufgerieben zu werden droht.

Es gibt bei den Bauern allerdings einen erheblichen Unterschied zu anderen kleinen Gruppen, die durch den Gang der Dinge an den Rand gedrängt werden. Sie sind die einzigen, die in unserer Nachbarschaft das Gedeihen der Natur begleiten und steuern. Nicht so sehr als Ernährer des Volkes - diese Funktion können notfalls auch Importe aus Übersee erfüllen -, sondern als Gestalter der Kulturlandschaft, Bewahrer der natürlichen Ressourcen, Botschafter der Nachhaltigkeit oder als Zeugen der so hoch geachteten ländlichen Kultur.

Wer dies - und anderes - für schützenswert hält, kommt an einem Plädoyer für die Bauern nicht herum. Die Erhaltung jedes einzelnen dieser Werte kann wahrscheinlich irgendwie organisiert werden. Die Bauern aber sind die Einzigen, die alles nachweislich aus Eigenem -und halbwegs kostengünstig - schaffen.

Das aktuelle Problem ist die Ohnmacht der Landwirtschaft gegenüber den Handelskonzernen. Seit diese wertvolle Lebensmittel als umsatzträchtige Lockartikel missbrauchen, sind die Bauern bei den Preisen auf der Verliererstraße.

Deshalb wäre im Beziehungsgeflecht zwischen Handel und Bauern eine gewisse Regulierung im öffentlichen Interesse. Immerhin ist es ja auch richtig, strenge Regeln für die außer Kontrolle geratenen Finanzinstrumente festzusetzen. Denn die offensichtliche Übermacht der Konzerne gegenüber den Bauern treibt nicht nur die Milchbauern auf die Straße, sondern schnürt unter dem Schlagwort der freien Marktkräfte fast alle landwirtschaftlichen Sparten unerträglich ein.

Die EU, die alle Agraragenden in Händen hält, hätte ein reiches Betätigungsfeld. Sie darf sich - weil sie es auch bei den Finanzjongleuren nicht tut - bei den Bauern jedenfalls nicht darauf ausreden, sie müsse vornehmlich die wirtschaftlichen Freiheiten bewahren.

Falls es zu derartigen Regulierungen kommen sollte, muss allerdings Eines klar sein. Der Verlierer bei einem Regelwerk zwischen Handel und Landwirtschaft darf nicht der Bürger und nicht der Konsument sein.****

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