"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Miserable Optik bei den ÖBB" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 30. April 2009

Innsbruck (OTS) - Spekulationen, Riesenverluste, gleichzeitig Bonuszahlungen für die ÖBB-Bosse und höhere Preise lassen die Österreicher zu Recht kochen.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat Staaten in aller Welt unglaubliche Summen in Banken und Wirtschaft pumpen lassen, um einen Kollaps zu verhindern. Die durch Profitgier und Spekulationen ausgelöste Krise brachte den Kapitalismus, zumindest jenen ungezügelten angloamerikanischen Zuschnitts, in seine schwerste Krise.

Selbst Konzernmultis wie General Motors rufen immer unverhohlener nach Staatshilfe oder einem Staatseinstieg. Kaum verwunderlich, dass da auch in Europa vor allem sozialdemokratische Politiker und Gewerkschafter Aufwind für den davor sukzessive zurückgedrängten Staatseinfluss wittern.

In Österreich freilich gibt es für diese Forderungen nicht gerade echte Schützenhilfe. Da war zunächst das Fiasko bei der AUA, die mit Staatsgeld vor der Pleite bewahrt werden musste und nur mit einer 500-Millionen-Mitgift an den Mann (oder besser: die Lufthansa) gebracht werden konnte.

Nun kommen die ÖBB mit ihrem 969-Millionen-Verlust, der zu einem Gutteil durch nötige Risikovorsorgen für Spekulationspapiere und US-Leasingdeals (mit Loks, Waggons, Bahnhöfen usw.) sowie zu teure Zukäufe wie in Ungarn verursacht wurde. Im selben Atemzug, in dem das Rekordminus und ein 14-Milliarden-Schuldenberg bekannt gegeben wird, kündigt der ÖBB-Vorstand eine Fahrpreiserhöhung an. Und er findet nichts dabei, sich und weiteren Führungskräften nach all den Flops eine Prämie von voraussichtlich 4 Mio. Euro auszuschütten. An dieser Art von Staatswirtschaft wird das Wirtschaftssystem garantiert nicht genesen.

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