Berlakovich startet breit angelegte Agraroffensive "Zukunftsfeld Bauernhof"

Diskussionsveranstaltungen in allen Bundesländern - Zukunftsdiskussion auf die Höfe tragen

St. Pölten (OTS) - Wirtschaftskrise, unsichere Märkte, neue Spielregeln in der Landwirtschaft - in schwierigen Zeiten gibt Landwirtschaftsminister Berlakovich den Startschuss für die Diskussionsreihe "Zukunftsfeld Bauernhof". "Mit der Agraroffensive 'Zukunftsfeld Bauernhof' eröffnen wir einen breiten Diskussionsprozess mit den Bäuerinnen und Bauern aus allen Bundesländern über die wesentlichen Grundsatzfragen einer Landwirtschaft unter veränderten Vorzeichen. Die auf breiter Ebene angelegten Diskussionsveranstaltungen in allen neun Bundesländern sollen die Zukunftsdiskussion auf die Höfe tragen. Wir erwarten uns eine starke Beteiligung an diesem Prozess. Wir wollen die Chancen in der Krise erkennen und gemeinsam das 'Zukunftsfeld Bauernhof' entwerfen. Die Grundlagen sind von unseren LandwirtInnen in den letzten Jahren gelegt worden. Für die Zukunft geht es um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, die regionale Energieproduktion und Unterstützung für Jungübernehmer und Bäuerinnen, die besonders von den Veränderungen in Arbeitsplatz und Lebensraum betroffen sind", so Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich heute in St. Pölten in einer gemeinsamen Auftaktpressekonferenz der Diskussionsreihe "Zukunftsfeld Bauernhof" mit Landesrat Dr. Stephan Pernkopf und Landwirtschaftskammerpräsident Ing. Hermann Schultes.

EU-Rahmenbedingungen müssen passen

"Mit der Agraroffensive werden wir alles tun, um unsere Bauernhöfe fit für die Zukunft zu machen. Gleichzeitig wird Österreich auf EU-Ebene für vernünftige Rahmenbedingungen kämpfen", versichert Berlakovich. Unterstützende EU-Rahmenbedingungen sind für unsere Landwirtschaft unabdingbar, weitere Liberalisierungsschritte im Agrarsystem daher strikt abzulehnen.

Gute Lebensmittel aus nachhaltiger Landwirtschaft und kleinere Betriebsgrößen müssen im agrarischen Welthandel anerkannt und in der europäischen Politik berücksichtigt werden. Wir brauchen auch in Zukunft beide Säulen der Agrarpolitik - Direktzahlungen und Ländliche Entwicklung. Wir müssen aber neue Initiativen setzen, um auf die zu erwartenden steigenden Qualitätsanforderungen vorbereitet zu sein und die in Diskussion stehenden Marktordnungsmechanismen wie etwa bei der Milch durch neue zukunftsfähige Lösungen zu ersetzen.

Aktuelle Probleme im Milchbereich ausdiskutieren

Im Rahmen der Diskussion müssen wir auch aktuelle Probleme wie die im Milchbereich bewältigen. "Daher habe ich heuer ein Milchkonjunkturpaket geschnürt", so Landwirtschaftsminister Berlakovich. Konkret heißt das auch, keine Milchquotenerhöhung in dieser schwierigen Phase zu akzeptieren. "Ich werde die neue EU-Regelung einfach aussetzen", so Berlakovich. Der Landwirtschaftsminister ruft in diesem Sinn auch die Marktpartner auf, sich an einen Tisch zu setzen, um jenen Zustand herzustellen, der den Bäuerinnen und Bauern ein Überleben sichert. Der Auftrag an die Bauernvertreter und die Milchverarbeiter ist bereits erteilt.

Österreich wird weiters alles unternehmen, damit unsere Betriebe ihre Zahlungen und Leistungsabgeltungen früher als in den letzten Jahren erhalten - weil jeder Tag früher für unsere Bäuerinnen und Bauern eine Entlastung ist. Auch die KonsumentInnen sind jetzt gefordert. Jeder Griff ins Regal bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Wer gute und frische Lebensmittel konsumieren will und eine intakte Natur für die Freizeitgestaltung braucht, der muss im Supermarkt lokale Produkte kaufen, damit die LandwirtInnen ein gerechtes Einkommen erhalten.

Wettbewerbsfähigkeit ausbauen

"Die KonsumentInnen sind für uns das Maß aller Dinge", so Berlakovich. Unsere Landwirtschaft muss in der Lage sein, den KonsumentInnen die bestmöglichen Produkte anzubieten. Für einen starken Marktauftritt ist die Zusammenarbeit der Bäuerinnen und Bauern untereinander, die Zusammenarbeit zwischen den Produktsparten und mit dem Handel auf gleicher Augenhöhe notwendig. Wettbewerbsfähigkeit erfordert - neben den marktfähigen Produkten -eine hohe unternehmerische Kompetenz, klare Unternehmensziele, eine kontinuierliche Betriebsentwicklung und einen nachhaltigen Markterfolg. "Hier müssen wir ansetzen und besonders die JungübernehmerInnen unterstützen", so Berlakovich.

Die neue LandwirtInnen-Generation profitiert von der verstärkten Zusammenarbeit doppelt: Vernetzung bringt Marktvorteile und wertvolle Zeit für Freizeit und Weiterbildung. "Auch die Bäuerinnen, die immerhin knapp 40 Prozent der Höfe führen, müssen wir verstärkt im Blickpunkt haben", so Berlakovich weiter. Wir werden das Augenmerk auf ihre Mehrfachbelastung legen und sie gezielt unterstützen. Für die Zukunft der Landwirtschaft sind das gute Image der Bäuerinnen und Bauern sowie die Attraktivität des Landlebens eine gute Basis.

Energie-Produktion und Energie-Autarkie ist Zukunftsfeld

Eine klare Zukunftssparte ist die landwirtschaftliche Energieproduktion. Unser Ziel sind energieautarke Regionen und LandwirtInnen, die davon profitieren. Die Agraroffensive wird daher das Zukunftsfeld bäuerliche Energie-Produktion in den Vordergrund stellen. "Energie ab Hof" soll eine verbreitete und lukrative Einnahmequelle werden, die eine hohe Bedeutung für den Klima- und Umweltschutz einnimmt. Hier können sich die Bäuerinnen und Bauern eine überaus wichtige Rolle erarbeiten. Österreich ist jetzt schon Spitzenreiter bei erneuerbarer Energie, in der regionalen Energieversorgung werden Biomasse für Wärme-Energie, Treibstoff aus Biomasse sowie Strom aus Biogas eine noch größere Rolle spielen, sagte Berlakovich.

Pernkopf: Niederösterreich hat als größtes Agrarbundesland klare Vorreiterrolle

"Bäuerliche Familien sind das Rückgrad des ländlichen Raumes. Daher ist es umso wichtiger, schon heute die Perspektiven für morgen aufzuzeigen und die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Niederösterreich nimmt hier als größtes Agrarbundesland eine klare Vorreiterrolle ein. Neben der Lebensmittelproduktion ist der Ausbau der regionalen Energieversorgung Schlüsselthema. Die Gaskrise zum Jahreswechsel hat gezeigt, wie abhängig und verwundbar westeuropäische Energiesysteme sein können. Der Österreichische Weg, nämlich die Forcierung erneuerbarer Energieträger mit Schwerpunkt Biomasse, hat sich dabei als der richtige Weg herausgestellt. Der heimischen Land- und Forstwirtschaft kommt somit eine wesentliche Bedeutung als regionaler Energielieferant zu und ist klares Zukunftsthema des Landes Niederösterreich", so Agrarlandesrat Stephan Pernkopf zur Initiative des Bundesministers.

Schultes: Landwirtschaft als Arbeitsplatz- und Innovationsmotor

"Landwirtschaft schafft Arbeitsplätze, rund 10.000 im Bereich der landwirtschaftlichen Produktion und rund 140.000 in vor- und nachgelagerten Bereichen. Neue Rahmenbedingungen des Marktes, vor allem in Krisen, erfordern aber auch neue Ideen. Die Landwirtschaftskammer NÖ trägt dem Rechnung. Mit dem Programm 'PartnerKraft' richten wir uns mit vielfältigen Angeboten an bäuerliche Familien, um wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe mit hoher Lebensqualität zu fördern. Das Projekt 'Kraft der Benachteiligten Gebiete' zeigt anhand von best practice Beispielen die Vielzahl von Möglichkeiten der Landwirtschaft, gerade in den benachteiligten Gebieten auf. Die Zukunftswerkstatt Rinder und das Schweineberatungsteam beschäftigen sich intensiv mit Chancen und künftigen Geschäftsfeldern in der Tierhaltung. Nur der Blick fürs Ganze mit großer Umsetzungsstärke im Detail sichert Arbeitsplätze und somit die Zukunft des ländlichen Raumes", fasst Präsident Hermann Schultes einige Projekte der Landwirtschaftskammer NÖ zusammen.

Landwirtschaft ist tragende Säule der Gesellschaft

Stephan Pernkopf und Hermann Schultes sind sich einig: "Die Agraroffensive 'Zukunftsfeld Bauernhof' von Niki Berlakovich ist für alle Bäuerinnen und Bauern eine Plattform, um ihre Anliegen zu äußern und gemeinsam nach Lösungen für bestehende und künftige Herausforderungen zu suchen. Das Leben am Land ist attraktiv und soll es auch bleiben. Die Landwirtschaft als tragende Säule der Gesellschaft spielt dabei eine maßgebliche Rolle und hat auch den Anspruch, eine Vorreiterrolle einzunehmen."
(Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Landwirtschaftskammer Niederösterreich
Wiener Straße 64, 3100 St. Pölten
Tel.: 02742/259-9300, Fax: 02742/259-4009
mailto: presse@lk-noe.at
http://www.lk-noe.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AIM0002